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Zweifel an globaler Ernährungsstudie

Wer wenig Kohlenhydrate isst, lebt nicht automatisch länger

Eierspeisen
© Imago/Westend61
von , am
08.09.2017

Die Ergebnisse einer globale Ernährungsstudie seien der Beweis, dass man mit wenig Kohlenhydraten und viel Fett im Essen länger lebe, behaupten deren Autoren. Forscher der Uni Hohenheim widersprechen dieser Schlussfolgerung.

Weniger Kohlenhydrate und mehr Fett in der täglichen Kost verlängern das Leben – das schlussfolgern die Autoren der aktuellen globalen Ernährungsstudie PURE (Prospective Urban Rural Epidemiology) und fordern eine weltweite Revision der aktuellen Ernährungsempfehlungen.

Falsch, sagen Wissenschaftler der Universität Hohenheim in Stuttgart. Solch weitreichende Schlüsse ließen Methodik und Ergebnisse der Studie gar nicht zu.

Ernährungsmediziner Prof. Dr. Hans Konrad Biesalski, Tropen-Expertin Prof. Dr. Regina Birner und Ernährungswissenschaftler Prof. Dr. Jan Frank, Präsident der Society of Nutrition and Food Science (SNFS), sehen die PURE-Studie kritisch, deren Autoren in 18 Ländern den Einfluss von Kohlenhydraten, Fett und Eiweiß in der Ernährung auf das Krankheits- und Sterblichkeitsrisiko untersucht haben. 

Ein direkter kausaler Zusammenhang zwischen der Gesamtmenge an Kohlenhydraten und Fett in der Ernährung und der Sterblichkeit sei nicht erkennbar. Entscheidend sei vielmehr die Qualität der Ernährung, also beispielsweise der Gehalt an wichtigen Vitaminen und Mineralstoffen.

„Mit steigender Armut nimmt der Anteil an Kohlenhydraten deutlich zu und der von Lebensmitteln tierischen Ursprungs, vor allem von Fleisch und Fleischprodukten, ab. Denn stärkehaltige Produkte wie Reis, Mais, Weizen, Kartoffeln oder Cassava sind preisgünstig und sättigen“, erklärt Prof. Dr. Birner. Diese Nahrungsmittel seien aber bezüglich der Versorgung mit essenziellen Mikronährstoffen eine schlechte Quelle, und die Versorgung zum Beispiel mit Eisen und Zink habe einen Einfluss auf die Sterblichkeit.

In reichen Nationen dagegen liege die Kohlenhydratzufuhr im Bereich von 45 bis 55 Prozent der Ration. „Hier bedeutet ein Zuviel an Kohlenhydraten vor allem ein Zuviel an Zucker und zuckerhaltigen Lebensmitteln. Diese zu reduzieren ist sicherlich kein Fehler und möglicherweise auch gesundheitsfördernd“, fasst Prof. Dr. Biesalski zusammen.

 

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