Login

Das ist ein Artikel vom Top-Thema:

Deichdeern Julia Nissen zum Thema Landleben

„Ich muss weniger googeln und kann öfter über den Zaun rufen“

Julia-Nissen-Deichdeern
am Donnerstag, 30.04.2020 - 05:00 (Jetzt kommentieren)

Julia Nissen bloggt als Deichdeern sehr erfolgreich über das Leben auf dem Land. Wir sprachen mit der agrarheute digital future award-Gewinnerin darüber, was Landleben für sie bedeutet.

Das Leben zwischen Kind, Küche und Kuhstall ist nach eigenen Angaben der Inhalt von Julia Nissens Website. Als Deichdeern berichtet sie über die kleinen und großen Highlights ihres Lebens in Nordfriesland. Und man staunt, was da alles los ist hinterm Deich. Mit ihren anspruchsvollen, treffsicheren und witzigen Beiträgen überzeugt die Deichdeern nicht nur ihre Fans und Follower, sondern hat sich auch bei den agrarheute digital future awards (ahdfa) in der Kategorie "Influencer des Jahres" durchgesetzt. Wir haben sie gefragt, warum sie das Leben auf dem Land so sehr liebt.

Was bedeutet Landleben für Dich?

Landleben ist für mich ein Gefühl. Im Wort selbst steckt ja schon Leben mit drin und Leben bedeutet Menschen. Landleben heißt für mich Gemeinschaft und etwas mit anderen zusammen zu machen. Das schwingt da für mich mit.

Was schätzt Du am Landleben am meisten?

Ich mag das Persönliche. Hier auf dem Land sagt man nicht „meine Nachbarn“ sondern man sagt „Uschi und Thomas“, weil man eben diese persönliche Verbindung hat. Als ich in Berlin gewohnt habe, habe ich nach drei Monaten auf das Klingelschild nebenan geschaut, um herauszufinden, wie meine Nachbarn eigentlich heißen. Auf dem Land dagegen stehen am Abend des Einzugs 20 Leute bei dir vor der Tür, um dich zu begrüßen. Und die erwarten dann auch, dass man Bier und Sekt da hat.

Warum magst Du denn diese Gemeinschaft so sehr?

Hier denkt einfach jeder für jeden mit. Man schaut aufeinander und hilft sich gegenseitig. Dabei bringt jeder seine Stärken ein. Im Dorf wissen zum Beispiel alle, dass ich „was mit Internet“ mache. Wenn es also Fragen zu Skype, Zoom und Co. gibt, dann stehen die bei mir auf der Matte. Und umgekehrt ist es genauso. Ich muss weniger googeln und kann öfter über den Zaun rufen, wenn ich Haushalts- oder Gartentipps brauche. Und auch für die Wirtschaftlichkeitsprüfung für meine App habe ich hier einen Tipp für einen guten Unternehmensberater bekommen, der mir sowas ausstellen kann. Die Zeit ist auf dem Land einfach ein bisschen stehengeblieben, aber im positiven Sinn. Die traditionellen Werte werden hier noch gelebt und geben Sicherheit und Geborgenheit.

Wie schafft man so eine Gemeinschaft?

Eine Dorfgemeinschaft ist wie ein Netzwerk; ein Geben und Nehmen. Ich selbst muss schon auch auf andere zugehen und nicht nur meine Vorteile raussaugen. Damit ist es aber auch sehr individuell, was man aus dem Dorfleben macht. Ich bin der Meinung: Wenn man sozial ein bisschen was auf der Pfanne hat, dann kriegt man das auch hin, egal, ob als Einheimische oder Zugezogene.

Inwiefern spielt da das Ehrenamt eine Rolle?

Ich finde, das Ehrenamt gibt dem Landleben noch den letzten Schliff. Wenn man seine Stärken gemeinnützig einbringt, dann können da ganz tolle Sachen entstehen – für einen selbst, aber auch für die Gemeinschaft. Die jungen Landfrauen, die ich gegründet habe, helfen nicht nur anderen, Freundinnen zu finden. Auch für mich haben sich da tolle Freundschaften entwickelt. Ich finde es einfach wahnsinnig wichtig, sich sinnvoll einzubringen.

Welche Erfolge und Enttäuschungen Julia bei ihrer ehrenamtlichen Arbeit selbst schon erlebt hat, darüber spricht sie im neuen Mutmachbuch für das Ehrenamt.

1000 gute Gründe: Wir lieben das Landleben

Kommentare

agrarheute.comKommentare werden geladen. Bitte kurz warten...