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Umwelt

Weniger Treibhausgase durch Pflanzenschutz

von , am
31.01.2012

Berlin - Treibhausgas-Emissionen würden bei einem vollständigen Fungizid-Verzicht um das zwölffache steigen. Das ist das Ergebnis einer Studie zu "Klimaeffekten des Pflanzenschutzes in Deutschland".

Seit Anfang des Jahres gibt es in Bayern eine Ausnahmegenehmigung für die Ausbringung von Clothianidin. © Mühlhausen/landpixel
Die Studie wurde von einer Forschergruppe um Harald von Witzke, Leiter des Fachgebiets Internationaler Agrarhandel und Entwicklung der Humboldt-Universität zu Berlin erstellt. Bereits im Vorjahr machte von Witzke gemeinsam mit Steffen Noleppa (agripol - network for policy advice) auf die monetären Markteffekte aufmerksam, wonach Pflanzenschutz in der deutschen Landwirtschaft der Gesellschaft Wohlfahrtsgewinne von über vier Milliarden Euro jährlich beschere.

Beispielrechnung Fungizide

Die Klimaeffizienz des Pflanzenschutzes zeigt sich in einer Beispielrechnung für Pilzbekämpfungsmittel (Fungizide): Wenn deutsche Landwirte zur Herstellung der gleichen Menge Ernteguts anstelle von Fungiziden andere Produktionsfaktoren auf zusätzlichem Ackerland einsetzen, würde dadurch nahezu die zwölffache Menge an Treibhausgasen freigesetzt, die bei Herstellung, Transport und Ausbringung der Fungizide entstehen. Die spezifischen Treibhausgas-Emissionen für die Produktion von einer Tonne Weizen würden nach den Berechnungen der Forscher beim Wegfall der Fungizide um 13 Prozent von 404 Kilo pro Tonne auf 454 Kilo pro Tonne steigen. Indirekte Wirkungen, wie Landnutzungsänderungen, sind noch nicht eingerechnet. Diese könnten je nach Szenario verheerende Einmaleffekte in der Treibhausgasbilanz hervorrufen.
 
"Sachgemäßer Pflanzenschutz ist eine wichtige Komponente ökologischer Nachhaltigkeit, weil er dem Landwirt hilft, die knappe Ressource Boden effizient zur Sicherung der Welternährung und zum Schutz von Habitaten, und damit auch dem Klima, zu nutzen. Zudem entsteht im Rahmen des Emissionshandels durch den Klimaschutzbeitrag ein potenzieller ökonomischer Mehrwert, sodass auch die Säule wirtschaftlicher Nachhaltigkeit neben der ökologischen Nachhaltigkeit gestärkt wird", so von Witzke.
 
Ohne Fungizide werden 1,2 Millionen Hektar Ackerland zusätzlich benötigt
 
Um die Klimaschutzleistungen des Pflanzenschutzes in Deutschland zu erfassen, müssen nach Auffassung der Forscher die indirekten Klimaeffekte durch Verlagerung der Emissionen in andere Weltregionen in die Berechnung mit einfließen. Mit einem Weltmarktmodell wurde ermittelt, wo und wie landwirtschaftliche Rohstoffe produziert würden, wenn sie mangels Pflanzenschutz nicht in Deutschland hergestellt werden könnten, denn eine dynamische Nachfrage wird neben landwirtschaftlicher Intensivierung vor allem zu einer geänderten Landnutzung in anderen Weltregionen führen. Allein bei einem vollständigen Wegfall der Fungizide in Deutschland müssten nach den Berechnungen der Studie etwa 1,2 Mio. ha zusätzliches Ackerland in anderen Weltregionen kultiviert werden; bei einer vollständigen Umstellung auf Ökolandbau wären es sogar 6,5 Millionen Hektar oder mehr als die Hälfte der Ackerfläche Deutschlands.
 
Durch eine solche Umwandlung natürlicher Ökosysteme in landwirtschaftliche Nutzfläche würden in der Modellrechnung "ohne Fungizide" einmalig über 260 Millionen Tonnen (Mio. t) CO2-Äquivalente freigesetzt. Sollte die deutsche Landwirtschaft vollständig auf Ökolandbau umgestellt werden, hätte dies durch die Landnutzungsänderung an anderer Stelle einmalig zusätzliche Emissionen von 1,4 Milliarden Tonnen CO2-Äquivalenten zur Folge. Dies wäre der 1,5-fache Wert der gesamten jährlichen Treibhausgas-Emissionen aus allen Sektoren in Deutschland (2010: 937 Mio. t).
 
IVA: Nicht nur mögliche Risiken betrachten
 
Unterstützt wird das mehrstufige Forschungsvorhaben über den gesamtgesellschaftlichen Nutzen des Pflanzenschutzes durch den Industrieverband Agrar e. V. (IVA). "Pflanzenschutz ist, wie die Ergebnisse der Studie zeigen, auch Klimaschutz", sagt IVA-Präsident Hans Theo Jachmann. "Die öffentliche Diskussion um Pflanzenschutz dreht sich fast ausschließlich um mögliche Risiken. Mit den Forschungsergebnissen der Wissenschaftler um Professor von Witzke liegt erstmals eine verlässliche Datenquelle zum Nutzen des Pflanzenschutzes in Deutschland vor."
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