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Politik EU

Westerwelle zweifelt am künftigen EU-Agrarhaushalt

© agrar-press
von , am
30.01.2012

Brüssel - Große Geberländer, unter anderem auch Deutschland, wollen den Kommissionsvorschlag zum EU-Haushalt kürzen. Auch der Druck auf den Agrarhaushalt steigt.

Außenminister Guido Westerwelle kann sich eine Versorgung Deutschlands mit Öko-Energie aus Europa vorstellen.
Der Vorschlag der EU-Kommission für den EU-Haushalt der Jahre 2014 bis 2020 soll um rund neun Prozent gekürzt werden. Für einen verschärften Sparzwang sprechen sich die großen EU-Mitgliedstaaten aus, die den EU-Haushalt hauptsächlich finanzieren.
 
100 Milliarden Euro müssten von der Summe der EU-Kommission noch runter, forderte Außenminister Guido Westerwelle am vergangenen Freitag in Brüssel. Er wurde auf dem EU-Ministerrat für Allgemeine Angelegenheiten von Österreich, dem Vereinigten Königreich und den Niederlanden unterstützt. Auch die Europaminister von Frankreich, Finnland und Schweden sprachen sich für eindeutige Kürzungen am Vorschlag der EU-Kommission aus.

Westerwelle lässt Höhe der Rückführungen offen

Die Kommission hat für die Jahre 2014 bis 2020 1.083 Milliarden Euro veranschlagt, davon 382 Milliarden Euro für die Landwirtschaft mit einem jährlichen Rückgang von 57 Milliarden Euro auf 52 Milliarden Euro. Westerwelle kritisierte vor allem unsinnige Ausgaben im Rahmen der Strukturpolitik, wie etwa die Finanzierung einer Wellnesssuite in einem Hotel aus dem EU-Haushalt. Ob die Rückführung der Agrarausgaben reiche, werde sich im Laufe der Verhandlungen zeigen, ließ der deutsche Außenminister offen.
 
Die Niederländer fordern eine weitere Kürzung der Agrarausgaben von acht Prozent. Das Vereinigte Königreich setzt sich für eine Umverteilung der Agrarmittel von der 1. Säule (Direktzahlungen) der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) in die 2. Säule (Ländliche Entwicklung) ein.
 
Frankreich will Agrarmittel beibehalten
 
Neben Kritikern gibt es auch Befürworter des geplanten EU-Agrarbudgets. Aus dem Lager der EU-Mitgliedstaaten, die Einschnitte fordern, machte sich lediglich Frankreich für eine Beibehaltung der Agrarmittel stark. Landwirtschaft schaffe Arbeitsplätze und eine neue GAP müsse mit ausreichenden Mitteln ausgestattet werden, betonte der französische Europaminister Jean Leonetti.
 
Krisen und Marktordnungsmittel sollen in das Agrarbudget
 
Neben der Ausgabenhöhe nahmen die wichtigen Geberländer Anstoß am Kommissionvorschlag, weil Ausgaben für Krisen und Marktordnungen außerhalb des EU-Agrarbudgets verbucht werden. Sondertöpfe dürfe es nicht geben, weil diese einer transparenten Haushaltsführung widersprechen, beklagten sich die Minister.
 
Landwirtschaft schafft Arbeitsplätze
 
Es gab im Rat für Allgemeine Angelegenheiten aber auch zahlreiche Stimmen, die sich den Vorgaben der Kommission anschließen. Der EU-Haushalt sei bei den nationalen Sparzwängen manchmal die einzige Möglichkeit, Investitionen, Wachstum und Arbeitsplätze zu unterstützen, betonte der Staatssekretär im polnischen Außenministerium, Mikolaj Dowgielewicz. Neben Frankreich und Polen sprachen sich auch Irland, Spanien, Italien und Rumänien für einen Erhalt des EU-Agrarhaushalts in heutiger Höhe aus. Sie unterstrichen allerdings die Notwendigkeit einer Agrarreform.
 
Verschiedene osteuropäische EU-Mitgliedstaaten forderten eine entschiedenere Angleichung der Direktzahlungen der Landwirte im Osten und Westen der EU.
 
Ciolos wirbt für die neue GAP
 

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