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Norddeutschland

Wetterextrem bringt Schneesturm und klirrende Kälte

Schneesturm weht über Landstraße
am Freitag, 05.02.2021 - 17:18 (Jetzt kommentieren)

An diesem Wochenende bekommen wir es mit einem Wetterphänomen zu tun. 20 Grad Unterschied innerhalb Deutschlands. Auf Twitter sorgen sich Landwirte bereits um ihre Bestände.

Schneesturm und klirrende Kälte im Norden sowie Eisregen in der Mitte und frühlingshafter Föhn im Süden: Deutschland steht ein Wochenende der Wetter-Extreme bevor. Meteorologen sprechen schon vorher von einem "denkwürdigen Ereignis mit Seltenheitswert"  - und ziehen Vergleiche zum Winter 1978/79, als bei einer Schneekatastrophe in Norddeutschland das Verkehrs-, Versorgungs- und Kommunikationsnetz zusammenbrach. Zwischen Nord- und Süddeutschland erwarten Experten ein Temperaturgefälle von rund 20 Grad. "So etwas kommt nicht alle Tage vor", sagte DWD-Meteorologe Sebastian Altnau am Freitag in Offenbach.

 

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Auf Twitter wird bereits über das bevorstehende Wetterextrem diskutiert. AaronS. sorgt sich um seine Bestände. Was meinen Sie? Nutzen Sie unsere Kommentarfunktion!

Das steckt hinter dem Wetterphänomen

Ursache für das seltene Wetterphänomen ist zum einen das über Gibraltar liegende Tiefdruckgebiet "Tristan", das einen kräftigen Schwall feucht-milder Luft in den Süden strömen lässt. Vom Nordmeer bis ins östliche Mitteleuropa herrscht zum anderen hoher Luftdruck.

Dadurch fließt extrem kalte Luft aus der Polarregion direkt in den Norden Deutschlands. Diese bringt dem Nordosten und Norden in der Nacht zum Dienstag Temperaturen bis minus 15 Grad, wie der DWD am Freitag vorhersagte.

DWD-Sprecher Andreas Friedrich verwies auf den sogenannten Polarwirbel-Split. Normalerweise bewegt sich dieser Luftwirbel kreisförmig direkt über der Region des Nordpols - daher auch der Name. Der Wirbel verstärkt sich regelmäßig im Winter, wenn kein Sonnenlicht die Atmosphäre dort erwärmen kann und diese sich zunehmend abkühlt, was zu einem Druckabfall in der Höhe führt. Kommt es zu einem "Ausbruch", teilt sich der Wirbel und kann sich verlagern. "So einen Ausbruch gibt es immer wieder mal - aber diesmal erwischt es uns voll", sagte Friedrich. So gelinge es den kalten arktischen Luftmassen, weit in den Süden vorzustoßen, so dass auch Norddeutschland betroffen ist.

 

So wird das Wetter im Norden Deutschlands

"Die Auswirkungen dieser Wetterlage werden dramatisch sein", sagte Franz Molé, Leiter der Vorhersage und Beratungszentrale des DWD, am Freitag. In betroffenen Gebieten sollten sich die Menschen darauf einstellen, dass der Strom ausfällt oder es wegen Glatteis unmöglich sein wird, das Haus zu verlassen. "Es schaukelt sich hoch ab Samstag in der zweiten Tageshälfte."

Dem Norden drohen bis zu 40 Zentimeter Neuschnee, dazu "enorme Schneeverwehungen" durch Sturm. Besonders betroffen ist dem DWD zufolge ab Samstagabend die Region vom Emsland und dem Münsterland bis hin zum Harz. Im Ruhrgebiet, dem Siegerland, in Mittelhessen und Oberfranken hingegen gibt es von Sonntagnachmittag bis Montag gefrierenden Regen, der eine mehrere Zentimeter dicke Eisschicht zur Folge haben könnte. Der DWD rechnet mit erheblichen Verkehrsbehinderungen durch unwetterartigen Eisregen und mit Schäden an der Natur durch Eisbruch.

Verkehrschaos durch Schnee und Glätte

Die DWD-Meteorologen rechnen mit überregionalen Auswirkungen auf Straßen- und Schienenwege. Die Autobahnmeistereien im Norden zeigen sich vorbereitet: Sie stünden allein in Schleswig-Holstein, Hamburg und im nördlichen Niedersachsen mit rund hundert Räum- und Streufahrzeugen und 250 Mitarbeitern rund um die Uhr bereit, um am Wochenende die etwa 750 Kilometer Autobahn in diesen Regionen schnee- und eisfrei zu halten, sagte eine Sprecherin der Niederlassung Nord der Autobahn GmbH des Bundes am Freitag. Die Sprecherin appellierte an die Autofahrer, ihre Fahrweise den Witterungsverhältnissen anzupassen und Schneeräum- und Streufahrzeuge nicht zu überholen. Das Brandenburger Innenministerium empfahl den Menschen, möglichst zu Hause zu bleiben.

Die Deutsche Bahn informierte: "Es kann zu Verspätungen und Zugausfällen kommen." Fahrgäste, die fürs Wochenende geplante Reisen wegen des angekündigten Wintereinbruchs in Norddeutschland verschieben wollten, könnten bereits gebuchte Fernverkehrstickets "bis einschließlich sieben Tage nach Störungsende entweder flexibel nutzen oder kostenfrei stornieren".

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