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Politik national

Wirbel um Veggie-Day

von , am
07.08.2013

Seit 2010 gibt es in Bremen einen so genannten Veggie-Day. Das finden die Bündnisgrünen gut und fordern deswegen einen solchigen für Deutschlands Kantinen. Das stößt auf heftigen Widerstand.

Eine spontane Demonstration gegen das Grillverbot. © Philipp S. Wehrend/FDP
Die Grünen wollen einen bundesweiten Veggie-Day "politisch fördern".  Allerdings wolle man die Bevölkerung mit dem vegetarischen Tag nicht bevormunden. Ziel sei es, die Menschen an eine vegetarische Ernährung heranzuführen: "Wir Grüne wollen niemandem verbieten, Fleisch zu essen. Aber wir wollen, dass es Alternativen gibt", erklärt Cem Özdemir. Der Fleischkonsum solle keineswegs per Gesetz abgeschafft werden.
 
Christian Meyer, Landwirtschaftsminister in Niedersachsen: "Wir setzen auf Freiwilligkeit und Überzeugung." Er wolle niemandem vorschreiben, was sie oder er essen sollen. Für ihn als einem scharfem Kritiker der "Massentierhaltung" sei aber auch klar, "dass ein geringerer Fleischkonsum einen Beitrag zu mehr Tier-, Klima- und Umweltschutz leistet."
"Ein Veggie Day ist ein wunderbarer Tag zum Ausprobieren, wie wir uns mal ohne Fleisch und Wurst ernähren", sagt die ehemalige Landwirtschaftsministerin Renate Künast und entfachte damit eine öffentliche Debatte.

Bauernverband: Forderung 'voll daneben'

Der Deutsche Bauernverband übt herbe Kritik am Veggie-Day: "Statt eine Verbraucher- und Ernährungsbildung als festen Bestandteil in den schulischen Lehrplänen zu verankern, wollen die Grünen nach der Bundestagswahl offenbar den Bürger in Ernährungsfragen entmündigen und ein staatliches Fleischverbot an einem Wochentag, dem sogenannten Veggie-Day", kritisiert der DBV. Die Grünen würden mit ihrer Forderung suggerieren, dass Fleisch ungesund ist.

FDB: Veggie-Day ist Bevormundungspolitik

Die FDP lehnt den Vorschlag der Grünen für einen Veggie-Day rigoros ab. Die agrar- und ernährungspolitische Sprecherin der FDP-Bundestagsfraktion Christel Happach-Kasan, meint dazu: "Salate und Gemüse schmecken gut. Aber die Menschen wollen frei sein, selbst zu entscheiden, wann sie zum Salat und wann zum Kotelett greifen."
 
Rainer Erdel, FDP-Agrarexperte: "In jeder mir bekannten Kantine gibt es seit Jahren stets auch fleischlose Gerichte. Jeder Konsument kann sich also frei entscheiden, was er essen möchte. Selbstverständlich kommt es auch beim Fleischkonsum auf das richtige Maß an. Wie bei allen anderen Nahrungsmitteln ist zu viel davon gesundheitlich schädlich. Hier ist es wichtig in Kindergärten und Schulen, aber auch im Elternhaus das notwendige Wissen über gesunde Ernährung zu vermitteln."
Der Vorsitzende des Ausschusses für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz Hans-Michael Goldmann (FDP), hält es für erstrebenswert, dass in jeder Kantine und Mensa neben Fleischgerichten auch vollwertige vegetarische Gerichte angeboten werden. Politisch den Fleischkonsum reduzieren zu wollen, um das Klima und die landwirtschaftliche Nutztierhaltung zu verbessern, sei hingegen töricht.

CDU: Erst Veggie-Day, dann Lebensmittelmarken?

Zynisch reagiert der stellvertretende Vorsitzende der CDU-Landtagsfraktion, Frank Oesterhelweg: "Wie soll das weiter gehen? Erst ein Fleischverbot für Kantinen, dann für Restaurants und am Ende Lebensmittelmarken für Privathaushalte?" Um den Fleischkonsum zu reduzieren, setzt er auf eine bessere Ernährungsaufklärung. "Die Menschen müssen wissen, dass einseitige Ernährung nicht gesundheitsfördernd ist und welche Folgen zu hoher Fleischkonsum hat."
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