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Wirtschaft

Wirtschaftskrise? Nicht für Landwirte!

AgE/agrarheute
am
25.03.2013

Berlin - Landwirte können Meldungen rund um Euro- und Wirtschaftskrise gelassen entgegenblicken. Das sagt zumindest der Göttinger Agrarökonom Prof. Stefan Tangermann.

Keinen Anlass zu größerer Besorgnis bietet nach Auffassung des Göttinger Agrarökonomen Prof. Stefan Tangermann die gegenwärtige Krise im Euroraum für die Landwirtschaft. "Unabhängig vom weiteren Verlauf der Krise kann die Landwirtschaft relativ gelassen bleiben", sagte Tangermann bei der Agrarfinanztagung der Landwirtschaftlichen Rentenbank und des Deutschen Bauernverbandes.

Tangermann: Viele Sachwerte, gute Aussichten für die globalen Agrarmärkte

Der ehemalige Direktor für Handel und Landwirtschaft bei der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) begründete seine Einschätzung zum einen mit dem hohen Anteil an Sachwerten in der Landwirtschaft. Zum anderen seien die Aussichten für die globalen Agrarmärkte längerfristig positiv, und zwar unabhängig vom Euro-Raum.

Laut Tangermann profitieren die Landwirtschaft sogar tendenziell von der Krise, zumindest so lange sie sich nicht verschärfe. Sowohl niedrige Zinsen als auch ein schwacher Euro kämen der Landwirtschaft entgegen und verbesserten ihre Wettbewerbsfähigkeit.
Stärker in Mitleidenschaft gezogen würde der Sektor laut Tangermann allerdings bei einer Verschärfung der Krise mit einem Zerbrechen der Währungsunion und heftigen Turbulenzen an den Finanzmärkten. Die weitere Entwicklung der Krise im Euro-Raum sei jedoch "schwer vorhersehbar".

Thünen-Insitut: Differenzierte Betrachtung nötig

Der Präsident des Thünen-Instituts, Prof. Folkhard Isermeyer, mahnte zu differenzierten Betrachtungen, um die Perspektiven der hiesigen Landwirtschaft abzuschätzen. So seien die Aussichten auf den internationalen Agrarmärkten unbestritten positiv. Davon profitierten jedoch nicht automatisch alle Produktionszweige am Standort Europa. Beispielsweise habe die EU bei tierischen Produkten an Wettbewerbsfähigkeit verloren, während gleichzeitig Deutschland entgegen dem Negativtrend innerhalb der EU Marktanteile gewonnen habe.

Toepfer International: Unzureichende Datengrundlage für seriöse Abschätzung

Mit erheblichen Unsicherheiten ist nach den Ausführungen von Ludwig Striewe von Toepfer International die langfristige Entwicklung auf den Weltagrarmärkten behaftet. Zwar sprach der Marktexperte angesichts der wachsenden Weltbevölkerung und einem damit einhergehenden Anstieg der Nachfrage von pflanzlichen und tierischen Erzeugnissen von "an sich rosigen Aussichten".
 
Gleichzeitig resultierten jedoch aus einer engen Korrelation zwischen den Agrar- und den Energiemärkten und deren etwaige Wendungen möglicherweise gegenläufige Entwicklungen, die sich dämpfend auf die Agrarpreise auswirken könnten.
Striewe kritisiert eine unzureichende Datengrundlage für eine seriöse Abschätzung der Entwicklung auf den Agrarmärkten. Innerhalb der Europäischen Union gebe es keine einheitliche Agrarstatistik. Wenig erhellend sei die Situation in Drittländern. Während China seine Daten bewusst geheim halte, seien die vorliegenden Zahlen aus Russland, der Ukraine und Indien oftmals politisch beeinflusst und daher kaum glaubwürdig. Die Grundlage für die internationalen Angebots- und Verbrauchsschätzungen lieferten daher in erster Linie die Daten des US-Landwirtschaftsministeriums. 

DBV: Landwirte sind enorm investitionsbereit

Der Präsident des Deutschen Bauernverbandes, Joachim Rukwied, bezeichnete die Landwirtschaft als Zukunftsbranche und verwies auf deren anhaltend hohen Finanzierungsbedarf. Auch zukünftig werde in der Landwirtschaft Arbeit durch Kapital ersetzt. Deshalb habe der Agrarkredit weiterhin große Bedeutung zur Finanzierung und für die Liquidität der landwirtschaftlichen Betriebe, so Rukwied an die Adresse der anwesenden Bankenvertreter.
 
Der DBV-Präsident verwies auf die nach wie vor enorme Investitionsbereitschaft der Landwirte. Allein im ersten Halbjahr 2013 seien Investitionen von fast sieben Milliarden Euro geplant. Schwerpunkte seien Wirtschaftsgebäude und Produktionstechnik. Hier lägen die vorgesehenen Investitionen etwa so hoch wie bei Maschinen- und Anlageninvestitionen. Zurückhaltender investierten die Landwirte hingegen in erneuerbare Energien.  
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