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Ernährung und Gesundheit

Wissenschaftler empfiehlt weniger Fleisch

AgE
am
06.08.2013

Berlin - Weniger Fleischkonsum in Industrieländern würde sich positiv auf die globalen Lebensmittelpreise auswirken. Allerdings sei dies nur "ein Baustein unter vielen" für die Welternährung.

Eine Verringerung des Fleischkonsums in den Industrieländern kann einen spürbaren Beitrag zur Verbesserung der globalen Ernährungssituation leisten. Darauf hat der Vorsitzende vom Wissenschaftlichen Beirat für Agrarpolitik beim Bundeslandwirtschaftsministerium, Prof. Harald Grethe hingewiesen.
 
Seinen Angaben zufolge ergäben sich bei einem Rückgang des Fleischverzehrs in den Industrieländern um 20 Prozent globale Preissenkungen für Fleisch von etwa neun Prozent und für Getreide von bis zu drei Prozent.

Welternährung am Limit

Eine Verringerung des Fleischkonsums könne durchaus zu einer deutlichen Entspannung der globalen Biomassebilanz beitragen. Allerdings bewegten sich die Effekte in einer Größenordnung, derzufolge eine solche Konsumänderung "nur ein Baustein unter vielen zur Verbesserung der Welternährung sein könne", räumte der Leiter des Instituts für Agrarpolitik und Landwirtschaftliche Marktlehre der Universität Hohenheim ein.
 
Aus seiner Sicht ist die Politik gefordert, darauf hinzuwirken, den Fleischkonsum zu verringern, etwa bei der Besteuerung. Zwar hätten moderate Steuersätze nur geringe Effekte; trotzdem könnten beispielsweise von einer Anhebung des reduzierten Mehrwertsteuersatzes auf Nahrungsmittel auf das allgemeine Niveau, wie sie der Beirat vorgeschlagen habe, wichtige Signalwirkungen ausgehen.

Das Essverhalten überdenken

Erfolgversprechender seien allerdings Informationskampagnen und die resultierenden langfristigen Änderungen des Ernährungsverhaltens. Grethe wies darauf hin, dass solche Informationskampagnen komplexe Botschaften enthalten müssten, um nicht den Fleischkonsum an sich in ein negatives Licht zu rücken.
 
Die zentrale Aussage müsse sein, "Fleisch ist ein gutes und gesundes Nahrungsmittel, esst Fleisch, aber esst weniger davon". Der Agrarökonom monierte fehlenden politischen Willen, dieses wichtige Thema auf die Tagesordnung zu setzen und die damit verbundenen Herausforderungen anzunehmen.
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