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Wolfsmanagement

Wolf: Weidetierhalter in Mecklenburg-Vorpommern fordern Unterstützung

Wolfsrudel
am Donnerstag, 20.05.2021 - 16:35 (Jetzt kommentieren)

Mecklenburg-Vorpommerns Schaf- und Ziegenhalter fühlen sich beim Thema Wolf allein gelassen. Vor allem bei der Schadensbeseitigung und Folgenminimierung bleiben sie auf den Kosten sitzen. Sie fordern mehr Unterstützung von der Landespolitik.

Am 4. Mai 2021 machte sich Schäfermeister Ingo Stoll in Stralsund Luft: Er fuhr mit vier vom Wolf gerissenen Schafen in die Innenstadt von Stralsund und lud die Kadaver in der Fußgängerzone ab (siehe unten). Er wollte auf die Sorgen seiner Berufskollegen aufmerksam machen, die nicht nur immer öfter Wolfsrisse zu beklagen haben, sondern danach auch noch mit der Schadensbeseitigung und -minimierung allein klarkommen müssen.

Landesagrar- und Umweltminister Till Backhaus (SPD) reagierte verärgert auf die Aktion. Ingo Stoll hatte ihm daraufhin ein Gesprächsangebot gemacht. Und auch der Landesschaf- und Ziegenzuchtverband Mecklenburg-Vorpommern (LSZV MV) wandte sich vor knapp zwei Wochen in einem Schreiben an den Minister. Bislang mit wenig Erfolg.

Tierhalter fühlen sich nach Wolfsrissen allein gelassen

Trotz der hohen medialen Aufmerksamkeit sei auf die Aktion von Schäfermeister Stoll bisher keine konstruktive Reaktion aus Schwerin erfolgt, heißt es aus dem LSZV MV.

Verbandsvorsitzende Susanne Petersen sagt: „Wir fühlen uns allein gelassen in einer unerträglichen Situation. Wir leben nicht nur in der Sorge um unsere Tiere, sondern auch mit der Ungewissheit, wie wir im Falle einer Herdenpanik handeln sollen und wer gegebenenfalls für die Kosten aufkommt. Das Problem dabei ist, dass der Auslöser für so eine Panik oft nicht nachgewiesen werden kann.“

Auch der Brief an Till Backhaus vom 7. Mai harrt noch einer Antwort. Darin hatte der LSZV dringend um die Schaffung einer rechtssicheren Basis gebeten. Es sei unabdingbar, dass ein Tierhalter mit der Sicherung toter und verletzter und mit dem Einfangen versprengter Tiere nicht alleingelassen werde. Er benötige in einem solchen Fall effektive Hilfe von Feuerwehr, Polizei oder Ordnungsamt und dürfe nicht auf den dafür anfallenden Kosten sitzenbleiben.

Auch Herdenschutzhunde sind keine Universallösung

Susanne Petersen

"Es kann nicht im öffentlichen Interesse sein, dass verletzte Tiere erst nach Tagen gefunden werden oder verletzte und verstörte Tiere auf öffentlichen Verkehrswegen umherirren. Es handelt sich auch nicht um eine Folge des gewöhnlichen Risikos der Tierhaltung, auf die jeder Tierhalter vorbereitet sein muss. Vielmehr ist es die direkte Folge eines Angriffs und eine für den Tierhalter nicht beherrschbare Notsituation“, hatten die Schaf- und Ziegenzüchter in dem Brief ans Landesministerium geschrieben.

Auch die viel beschworenen Herdenschutzhunde seien – vor allem in touristisch genutzten Regionen – keine Universallösung. Zudem fehle es in Mecklenburg-Vorpommern, anders als in anderen betroffenen Ländern, an einer Förderung für die laufenden Kosten dieser Hunde.

Wir werden für Sie die Entwicklung in Mecklenburg-Vorpommern weiterverfolgen.

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