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Wölfe in Deutschland

Wolfsrisse steigen weiter – Klöckner fordert regionale Abschüsse

Wolfsrudel
am Montag, 16.08.2021 - 12:15 (1 Kommentar)

Auch im vergangenen Jahr sind die Wolfsrisse hierzulande wieder steil angestiegen. Bundesagrarministerin Klöckner fordert zum Handeln auf, um die Weidehaltung in bestimmten Regionen nicht zu gefährden.

Angesichts weiter steigender Wolfsrisse in Deutschland spricht sich Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) für eine regionale Bejagung des Beutegreifers aus. Es gehe dabei nicht darum, den Wolf hierzulande wieder auszurotten. Seine schnelle Ausbreitung und die zunehmenden Nutztierrisse bedrohten allerdings die Weidetierhaltung in manchen Gebieten massiv.

Gegenüber der Neuen Osnabrücker Zeitung (noz) erklärte die Ministerin: "Wenn wir die Weidetierhaltung in einigen Regionen nicht aufgeben wollen, müssen wir handeln."

Immer mehr Territorien, immer mehr Welpen

Am vergangenen Freitag hatte die Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf (DBBW) die abschließenden Schadenszahlen des vergangenen Erfassungsjahres veröffentlicht.

Laut DBBW wurden für das Monitoringjahr 2019/20 in Deutschland 128 Rudel, 39 Wolfspaare und 9 territoriale Einzeltiere (insgesamt besetzte 176 Territorien) nachgewiesen. Zum Vergleich: 2018/19 zählte man 105 Rudel, 40 Paare und 12 Einzeltiere (157 Territorien).

Vor allem die Zahl der reproduzierenden Rudel steigt schnell. Waren es 2018/19 noch 102 Territorien mit insgesamt 395 Welpen, kam die 2019/20er Erfassung bereits auf 117 Territorien mit Nachwuchs, in denen 436 Welpen gezählt wurden. 

Damit stieg von 2018/19 zum Folgejahr die Anzahl der Wolfsterritorien (Rudel, Paare und Einzeltiere) um 12 Prozent und die bestätigter Welpen um 10 Prozent. Ein Jahr zuvor – zwischen 2017/18 und 2018/19 – war die Anzahl der Territorien um 29 Prozent und die bestätigter Welpen sogar um 44 Prozent gestiegen.

Wolfszahlen steigen langsamer, Risszahlen nehmen weiter stark zu

Die geringeren Anstiegsraten bei Wolfsterritoren und -welpen geben jedoch keinen Anlass zur Erleichterung. Denn während sich die Anzahl der Wölfe deutlich weniger stark vermehrte als im davorliegenden Erfassungszeitraum, stiegen nach neuesten DBBW-Angaben die Weidetierschäden genauso massiv an wie im Erfassungszeitraum davor. 

3.959 Weidetiere kamen 2020 bei insgesamt 942 Übergriffen zu Schaden. Das sind gegenüber 2019 (2.894 tote, vermisste und schwerstverletzte Tiere) 37 Prozent mehr. Die Anzahl der Wolfschäden steigt also deutlich schneller als die er erfassten Beutegreifer. 

Das macht sich mittlerweile auch immer stärker finanziell bemerkbar. Während die Länder 2018 noch 2,38 Mio. Euro für Wolfsrissprävention ausgaben, waren es 2019 bereits 8,04 Mio. Euro. Im selben Zeitraum verdoppelte sich die Schadenersatzsumme über alle betroffenen Bundesländer von 232.000 auf 418.000 Euro.

Bauernverband: Wolf macht Weidetierhaltung zum Auslaufmodell

Langfristig bedeutsamer ist allerdings der Schaden, der durch aufgegebene Weidetierhaltung entsteht. Dabei dreht es sich nicht nur um Fragen einer tiergerchten Haltung, sondern auch und vor allem um den Schutz der artenvielfalt durch die Beweidung von anders kaum zu pflegenden Flächen.

Dazu hatte sich aus Anlass der neuersten DBBW-Zahlen auch der Deutsche Bauernverband (dbv) zu Wort gemeldet. Die von der DBBW vorgelegte jüngste Statistik zeichne das Ende der Weidehaltung vor. Der Wolfsbestand müsse endlich reguliert werden, sonst werde die Haltung von Schafen, Ziegen, Pferden und Rindern auf der Weide zum Auslaufmodell.

DBBW mahnt Schutzmaßnahmen an

Allerdings verweist die DBBW wie in den Jahren zuvor auch in ihrem neuersten Bericht darauf, dass – je nach Bundesland – zwischen 50 und 80 Prozent der gerissenen Weidetiere nach den jeweiligen Vorgaben nicht oder nicht ausreichend geschützt gewesen seien. Dazu gehörten vor allem untergrabungssicher Elektrozäune von mindestens 90 cm Höhe. 

Auf die Frage, inwieweit diese Maßnahmen vor allem auf Naturschutz- oder schwer zugänglichen, unwegsamen Flächen umsetzbar waren, geht die Analyse nicht ein. 

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