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Wolf und Weidevieh

"Wolfssichere" Zäune: Wenn aus der Almwanderung ein Zoobesuch wird

Wolf hinter Zaun
am Mittwoch, 14.07.2021 - 06:00 (Jetzt kommentieren)

In den Alpenregionen Österreichs mehren sich die Wolfsübergriffe. Schon mehr als 200 Weidetiere sind tot. "Wolfssichere" Zäune sollen helfen. Doch bayerische Almbauern zeigen, was die aus der Landschaft machen würden.

In den vergangenen Wochen wurden vor allem aus Österreich immer wieder Wolfsrisse auf Almen gemeldet. Ein besonders heftiger Fall mit rund 30 toten Schafen (siehe Link unten) führte Anfang Juli sogar dazu, dass die verzweifelten Tierbesitzer ihre Herden von der Rotwandalm in den Kitzbüheler Alpen abtrieben.

Wölfe bedienen sich immer öfter auf den Almen

Nur eine Woche später der nächste Verlust: Im Salzburger Land bei Rauris fanden Almbauern mehrere tote Schafe, 26 weitere werden noch vermisst. Damit hat sich allein auf den Rauriser Almen die Anzahl der gerissenen Schafe auf über 50 erhöht.

Seit Beginn der Almsaison verzeichnet Österreich laut Landwirtschaftsministerin Elisabeth Köstinger (ÖVP) inzwischen mehr als 200 Wolfsrisse. Die Almwirtschaft sei damit in ihrer Existenz grundlegend bedroht.

30 Meter „Wandern“ wie im Zoo

Von Seiten der Vertreter eines uneingeschränkten Wolfsschutzes werden immer wieder Zäune empfohlen, die bei korrektem Bau einen Übergriff der Beutegreifer auf die Herden verhindern sollen.

Was ein solcher Zaun – so er sich in steilem oder felsigem Gelände überhaupt errichten lässt – aus der Landschaft macht, zeigen jetzt bayerische Almbauern ihren Gästen. Am Spitzingsee östlich von Bad Tölz und nur rund 5 km von der Grenze zu Österreich entfernt haben sie zu beiden Seiten eines Wanderwegs Demonstrationszäune errichtet: Auf der einen Seite ein brusthoher Elektrozaun und auf der anderen ein mannshoher Maschendraht. Auf rund 30 m geht das so. Bergwandern wie zwischen Zoogehegen.

Zerschnittene Landschaft nur für den Wolf?

Nach eigenen Angaben wollen der Almwirtschaftliche Verein Oberbayern (AVO) und der Bayerische Bauernverband (BBV) damit zeigen, was passiert, wenn die offenen Almen einem Beutegreifer geopfert werden, der sich wie keine andere Tierart hierzulande rasend schnell vermehrt und immer weniger Scheu zeigt, sich an Haustieren zu vergreifen – selbst wenn Menschen in der Nähe sind.

„Wir wollen, dass sich jeder selbst ein Bild machen kann, was das für unsere Landschaft bedeuten würde“, erklärte BBV-Kreisobmann Hans Hacklinger gegenüber der Presse bei der Präsentation des Demo-Zauns.

Ohne gelockerten Schutzstatus für den Wolf geht die Almwirtschaft kaputt

Auch Herdenschutzhunde seien keine Alternative, sagte Brigitta Regauer, Wolfsbeauftragte beim AVO. Um ihre Herden gegen angreifende Wolfsrudel zu verteidigen, müssten diese Hunde so scharf sein, dass ein Einsatz in touristisch hoch frequentierten Gebieten wie den Alpen völlig unmöglich sei. Kein Bauer würde dieses Risiko eingehen.

Die Schlussfolgerung: Ähnlich wie die österreichischen Kollegen bei ihrer Demonstration am 3. Juli in Innsbruck fordern die bayerischen Almbewirtschafter eine Herabsetzung des Schutzstatusses für den Wolf. Nur so habe die Almbewirtschaftung mit Weidetieren noch Zukunft.

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