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Wirtschaft

WTO-Beitritt: Russische Bauern in Sorge

AgE
am
28.06.2011

Berlin - Russische Landwirte befürchten, dass im Rahmen eines Beitritts ihres Landes zur Welthandelsorganisation (WTO) ihre heute schon geringe Förderung in Frage gestellt wird.

Nach Darstellung der Vereinigung bäuerlicher Betriebe und Genossenschaften Russlands (Akkor) müssten die russische Landwirtschaft den Aufbau wettbewerbsfähiger Strukturen erst lernen. Deshalb seien für den WTO-Beitritt entsprechende Übergangsregeln festzulegen, betonte Akkor-Präsident Wladimir Plotniko. Eine Stärkung der Wettbewerbskraft der heimischen Landwirtschaft könne ferner vor allem durch die Entwicklung der Gesetzgebung in Russland erreicht werden. So sei zum Beispiel das Genossenschaftswesen weiter zu entwickeln.
 
Die Ernteaussichten für das laufende Jahr beurteilte Plotnikow positiv. Russland habe im Schnitt der zurückliegenden Jahre 20 Millionen Tonnen Getreide auf dem Weltmarkt verkauft; das werde man auch in der Saison 2011/12 wieder schaffen. Allerdings seien die Infrastrukturkapazitäten vor allem im Hafenbereich nicht im notwendigen Umfang vorhanden. Hier bestehe noch erheblicher Investitionsbedarf.

Familienbetriebe effektiver als Holdings

Zu den drängenden Problemen der russischen Landwirtschaft gehört laut Plotnikow die anhaltende Rechtsunsicherheit in Bezug auf das Landeigentum. Bis heute sei erst ein Fünftel der Fläche mit einem Eintrag ins Grundbuch sicher zugesprochen worden. Nicht nur in Hinsicht auf dieses Problem kritisierte der Bauernverbandspräsident die hohen bürokratischen Hürden sowie die Korruption in Russland. Beides seien ernsthafte Hemmnisse für die gesellschaftliche und wirtschaftliche Entwicklung.
 
Große Hoffnung setzt Plotnikow auf die Stärkung der bäuerlichen Familienbetriebe in Russland. Erfahrungen aus Europa und den USA bestätigten, dass familiengeführte Höfe wirtschaftlich effektiver seien als Holdings. Es sei daher zu befürworten, dass der Staat Familienbetriebe mit Milchvieh- und Schweinehaltung einen besseren Zugang zu Fördermitteln ermöglichen wolle.

Preisausschläge analysieren

Ziel der russischen Agrarpolitik muss nach Ansicht Plotnikows die nationale Selbstversorgung mit Lebensmitteln sein. Belange des Tier-, Umwelt- und Naturschutzes seien unterzuordnen. Kritisch wertete der Bauernverbandspräsident den Anstieg der Betriebsmittelkosten. Die Preise für die landwirtschaftlichen Erzeugnisse machten diesen Sprung nicht mit. Offensichtlich willkürliche Preisausschläge nach oben oder unten müssten analysiert und gegebenenfalls eingeschränkt werden, so Plotnikow.
 
In Russland gibt es derzeit nach Angaben von Akkor insgesamt 16 Millionen landwirtschaftliche Betriebe; ein Großteil davon sind reine Selbstversorger mit einer Fläche von durchschnittlich nur ungefähr 0,1 Hektar. Der Verband vertritt insgesamt 304.000 Mitglieder, hauptsächlich bäuerliche Familienbetriebe, Genossenschaften sowie Selbstversorger. Großbetriebe gehören nicht zu den Mitgliedern von Akkor.
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