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Ernährung und Gesundheit

Zehn Fakten zu MRSA in der Nutztierhaltung

von , am
09.02.2015

Die Nutztierhaltung steht in der Kritik, für die Vermehrung von multiresistenten Keimen verantwortlich zu sein. Was ist dran an dem Verdacht und wie hoch ist das Infektionsrisiko? Lesen Sie 10 Fakten zu MRSA und Tierhaltung.

MRSA: Produziert die Nutztierhaltung krankmachende Keime? © agrar-press
Die Nutztierhaltung steht unter Generalverdacht, wenn es um die Entstehung und Verbreitung Multiresistenter Keime (MRSA) geht. Ist der Verdacht berechtigt?
 
Das  Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) hat sich mit den Multirestitenten Keimen auseinandergesetzt. Ein Überblick.

Was sind MRSA?

Methicillin-resistente Staphylococcus aureus (MRSA) sind Keime, die beim Menschen unter anderem Wundinfektionen und Entzündungen der Atemwege hervorrufen können und gegen bestimmte Antibiotika resistent sind. In der Vergangenheit trat der Keim vor allem in Krankenhäusern auf, wo er von Mensch zu Mensch übertragen wird.
 
In den vergangenen Jahren haben sich jedoch vermehrt Menschen außerhalb von Krankenhäuser infiziert. MRSA werden nach Angaben des BfR auch bei Nutztieren und in Lebensmitteln nachgewiesen, die somit eine Infektionsquelle für den Menschen sein können.
 
Folgend MRSA-Gruppen gibt es
  • MRSA, die vor allem im Krankenhaus übertragen werden
  • MRSA, die außerhalb von Krankenhäusern von Mensch zu Mensch übertragen werden
  • MRSA, die bei Nutztieren verbreitet sind und vor allem bei Menschen gefunden werden, die beruflich mit Nutztieren Kontakt haben 

Wie kann sich der Mensch mit MRSA infizieren?

Infektionen mit MRSA treten am häufigsten in Krankenhäusern auf, insbesondere auf Inten- sivstationen. Der unmittelbare Kontakt mit MRSA-tragenden Personen und der indirekte Kontakt über gemeinsam genutzte Gegenstände, zum Beispiel Handtücher, sowie mangelnde Hygiene sind die Hauptübertragungswege für MRSA.
 
Etwa ein bis zwei Prozent (%) der Bevölkerung sind Träger von MRSA (nicht erkrankt, Anm. d. Red). Höhere Besiedlungsraten finden sich bei Tierärzten und Landwirten, die beruflichen Kontakt zu landwirtschaftlichen Nutztieren, insbesondere Schweinen, haben. In einer Studie in Niedersachsen waren etwa 25 % der Personen, die Nutztierkontakt hatten, mit MRSA besiedelt. In viehdichten Regionen in Deutschland erweisen sich beim Aufnahmescreening in Krankenhäuser außerdem etwa 20 30 % der Patienten als MRSA-positiv.

Welcher Zusammenhang besteht zwischen der Nutztierhaltung und MRSA bei Menschen?

Seit 2005 wird vermehrt über MRSA-Nachweise bei Personen, die Kontakt zu MRSA-positiven Nutztieren hatten, berichtet. Hierbei handelt es sich vorwiegend um MRSA aus der Gruppe der laMRSA ("la" steht für livestock-(Nutztier) assoziierte MRSA).
 
In jüngerer Zeit wird auch berichtet, dass solche laMRSA bei Personen nachgewiesen werden, die keinen direkten Kontakt zu Nutztieren hatten. So lassen sich in ländlichen Regionen in Deutschland 20 bis 38 Prozent der Besiedlungen von Menschen mit CC398 MRSA nicht auf einen (in)direkten Tierkontakt zurückführen. Dies deutet auf Möglichkeit anderer Transmissionswege hin. Allerdings werden bei laMRSA selten Resistenzen gegen Antibiotika festgestellt, die in der Humanmedizin im Falle einer klinischen Infektion mit MRSA eingesetzt würden.

Wie stark sind MRSA unter den verschiedenen Nutztierarten verbreitet?

Staphylococcus aureus gehört als Besiedler zur normalen Haut- und Schleimhautflora von Mensch und Tier. Als Erreger von Entzündungen der Milchdrüse (Mastitis), vor allem beim Rind, ist S. aureus seit langem bekannt. Bei Nutztieren wird häufig ein bestimmter MRSA- Typ nachgewiesen, der innerhalb der Tierbestände weit verbreitet ist. Folgende  Befallszahlen liegen vor:
  • Über 50 % der Bestände mit Mastschweinen (2008)
  • 20 % der Mastkälber- und Putenbestände (2010)
  • 0,9 % der Masthähnchenbeständen (2009)
Die Besiedlung der Tiere geht in der Regel nicht mit einer Erkrankung einher. Bei Milchkühen kann dieser MRSA allerdings zur Entzündung der Milchdrüse führen.

Welche Faktoren beeinflussen das Vorkommen von MRSA in Tierbeständen?

MRSA werden meistens durch den Zukauf von Tieren, die den Keim tragen, zwischen den Tierbeständen übertragen. Grundsätzlich kann das Vorkommen von MRSA in Tierhaltungen aber von vielen Faktoren beeinflusst werden, beispielsweise von der Größe des Betriebs oder vom Antibiotikaeinsatz im Bestand.
 
Deutlich wurde das in einer Studie zum MRSA-Vorkommen in Mastschweinebetrieben: In reinen Mastbeständen, die alle Mastschweine zukaufen, wurden die Keime häufiger gefun- den als in Beständen, die ihre selbst gezogenen Ferkel mästen. Zudem fanden sich die Kei- me in großen Schweinebeständen häufiger als in kleinen Beständen. Ebenso wurden die Keime häufiger in Beständen gefunden, in denen Antibiotika eingesetzt worden waren.

Seit wann kommt MRSA bei landwirtschaftlichen Nutztieren vor?

Die ersten MRSA-Befunde bei Tieren wurden in den 1970er Jahren an Mastitis-Isolaten von S. aureus beim Rind beobachtet. Bis zum Jahre 2005 blieben Berichte über MRSA bei Nutztieren sporadisch.

Sind Betriebe mit ökologischer Tierhaltung auch von MRSA betroffen?

Der Umfang der Untersuchungen zu den verschiedenen Nutztiergruppen ist bisher begrenzt. Es gibt auch aus Betrieben mit ökologischer Schweinehaltung positive Untersuchungsergeb- nisse. Allerdings wird in den Betrieben insgesamt seltener MRSA nachgewiesen und auch der Anteil der besiedelten Tiere innerhalb dieser Betriebe ist meist kleiner als in konventio- nellen Betrieben.

Wie häufig sind MRSA, die von Nutztieren stammen, die Ursache für Infektionen des Menschen?

Seit Juli 2009 besteht für Nachweise von MRSA aus Blutkulturen in Deutschland eine Meldepflicht. Der auf Nutztiere zurückzuführende Anteil liegt bei etwa zwei Prozent, das BfR bezeichnet ihn als "moderat".
 
In Regionen mit hoher Tierdichte liegt man jedoch bei zehn Prozent, was das BfR als "erheblichen Anteil" wertet.

Kann sich der Mensch durch direkten Kontakt zu Nutztieren infizieren?

Der Kontakt zu besiedelten Tieren kann zu einer Besiedlung des Menschen mit MRSA füh- ren. Am häufigsten wurde dies bisher beim direkten Kontakt mit Schweinen, Kälbern und Geflügel beschrieben. Da aber bei fast allen Nutztierarten über Besiedlungen und/oder Infektionen berichtet wird, kann unter Umständen von jeder dieser Tierarten eine MRSA- Besiedlung des Menschen ausgehen.
 
In einer Studie in Niedersachsen waren etwa 25 % der Personen, die beruflichen Kontakt zu Nutztieren hatten, mit MRSA besiedelt. Im Vergleich dazu wurde nur bei 1,5 % der untersuchten Personen ohne beruflichen Nutztierkontakt MRSA nachgewiesen. Diese mit MRSA besiedelten Personen hatten aber teilweise indirekten Tierkontakt, beispielsweise über Haushaltsmitglieder mit beruflicher Exposition oder regelmäßige Besuche auf landwirtschaftlichen Betrieben.
 
Erkrankungsfälle mit Haut- und Wundinfektionen oder Atemwegserkrankungen mit vom Tier stammenden MRSA werden bisher im Vergleich zur Häufigkeit der Besiedlung dieser Personen selten beobachtet. Es ist davon auszugehen, dass der Erreger sowohl über den
  • unmittelbaren Kontakt mit den Tieren als auch durch das
  • Einatmen teilweise hochgradig belasteter Stallstäube auf den Menschen übertragen werden kann.

Haben Personen, die im Umkreis von Tierhaltungen leben, ein höheres Risiko, mit MRSA besiedelt zu sein?

MRSA sind in der Stallluft enthalten und werden daher auch mit der Abluft aus den Ställen freigesetzt. Im Umfeld der Stallungen setzt dann aber eine starke Verdünnung ein, so dass MRSA nur in der unmittelbaren Nähe der Ställe vereinzelt in der Luft nachweisbar sind.
 
Am Boden sind diese Keime auch in etwas größeren Abständen zu Ställen nachweisbar. Vereinzelt wurden Hinweise publiziert, dass laMRSA bei Menschen in Regionen mit hoher Tierdichte häufiger sind. Allerdings haben die Personen in diesen Regionen auch häufiger unmittelbaren Kontakt zu Tieren.

Wie können Nutztierhalter das Vorkommen von MRSA in ihren Betrieben reduzieren?

Das Vorkommen von MRSA in Tierhaltungen wird bestimmt durch das Einschleppen des Keimes in die Bestände und die Verbreitung des Keimes im Bestand.
 
Das sagt das BfR:
  • zurückhaltender Einsatz antimikrobiell wirksamer Tierarzneimittel (Selektionsdruck in Richtung resistenter Erreger mindern)
  • Kontrolle der Tiere vor der Einstallung
  • gründliche Reinigung und Desinfektion zwischen den Mastdurchgängen
  • Verhindern des Einschleppens der Keime aus dem Umfeld der Ställe (beispielsweise aus benachbarten Ställen)
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