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Umwelt

Zehn Fakten zum Wolf in Deutschland

Karte Norddeutschland Verbreitung des Wolfs
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Katharina Krenn, agrarheute
am
27.11.2017

Die Wolfspopulation steigt rasant. 2017 wurden 76 Wolfsterritorien in Deutschland bestätigt. Lesen Sie 10 Fakten zum Thema Wolf und Nutztierhaltung.

1. Wie viele Wölfe leben in Deutschland?

Laut aktuellen Monitoring-Daten zur Verbreitung des Wolfs, die das Bundesamt für Naturschutz im November 2017 vorgestellt hat, leben in Deutschland derzeit 60 Wolfsrudel, 13 Paare und drei sesshafte Einzeltiere. Im Vergleich des vergangenen Monitoringjahr ist die Zahl der bestätigten Rudel in Deutschland um 13 gestiegen, die Zahl der Wolfspaare ist von 21 auf 13 gesunken.

2. Verbreitung des Wolfs nach Bundesländern

Aktuell leben in Deutschland 60 Wolfsrudel (Stand 2017) und diverse Wolfspaare:

  • Bayern: 2 Wolfspaare
  • Brandenburg: 22 Rudel, 3 Wolfspaare
  • Mecklenburg-Vorpommern: 3 Rudel
  • Niedersachsen: 10 Rudel, 4 Wolfspaare, 2 Einzeltier
  • Sachsen: 14 Rudel, 4 Wolfspaare
  • Sachsen-Anhalt: 11 Rudel
  • Thüringen: 1 Einzeltier

Darüber hinaus wurden einige nicht-residente Individuen auch in anderen Bundesländern nachgewiesen. Die meisten in Süddeutschland nachgewiesenen Tiere sind aus der Alpenpopulation zugewandert.

3. Beute des Wolfs

Der Wolf hat ein breites Nahrungsspektrum. Es reicht von Aas über Kleinsäuger bis zu großen Huftieren. Diese sind in Mitteleuropa vor allem Reh, Rotwild und Wildschwein, bei den Nutztieren insbesondere Schafe und Ziegen. Ein Wolf nutzt die für ihn am leichtesten zugängliche Nahrung. Deshalb bevorzugt er, wenn möglich, weniger wehrhafte Beutetiere. Ist wildlebende Beute als Nahrungsgrundlage nur in geringer Dichte vorhanden, können vor allem ungeschützte Nutztiere sowie Abfälle zur Hauptnahrung werden.

4. Potentieller Lebensraum in Deutschland

Deutschland bietet Modellrechnungen von Forschern zufolge Platz für 440 Rudel - bei einer durchschnittlichen Reviergröße von 200 Quadratkilometern. Bei dieser Angabe handelt es sich um eine potenziell mögliche Obergrenze, die bedeuten würde, dass der für Wölfe in Frage kommende Lebensraum vollständig ausgeschöpft wird.

Die Größe der jeweiligen Rudelterritorien hängt vor allem von der verfügbaren Nahrung ab und kann einer BfN-Pilotstudie zur Abwanderung und Ausbreitung von Wölfen in Deutschland zufolge zwischen 103 und 375 Quadratkilometern liegen. Je weniger Beutetiere auf einer Fläche leben, desto größer sind die Wolfsterritorien.

5. Wieviel Nutztierrisse gab es 2016?

2016 wurden dem Freistaat Sachsen bisher 23 Fälle an Übergriffen auf Nutztiere bzw. Gatterwild durch den Wolf gemeldet. Dabei wurden insgesamt 125 Tiere getötet. In Niedersachsen gab es dieses Jahr bisher 27 nachgewiesene Fälle von Wolfsangriffen auf Nutztiere. Dort wurden 2016 insgesamt 135 Nutztiere gerissen.

6. Woran erkennt man einen Wolfsriss?

  • Tödliche Bissverletzungen an Hals oder Kehle mit Unterhautblutungen (Hämatomen)
  • Bauchraum meist geöffnet und innere Organe meist unversehrt
  • größere Menge an Fleisch innerhalb einer Nacht gefressen
  • meist relativ lange Schleifspur (>10 m) in Richtung Wald oder anderer Deckung

7. Was tun bei einem Wolfsverdacht?

Wolfsspuren im Sand

Bei einem Nutztierriss sollte sich der betroffene Tierhalter unverzüglich an das zuständige Landratsamt, die landwirtschaftliche Fachberatung oder an die Polizei wenden. Das zuständige Amt schickt in der Regel einen Nutztierrissgutachter, der die Untersuchung des Kadavers nach Hinweisen vornimmt. Daher ist es wichtig beim Auffinden von toten Tieren keine Spuren oder sonstige Hinweise in der Umgebung zu verwischen. Decken Sie den Kadaver zum Schutz vor Aasfressern mit einer Plastikfolie oder Ähnlichem ab.

8. Gibt es eine Entschädigung für Risse durch Wölfe?

Für ein Nutztier, das von einem Luchs oder Wolf gerissen wurde, kann eine Ausgleichszahlung beantragt werden. Voraussetzung dafür ist die amtliche Feststellung der Todesursache, die durch eine detaillierte Untersuchung des Tierkörpers und Dokumentation durch einen Nutztierrissgutachter oder Veterinär belegt sein muss. Wird ein Wolf oder Luchs als Verursacher festgestellt, wird in der Regel eine Entschädigung gezahlt.

Bei unklaren Fällen, bei denen der Wolf aber nicht ausgeschlossen werden kann, wird beispielsweise in Sachsen ebenfalls ein Schadensausgleich gezahlt. Voraussetzung ist allerdings, dass der Tierhalter Vorkehrungen zum Herdenschutz getroffen und die allgemeinen Grundsätze zur Hütesicherheit eingehalten hat.

9. Herdenschutz gegen Wolfsrisse

Zur Vorbeugung von Nutztierrissen kommen Zäune, Behirtung, Hüte- und Schutzhunden zum Einsatz. Elektrozäune mit einer Höhe von mindestens 90 Zentimeter Höhe, entweder als Weidezaunnetz oder Litzenzaun bieten eine guten Schutz gegen Wölfe. Alternativ können auch mindestens 120 cm hohe feste Koppeln aus Maschendraht oder Knotengeflecht, mit einem festen Bodenabschluss (Spanndraht) eingesetzt werden. Dabei ist ein Unterwühlschutz aus Knotengeflecht oder einer Drahtlitze zu empfehlen.

Mehr zum Herdenschutz lesen Sie hier.

10. Soviel kostet der Wolf

Laut Bundesamt für Naturschutz wurden im Jahr 2015 von  den Bundesländern mit Wolfsvorkommen  zusammen 107.783 Euro an Ausgleichszahlungen für Schadensfälle geleistet, bei denen ein Wolf als Verursacher nachgewiesen oder nicht ganz ausgeschlossen werden konnte.

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