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Umwelt

'Zeigt Eberigisil sich nass und kalt, dann wird in den Bergen der Herbst nicht alt'

von , am
24.10.2009

Leipzig - Er gilt als Schutzpatron der Glaser und Glasmaler - der heilige Eberigisil. Der Legende nach wurde der für seine Schlichtungskunst bekannte Mann in Tongern von Räubern erschlagen.

© Thomas B/Fotolia

Der heilige Eberigisil (auch Evergisilus genannt) soll ein Schüler von Severin gewesen und von diesem zum Diakon geweiht worden sein. Ende des sechsten Jahrhunderts wurde ihm das Amt des Bischofs von Köln übertragen.

Nach den bis dahin romanischen Bischofsnamen gilt er als der erste Träger eines germanischen Namens. Rückschlüsse auf Herkunft oder Familie lassen sich daraus nicht ziehen. Eberigisil, so berichtete Gregor von Tours, habe im Jahre 590 in Poitiers zur Schlichtung von Zwistigkeiten in einem Nonnenkonvent beigetragen. Im Streit der Königstöchter Chrodechilde und Basina mit der Äbtissin ihres Klosters, der später heilig gesprochenen Radegunde, fungierte er im Auftrag von Childebert als Schiedsrichter. Auf Grund seiner diplomatischen Fähigkeiten war er im Volk sehr beliebt.

Schutzpatron: Von Räubern erschlagen

Der Überlieferung nach wurde Eberigisil, der als Patron der Glaser und Glasmaler verehrt wird, in Tongern von Räubern erschlagen. Auf Eberigisil gemünzte Sprüche lauten: "Hat Eberigisil nasskaltes Wetter im Gepäck, bleibt der Winter in den Bergen nicht im Versteck" und "Wenn Eberigisil im Tal in kaltem Regen steht, er auf dem Berg schon den Winter erspäht". In die gleiche Kerbe schlagen die Weisheiten: "Wenn Matsch und nasse Kälte Eberigisil bringt, der Einstand in den Bergen dem Winter gelingt" und "Macht Eberigisil die Finger klamm, gehören in den Stall Ziege und Lamm".

Zeit um Eberigisil: Häufig Kaltlufteinbrüche

Mitunter kommt es in der Zeit um Eberigisil schon zu vorwinterlichen Kaltlufteinbrüchen, die den Niederungen meist noch Regen, dem Bergland aber schon Schnee und auch tagsüber leichten Frost bescheren können. Weitere, sich auf Eberigisil beziehende Reime verraten: "Prägen Sonne und Südwind Sankt Eberigisil, der Winter noch nicht so schnell kommen will" und "Haucht Eberigisil milde Luft über die Ackerkrume, und wärmt sich die Saat im Sonnenschein, blüht im Dezember des Eises Blume, da bittere Kälte sich stellt ein". Außerdem heißt es "Ist Eberigisil mild und klar, beendet ein kalter Dezember das Jahr" und "Schenkt Eberigisil Südwind und Sonnenschein der Flur, bringt Schneefall der Dezember und Kälte pur".

Als Bischof von Köln soll er den Auftrag zum Bau einer Kirche zu Ehren des heiligen Mallosus in Birten bei Xanten gegeben haben. Archäologisch lässt sich dieser Bau aber heute nicht mehr nachweisen. (Dr. Jurik Müller, Deutscher Wetterdienst) 

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