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Wirtschaft

Zucker: Ciolos beharrt auf Quotenende, EU lockert Nichtquoten-Absatz

aiz
am
28.11.2011

Brüssel - Für den Absatz von Nichtquoten-Zucker hat die EU-Kommission verschiedene Vermarktungswege geöffnet. 400.000 Tonnen EU-Zucker ohne Quote sollen auf dem Binnenmarkt verkauft werden.

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Nach einer Entscheidung am Donnerstag im Verwaltungsausschuss in Brüssel beträgt die Überschussabgabe 85 Euro je Tonne und die Verkaufsmenge wird auf 50.000 Tonnen pro Antragsteller beschränkt.
 
Weiterhin erhöht die Kommission die mögliche Ausfuhrmenge in Drittländer von bisher 650.000 Tonnen Nichtquoten-Zucker um 700.000 Tonnen auf 1,35 Millionen Tonnen und schöpft damit den von der WTO vorgegebenen Rahmen aus. Schließlich wird der Import von Zucker ausgeschrieben. Im Dezember können zunächst nur "Vollzeitverarbeiter" auf den Import von Rohzucker bieten. Ab Januar sind Gebote von allen möglich, die Zucker auf dem Weltmarkt kaufen möchten.

Die Kommission will mit den drei Maßnahmen sicherstellen, dass die rund fünf Millionen Tonnen Zucker in der EU ohne Quote abgesetzt werden. Lediglich ein Überhang von 450.000 Tonnen soll ins kommende Wirtschaftsjahr genommen werden.

Ciolos: Quotenregelung stößt an ihre Grenzen

EU-Agrarkommissar Dacian Ciolos erklärte, das Quotensystem müsse bald abgeschafft werden, um dem Markt die Steuerung zu überlassen. "Die zyklische EU-Zuckermarkt-Situation zeigt einmal mehr die Grenzen der Quotenregelung und ihre strukturellen Mängel. Zudem behindern sie die Produzenten. Obwohl diese in den letzten Jahren sowohl auf dem europäischen Markt als auch auf den Weltmärkten ihre Wettbewerbsfähigkeit bewiesen haben. Ein Ende der Quoten bedeutet nicht, dass Marktmaßnahmen auslaufen. Parallel zum Auslaufen der Quotenregelung habe ich modernisierte Marktinstrumente mit echten Sicherheitsnetzen vorgeschlagen. Die unter anderem die Erzeugerorganisationen stärken und verbindliche Verträge, vor der Aussaat, zwischen Erzeugern und Verarbeitern vorsehen", erklärte der Agrarkommissar.
 
Versorgungssicherheit mit Zucker
 
"Das primäre Ziel ist es die Versorgung des EU-Marktes sicherzustellen. Sowohl durch Import-Erleichterungen als auch durch die Freigabe von Nichtquoten-Zucker innerhalb der EU wurden äußerst effiziente Maßnahmen gesetzt, zusätzliche Mengen für den europäischen Markt zu sichern", erklärte ein Sprecher der Kommission. Nichtquoten-Zucker - in der Regel für den EU-Lebensmittel-Markt nicht zugelassen - ist an und für sich für den Export, Bio-Ethanol oder die chemische Industrie vorgesehen. Jene Menge, die keine Verwendung findet, wird auf das nächste Wirtschaftsjahr übertragen, wodurch die Produktionsquote in diesem Jahr dementsprechend reduziert wird.
 
Hohe Weltmarkpreise - wie im letzten Jahr - führen dazu, dass die benötigten Zuckermengen im Rahmen der bestehenden Einfuhrbestimmungen nicht gedeckt werden können. Dieser Mangel kann auf zwei Arten gelöst werden: Entweder durch zusätzliche Importe oder durch eine Freigabe von Nichtquoten-Zucker für den Binnenmarkt. Damit alle Beteiligten in der Zuckerindustrie profitieren hat die Generaldirektion Landwirtschaft beide Maßnahmen vorgeschlagen.
 
Der Zuckerkonsum am EU-Lebensmittel-Markt liegt ziemlich stabil bei 16,5 Millionen Tonnen. Bei einer Produktionsmenge von 13,7 Millionen Tonnen sind Zuckerimporte notwendig. Im Rahmen der "Everything But Arms " (Alles außer Waffen)-Vereinbarung haben Exporteure aus den wenigsten entwickelten Ländern unbegrenzten zollfreien Zugang zum EU-Markt. Zusätzlich bestehen für diese Staaten günstige Importquoten-Arrangements, an denen die EU aber einen Importzoll von 329 bis 419 Euro je Tonne hält. "Ein Auslaufen der Zuckerquoten ist eine logische Weiterentwicklung der Zuckermarkt-Reform aus dem Jahr 2006 und der "Everything But Arms"-Vereinbarung", betont Ciolos.
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