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Wirtschaft

Zuckermarkt: Brüssel will Versorgungslage entspannen

AgE
am
12.11.2012

Brüssel - Die Europäische Kommission reagiert auf die knappe Versorgung am Zuckermarkt. Ab Januar 2013 sollen 1,2 Millionen Tonnen Zucker zusätzlich auf den Markt gebracht werden.

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Die Europäische Kommission will die Versorgung am Zuckermarkt verbessern. Deshalb sollen voraussichtlich ab Januar 2013 etwa 1,2 Millionen Tonnen Zucker zusätzlich auf den Binnenmarkt gelangen. Das kündigte die Brüsseler Behörde am vergangenen Donnerstag im zuständigen Verwaltungsausschuss an.

Schere zwischen den Preisen am EU-Binnenmarkt und am Weltmarkt

Wie der Sprecher von EU-Agrarkommissar Dr. Dacian Cioloş erläuterte, will man dabei zu gleichen Teilen sowohl gesperrte Mengen aus EU-eigener Überschussproduktion freigeben als auch Extraimporte vom Weltmarkt ermöglichen. Er begründete die Maßnahme mit einer weiter angespannten Versorgungslage.
 
Obwohl aus dem vergangenen Wirtschaftsjahr Bestände in Höhe von zwei Millionen Tonnen übertragen worden seien, öffne sich die Schere zwischen den Preisen am EU-Binnenmarkt und am Weltmarkt weiter. Die geschätzten Endbestände des laufenden Wirtschaftsjahrs seien um 0,5 Mio t auf 1,5 Mio t nach unten korrigiert worden. Gleichzeitig soll die zweite Tranche für Zuckerexporte aus gesperrten EU-Überschüssen in Drittländer eröffnet werden; dabei geht es um 700.000 t. Damit wäre die von der Welthandelsorganisation (WTO) erlaubte jährliche Gesamtmenge von 1,37 Mio t bis auf einen Rest von 0,2 Mio t ausgeschöpft.

Verbände sprechen sich für Zuckerquote aus

Unterdessen geht der Streit über eine schnelle Abschaffung oder die Beibehaltung der Zuckerquoten weiter. Die europäischen Dachverbände der Rübenanbauer (CIBE) und Zuckerhersteller (CEFS) warnten anlässlich einer Veranstaltung im Europäischen Parlament gemeinsam mit Arbeitnehmervertretern sowie den Länder Afrikas, der Karibik und des Pazifikraums (AKP-Staaten) vor einem Auslaufen der Quoten früher als 2020. Die Regelung gewährleiste, dass der Zuckersektor seinen Beitrag für intelligentes, nachhaltiges Wachstum leisten könne, wie dies in der EU-Strategie 2020 vorgesehen sei. Gleichzeitig werde die Versorgung sichergestellt.
 
 Die Verbände verwiesen auf die Einschnitte, die der Sektor im Rahmen der Zuckermarktreform von 2006 habe hinnehmen müssen: 83 Produktionsanlagen seien stillgegelegt worden und mehr als 22.000 Arbeitsplätze verlorengegangen, während 150.000 Landwirte den Rübenanbau eingestellt hätten und die EU sich zum Nettoimporteur von Zucker gewandelt habe.

Süßwarenindustrie kritisiert Zuckerquote

Im Gegensatz dazu bekräftigte die deutsche Süßwarenindustrie ihre Kritik an der europäischen Zuckerquotenregelung. Das planwirtschaftliche Quotensystem bei Zucker müsse spätestens im Jahr 2015 auslaufen, betonte der Bundesverband der Deutschen Süßwarenindustrie (BDSI) vergangene Woche in Bonn. Mit seinen starren Produktionsquoten und hohen Schutzzöllen stelle der regulierte Zuckermarkt eine für viele Unternehmen der Lebensmittelindustrie nicht mehr verkraftbare Herausforderung dar.
 
Versorgungsprobleme und Rohstoffpreissteigerungen hätten bereits zu ersten Übernahmen, Insolvenzen und Betriebsschließungen in der Süßwarenindustrie beigetragen und Arbeitsplätze gekostet. Laut Angaben des BDSI stieg das Niveau des EU-Zuckerpreises für die zuckerverarbeitende Getränke- und Lebensmittelindustrie seit Herbst 2011 sprunghaft um bis zu 50 Prozent.
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