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Umwelt

Züchter sehen Biodiversität durch Europäisches Recht bedroht

von , am
31.07.2014

Bonn - Das Nagoya-Protokoll soll völkerrechtlich Zugang und Nutzung von genetischen Ressourcen regeln. 17 deutsche Pflanzenzüchter klagen gegen dessen Umsetzung in Europäisches Recht.

Sie sehen das Ziel des sogenannten Nagoya-Protokolls, die biologische und genetische Vielfalt in der Landwirtschaft zu steigern, durch die beschlossene Umsetzung in europäisches Recht klar verfehlt. "Die entsprechende EU-Verordnung ist überbürokratisch, schränkt den Zugang zu und die Nutzung von pflanzengenetischen Ressourcen vor allem für die Pflanzenzüchtung ein und geht weit über die im Nagoya-Protokoll niedergelegten Grundsätze hinaus", erläutert Stephanie Franck, Vorsitzende des Bundesverbandes Deutscher Pflanzenzüchter e. V. (BDP), für die Branche die Klage gegen den Rechtsakt.
 
Franck betont in einer Mitteilung des Verbandes, dass der mit dem Nagoya-Protokoll angestrebte faire Vorteilsausgleich zwischen Gebern und Nutzern genetischer Ressourcen voll zu unterstützen sei. Die EU Verordnung biete hier allerdings keine praktikablen Lösungen. Ein echter Vorteilsausgleich könne nur stattfinden, wenn die züchterische Nutzung nicht durch überbordende Bürokratie verhindert werde. Züchtung benötige eine Speziallösung, da die Nutzung genetischer Ressourcen in der Züchtung nicht mit der anderer Branchen wie der Pharmaindustrie vergleichbar sei.

BDP: Genaue Dokumentation praktisch nicht möglich

Der Züchter könne den Wert der Ressource erst durch langwierige Arbeit sichtbar machen und auch keinen direkten Nutzen aus ihr ziehen. "Die genaue Dokumentation über die Nutzung genetischer Ressourcen, wie sie die EU-Verordnung verlangt, ist praktisch nicht möglich", erklärt Franck. Beispielsweise sei eine Weizensorte wie die CIMMYT-Sorte "Veery" ein Produkt von 3.170 Kreuzungen unter Einbeziehung von 51 Elternsorten aus 26 unterschiedlichen Ländern. Die Entwicklung einer solchen Sorte erfolge über viele Generationen und in vielen Züchterhänden. "Einem Züchter oder Forscher fehlen schlichtweg die Informationen, die hier verlangt werden", so Franck.
Vor allem aber untergrabe die umsetzende EU-Verordnung den als Open-Source-System angelegten Sortenschutz. Die bislang nicht an Auflagen geknüpfte Verwendung neu gezüchteter, geschützter und im Markt befindlicher Sorten als genetische Ressourcen für die Weiterzüchtung und Forschung werde künftig wegen umfangreicher Nachweispflichten kaum mehr möglich sein. Dies werde letztlich zu einer Verarmung an genetischer Diversität und damit zu weniger Sortenvielfalt und Züchtungsfortschritt führen.

Protokoll 2010 beschlossen

Das unter der Convention on Biological Diversity (CBD) verankerte Nagoya-Protokoll soll völkerrechtlich den Zugang zu und die Nutzung von genetischen Ressourcen und den gerechten Vorteilsausgleich regeln. Damit soll sichergestellt werden, dass ressourcenreiche Entwicklungs- und Schwellenländer Anteil an den kommerziellen Vorteilen haben, die Unternehmen durch Verwendung genetischer Ressourcen erzielen. Das Nagoya-Protokoll wurde im Rahmen der CBD im Jahr 2010 beschlossen und wird am 12. Oktober 2014 in Kraft treten. Die Voraussetzungen für die Umsetzung des Nagoya-Protokolls in der Europäischen Union sind durch die EU-Verordnung 511/2014 geschaffen.

 
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