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Politik national

Zukunftskommission Landwirtschaft präsentiert Ergebnisse

von , am
09.06.2010

München - Das Bayerische Kabinett berät über die Zukunft der Landwirtschaft im Freistaat: Die "Zukunftskommission Landwirtschaft" hat heute ihren Ergebnisbericht vorgestellt. agrarheute.com liefert Ihnen einen Überblick.

© VTG Baden-Württemberg

Seit Juli 2009 macht sich die "Zukunftskommission Landwirtschaft" unter dem Vorsitz des ehemaligen EU-Agrarkommissars Franz Fischler über den weiteren Weg der Agrarpolitik Gedanken. Heute hat die Kommission dem bayerischen Kabinett das Ergebnis ihrer Arbeit vorgestellt.

Im "Bayernplan 2020" den die Zukunftskommission heute präsentiert hat, legt sie Strategien und Handlungsempfehlungen für die Land- und Ernährungswirtschaft dar. Die Kommission hat zentrale Ziele, Projekte und Forderungen an die jeweiligen Politikebenen ausgearbeitet.

Hier die Empfehlungen im Überblick:

Zentrale Ziele

Angesichts der aktuellen Herausforderungen, empfiehlt die Zukunftskommission, die folgenden fünf zentralen Ziele nachhaltig und energisch zu verfolgen:

  • Es ist ein verstärktes Bewusstsein für gesunde Ernährung und nachhaltige Lebensstile zu schaffen.
  • Die Rahmenbedingungen für nachhaltig erfolgreiche landwirtschaftliche Unternehmer und Verarbeiter sind zu optimieren.
  • Es ist für alle in der Land- und Ernährungswirtschaft Tätigen eine angemessene soziale Sicherheit zu gewährleisten.
  • Die vielfältigen Kulturlandschaften und eine tiergerechte Nutztierhaltung sind zu sichern und es sind möglichst nachhaltige Produktionsverfahren anzustreben.
  • Die ländlichen Räume sind zu vitalen und lebenswerten Lebensräumen weiterzuentwickeln.

Zentrale Projekte

Aufbauend auf dem breiten gesellschaftlichen Dialog über die Rolle und Wertigkeit der bayerischen Land- und Ernährungswirtschaft, hat die Zukunftskommission eine ganze Reihe von Strategien und eine große Zahl an Maßnahmenempfehlungen entwickelt, mit denen die bayerische Land- und Ernährungswirtschaft für die Zukunft gut aufgestellt und eine breite Akzeptanz in der Gesellschaft erreicht werden soll. Die Zukunftskommission war sich einig, dass für den Erfolg dieser Strategien und Maßnahmen nicht nur die Politik, sondern insbesondere auch die Wirtschaftsbeteiligten, die Umfeldakteure und die Verbraucher verantwortlich sind.

Die Zukunftskommission empfiehlt, dabei vorrangig folgende fünf Projekte zu verfolgen:

  • Es soll ein Kompetenzzentrum für Ernährung und nachhaltige Lebensstile geschaffen werden.
  • Die Innovationskraft der Land- und Ernährungswirtschaft ist auf allen Ebenen zu stärken, die Forschung und Entwicklung zu forcieren und der Transfer in die Praxis zu beschleunigen sowie die Wettbewerbsfähigkeit der Land- und Ernährungswirtschaft über eine verstärkte vertikale Integration zu verbessern.
  • Die landwirtschaftliche Aus-, Fort- und Weiterbildung ist unter besonderer Beachtung des lebenslangen Lernens zu reformieren.
  • Die Diversifizierung der ländlichen Unternehmen ist zu fördern, um die endogenen Potenziale des ländlichen Raums besser auszuschöpfen.
  • Die Land- und Ernährungswirtschaft ist konsequent auf Nachhaltigkeitsziele auszurichten, und die Chancen im Bereich der Nachwachsenden Rohstoffe müssen intensiver genutzt werden.

Zentrale Forderungen an die jeweiligen Politikebenen

Auf bayerischer Ebene:

  • Neue Marktstrategien für die wichtigsten Produktbereiche entwickeln,
  • im Bereich der Land- und Ernährungswirtschaft Forschung und Entwicklung intensivieren, den Wissenstransfer beschleunigen und die Bildung modernisieren,
  • im Rahmen der Agrarumweltprogramme den Klimaschutz, Gewässerschutz, Erosionsschutz und Naturschutz (Biodiversität) ausbauen sowie den ökologischen Landbau entsprechend der Marktentwicklung weiter fördern,
  • die notwendige Gegenfinanzierung für die Umsetzung der ELER- und GAK-Maßnahmen zur Sicherung vitaler ländlicher Räume mit einer starken Land- und Ernährungswirtschaft im Landeshaushalt bereitstellen,
  • konkrete Maßnahmen zur Reduktion der außerlandwirtschaftlichen Flächeninanspruchnahme entwickeln und umsetzen.

Auf Bundesebene:

  • Günstige steuerliche Rahmenbedingungen gewährleisten sowie eine steuerliche Risikoausgleichsrücklage einführen,
  • die agrarsoziale Sicherung als eigenständiges System ebenso beibehalten wie die dafür bereitgestellten Bundeszuschüsse,
  • das landwirtschaftliche Fachrecht vereinheitlichen und verschlanken,
  • das Bundesprogramm "Ökologischer Landbau" fortführen und entsprechend der Marktentwicklung ausbauen,
  • verlässliche Rahmenbedingungen für erneuerbare Energien schaffen.

Auf EU-Ebene:

  • Ausreichende finanzielle Mittel für eine wettbewerbsfähige, multifunktionale und nachhaltige Landwirtschaft sicherstellen,
  • die verbliebenen Marktsteuerungsinstrumente zu einem wirkungsvollen Sicherheitsnetz bei Marktkrisen weiterentwickeln und neue Instrumente zur Reduktion der negativen Folgen der Marktvolatilität entwickeln,
  • das Betriebsprämienmodell verbessern incl. Maßnahmen zur Vereinfachung von Cross Compliance und dem Kontrollwesen initiieren,
  • die bewährte ländliche Entwicklungspolitik bedarfsorientiert weiterentwickeln und dabei regionale Gestaltungsspielräume erhalten,
  • Innovationen in den Bereichen Lebensmittelproduktion, energetische und stoffliche Nutzung von nachwachsenden Rohstoffen sowie Dienstleistungen fördern und die Bildung von Produktketten erleichtern. (pd/ez)

 

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