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Ernährung und Gesundheit

Zwei weitere Menschen an Listeriose erkrankt

Externer Autor
am
17.02.2010

Neckarsulm - Nach mehreren Todesfällen wegen verseuchtem österreichischem Käse hat die Handelskette Lidl erneut vor einem Harzer Käse gewarnt. In der Zwischenzeit wurden zwei weitere Krankheitsfälle bekannt.

Kunden und Konsumenten sollten den Rückruf der Lidl-Sorten "Reinhardshof, Harzer Käse" und "Reinhardshof, Bauernkäse mit Edelschimmel" des österreichischen Herstellers Prolactal GmbH "unbedingt beachten", teilte das Unternehmen am Dienstag in Neckarsulm (Kreis Heilbronn) mit.

Gewarnt wurden Verbraucher vor allem in Baden-Württemberg, Schleswig- Holstein, Hessen und Mecklenburg-Vorpommern. In einzelnen Proben ist Lidl zufolge bei Analysen ein erhöhter Wert von sogenannten Listerien festgestellt worden. An diesen Bakterien waren im vergangenen Jahr zwei Deutsche und vier Österreicher gestorben, weitere zwölf Menschen erkrankten, bestätigte das Robert Koch-Institut (RKI) in Berlin.

Mecklenburg-Vorpommern: Zwei weitere Menschen erkrankt

Nach dem Verzehr von Listerien-belastetem Käse aus Österreich sind in Mecklenburg-Vorpommern zwei weitere Menschen erkrankt. Sie mussten im Krankenhaus behandelt werden, inzwischen gehe es ihnen wieder besser, sagte eine Sprecherin des Landesamtes für Gesundheit und Soziales in Rostock am heutigen Mittwoch. Sie bestätigte einen Bericht von NDR 1 Radio MV. Die Sprecherin sagte über die Erkrankten: "Wir gehen davon aus, dass beide den Rohmilchkäse genossen haben." Der aus Österreich gemeldete Bakterienstamm stimme mit dem Befund im Blut der beiden Patienten überein.

Die oststeirische Herstellerfirma der Käsesorten hat eine Hotline für besorgte Konsumenten eingerichtet, wie die österreichische Nachrichtenagentur APA berichtete. Die Telefonnummer funktioniert aber nur in Österreich.

Todesfälle: Zusammenhang mit Käse erst jetzt herstellbar

Ein Zusammenhang zwischen den Todesfällen vom vergangenen Jahr und dem Käse habe erst jetzt hergestellt werden können: "Ein Mitarbeiter der Österreichischen Agentur für Gesundheits- und Ernährungssicherheit (AGES) hat akribisch die Einkaufszettel der Erkrankten untersucht", sagte ein Sprecher des Gesundheitsministeriums in Wien der Deutschen Presse- Agentur dpa. Weil die Zahl der Listerien-Erkrankungen im vergangenen Jahr auffällig gestiegen sei, habe sich der Experte auf die Suche nach der Quelle gemacht. Er stellte fest, dass vielen Infektionen derselbe Bakterientypus zugrunde lag.

Lange Inkubationszeit: Nachforschungen schwierig

Die Nachforschungen gestalteten sich jedoch schwierig, vor allem wegen der langen Inkubationszeit. Im Januar konnte schließlich ein Sauermilchkäse des betroffenen öststeirischen Unternehmens "Prolactal" als Ursache für die Listeriose-Fälle ausgemacht werden.

Bei den zurückgerufenen Lidl-Produkten handelt es sich den Angaben zufolge um die Produkte "Reinhardshof, Harzer Käse, 200g" und "Reinhardshof, Bauernkäse mit Edelschimmel, 200g" des Herstellers Prolactal GmbH im österreichischen Hartberg. Verbraucher können den Käse in einer Lidl-Filiale zurückgeben und bekommen den Preis erstattet.

Hintergrund: Listerien

Listerien sind Bakterien, die beim Menschen schwere Infektionen auslösen können. Die Bakterien sind in der Umwelt weit verbreitet. Normalerweise werden sie von der Pasteurisierung vernichtet. Sie können sich jedoch vermehren, wenn befallene Lebensmittel eingefroren werden. Menschen können sich an befallenem Weichkäse, Fertigsalaten, gekühlten Fertiggerichten oder ungenügend gegartem Fleisch mit den Bakterien infizieren.

Die Spezies Listeria Monocytogenes kann die sogenannte Listeriose auslösen. Diese Krankheit befiel ursprünglich überwiegend Rinder, Schweine und Geflügel. Bei Menschen tritt sie selten auf, die Anzahl der Fälle steigt allerdings weltweit. Die Listeriose kann für Schwangere, Babys und ältere Menschen lebensgefährlich sein. Die Erkrankung äußert sich mit Fieber, Hals- und Bindehautentzündungen, Durchfall und Bauchschmerzen. Diagnostiziert wird eine Infektion mit Hilfe von Blut- und Urintests, eine Therapie erfolgt vor allem mit Antibiotika. Bei frühzeitiger Erkennung ist die Krankheit normalerweise heilbar, bei immungeschwächten Menschen können die Bakterien eine Hirnhautentzündung verursachen und zum Tod führen.  Insgesamt haben jedes Jahr in Deutschland mehrere hundert Menschen eine Listeriose. (dpa/pd)

 

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