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Gastblog Hannah und Clarissa

Zwischenfrüchte: Vorteile für Umwelt und Geldbeutel

Eine blühende Zwischenfrucht auf dem Feld.
am Dienstag, 12.01.2021 - 16:25 (Jetzt kommentieren)

Habt ihr gewusst, was für Helden die Zwischenfrüchte sind? Unsere Gastbloggerinnen Hanna und Clarissa haben sich im Rahmen ihres Studiums damit befasst und erklären Vorteile für Umwelt und Geldbeutel.

Moin Hofhelden!

Wir sind Clarissa und Hanna und studieren Agrarwissenschaften mit dem Schwerpunkt Nutzpflanzenwissenschaften an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel. In dem Modul “Wissenschaftskommunikation” wurden wir dazu angeregt, wissenschaftliche Publikationen u.ä. runterzubrechen und leichter verständlich zu machen, um so in den Dialog zu kommen. In dem Zusammenhang haben wir uns mit den Zwischenfrüchten beschäftigt.

Pflicht zur Zwischenfrucht im roten Gebiet

Ich (Clarissa) komme aus einem kleinen Dorf in Schleswig-Holstein. So hab ich auch, obwohl ich nicht direkt vom Betrieb komme, durchaus einige Berührungspunkte mit der Landwirtschaft, die mich am Ende zu meinem Studium gebracht haben.

Ich (Hanna) komme von einem Kartoffelbetrieb im Landkreis Diepholz, genauer aus Stocksdorf. Unsere Flächen werden in Zukunft vermutlich in einem Roten Gebiet liegen. Deshalb – und weil Zwischenfrüchte im Kartoffelanbau schon länger eine große Rolle spielten – wollten wir uns gerne damit auseinandersetzen, was das für unseren Betrieb Zuhause bedeuten könnte.

Clarissa und Hannah

Vielleicht seid Ihr ja in einer ähnlichen Situation und das Thema für Euch somit auch interessant? Denn ab dem 1. Januar 2021 kann der Zwischenfruchtanbau durchaus zur Pflicht werden, wenn sich eine Eurer Flächen in einem sogenannten Roten Gebiet befindet und die Hauptfrucht bis zum 30. September geerntet ist.

Vorteile von Zwischenfrüchten

Sicherlich sind Euch die Vorteile von Zwischenfrüchten bekannt. Zum Beispiel …

  • … lockern sie mit ihren Wurzeln den Boden, …
  • … können zur Gründüngung genutzt werden …
  • … und schützen den Boden vor Erosion.

Doch sie können noch weit mehr. Sie sind nicht nur gut für unsere Äcker, sondern auch für unseren Geldbeutel, aber dazu später mehr.

Einfluss der Zwischenfrüchte auf die Umwelt

Zunächst haben wir uns gefragt, was Zwischenfrüchte unserer Umwelt bringen, wenn sie in Roten Gebieten bald Pflicht sind. Wir wissen, dass sie neben den oben genannten Vorteilen auch den Boden beschatten, was die Erde vor Austrocknung schützt und gleichzeitig Unkräuter unterdrückt. Außerdem halten sie Wasser in den oberen Bodenschichten.

Doch haben sie auch einen Einfluss auf die aktuell heiß diskutierten Treibhausgase? Darüber haben wir mit Herrn Dr. Räbiger gesprochen, der am Institut für Acker- und Pflanzenbau an der Universität Kiel arbeitet. Zusammen mit seinen Kolleg*innen forscht er in dem Projekt „Minderung von Treibhausgasemissionen in der Pflanzenproduktion durch standortangepasste optimierte Zwischenfruchtanbausysteme“. Schwerpunktmäßig geht es um die Lachgasemissionsminderung. Durch die N-Konservierung im Herbst – eben in den Zwischenfrüchten – wird zum einen die Nitratauswaschung gesenkt. Das wiederum kann indirekt zu einer Minderung der Lachgasemissionen führen. Frei nach dem Motto „was wir haben, das haben wir“. Denn Stickstoff, der festgesetzt ist, kann nicht mehr verloren gehen.

Zum anderen wird ja auch viel Stickstoff in der Biomasse gespeichert, der über den Winter gebunden bleibt und im Frühjahr mineralisiert wird. Somit kann er dann wieder als Nährstoff von der Pflanze aufgenommen werden. Damit könntet Ihr am Ende in der nachfolgenden Kultur (in dem Versuch Mais) ca. 20 kg N/ha an Mineraldünger sparen. Und vielleicht geht das auch noch in der darauffolgenden Kultur. Das muss allerdings noch bestätigt werden, weil der in 2020 gedrillte Winterweizen noch nicht geerntet ist. Natürlich werden dann auch noch jede Menge Treibhausgase bei der Produktion des Mineraldüngers eingespart, weil am Ende nun mal weniger davon verbraucht wird, wenn wir die Ressourcen auf dem Acker richtig nutzen.

Wovon auch weniger benötigt wird, sind Pflanzenschutzmittel. Bestimmte Zwischenfrüchte können, gerade in engen Fruchtfolgen, in Verbindung mit der Sommerung den Krankheits- und Schädlingsdruck verringern, z.B. Ölrettich und Hafer.

So vermindert ihr Lachgasemissionen mit Zwischenfrüchten

Für die Lachgasemissionsminderung solltet Ihr noch versuchen die Überfahrten zu reduzieren. Denn – das wussten wir auch nicht – Lachgasquellen sind im Boden nicht gleichmäßig verteilt, sondern quasi in “Hotspots” gelagert. Dabei ist bei einer höheren Bodenverdichtung weniger Luft im Boden vorhanden und dadurch wird die Denitrifikation gefördert. Als Nebenprodukt entsteht dort mehr Lachgas und kann dann eben verloren gehen. Die Zwischenfrüchte können also hier mit ihren Wurzeln den verdichteten Boden wieder auflockern, quasi “Durchlüftungskanäle” bauen und so dazu beitragen, die Lachgasproduktion zu verringern.

Damit fällt doch am Ende auch gar nicht so riesig doll ins Gewicht, dass die Zwischenfrüchte ganz direkt leider keine Senkung der Lachgasemissionen bezwecken. Wir denken, die indirekten Wirkungen wiegen das durchaus auf.

Zwischenfrüchte: Gut für den Geldbeutel

So. Nachdem das geklärt ist, können wir uns jetzt mal anschauen, was die Zwischenfrucht für unseren Geldbeutel tun kann. Dazu haben wir mit Prof. Dr. Latacz-Lohmann von der Kieler Universität gesprochen. Aktuell gibt es zwei große politische Möglichkeiten durch Zwischenfruchtanbau Geld zu verdienen.

Ölrettich auf dem Feld

Da gibt es das bundeseinheitliche Greening, bei dem Ihr 5 Prozent der Ackerfläche als ökologische Vorrangfläche deklarieren müsst und 85 € pro Hektar erhaltet. Der Zwischenfruchtanbau wird dabei mit dem Faktor 0,3 angerechnet. Für 1 ha Zwischenfrüchte dürft Ihr Euch also 0,3 ha für das Greening anrechnen. Dabei müssen die Zwischenfrüchte bis zum 15. Februar auf dem Acker stehen bleiben und dürfen weder mineralisch gedüngt noch mit Pflanzenschutzmitteln behandelt werden.

Wenn Ihr extra winterharte Zwischenfrüchte anbaut, gibt es dafür auch nochmal Geld. Die Auflagen und der Betrag, den Ihr dafür bekommt, sind allerdings von Bundesland zu Bundesland verschieden. In Niedersachsen dürfen zum Beispiel keine Leguminosen in der Mischung enthalten sein und bringen 120 €/ha. Diese Gelder könnten auch, zumindest zum Teil, zukünftig aus den Eco-Schemes kommen, statt aus dem Greening. Auch dort werden Umweltmaßnahmen gefördert und somit auch der Zwischenfruchtanbau, auch wenn noch nicht feststeht, wie genau diese Förderung aussehen soll.

Private Kohlenstoffmärkte: So funktioniert’s

Und zuletzt der Punkt, von dem wir eigentlich am meisten begeistert sind. Sagen Euch private Kohlenstoffmärkte etwas? Uns vorher nicht. Sicher habt Ihr davon schon im Bereich der Industrie gehört. Es geht darum, so eine Art Zertifikat für CO2-Emissionen zu kaufen. Diese Zertifikate stellen sicher, dass die ausgestoßene CO2-Menge wieder kompensiert wird. Und da kommt Ihr als Landwirte ins Spiel.

Durch den Humusaufbau, zum Beispiel durch den Zwischenfruchtanbau, wird Kohlenstoff im Boden gespeichert, der dann nicht als Treibhausgas entweichen kann. Auf diese Weise könnt Ihr solche Zertifikate generieren und bekommt pro Tonne gebundenem Kohlenstoff dafür Geld.

Hannas Freund mit Ölrettichwurzel auf dem Feld

Das macht zum Beispiel die Firma “CarboCert”. Dort könnt Ihr Euch anmelden und legt selber die Fläche fest, die Ihr für den Humusaufbau nutzen wollt. Dann kommt ein Mitarbeiter zu Euch, nimmt Bodenproben und guckt, wie viel Humus bereits im Boden vorhanden ist. Nach zwei bis fünf Jahren werden dann wieder Bodenproben genommen, um zu gucken, wie viel Humus sich bereits aufgebaut hat. Für jede Tonne CO2, die bis dahin in Eurem zusätzlich aufgebauten Humus gespeichert ist, bekommt Ihr zwei Drittel vom Verkaufspreis des Zertifikats.

Nach weiteren fünf Jahren werden erneut Bodenproben gezogen, um sicherzustellen, dass der Humus sich nicht wieder abgebaut hat. Dann wird das letzte Drittel des Geldes ausgezahlt – sofern kein Humus “verschwunden” ist. Hat der Humusanteil sich doch verringert, werden die nachweislich abgebauten Mengen mit dem zurückgehaltenen Betrag (letztes Drittel) verrechnet. Wenn Ihr noch zusätzlich weiteren Humus aufgebaut habt, bekommt ihr dafür auch nochmal zusätzlich Geld.

Wir würden Euch auch gerne die ganze Liste der vielen Vorteile hier reinschreiben, die wir uns gemacht haben. Dann wird das aber vielleicht doch ein bisschen zu langatmig. Doch schon aus diesen Argumenten haben wir für uns beschlossen, dass der Zwischenfruchtanbau sich sowohl für die Umwelt, als auch für den Geldbeutel lohnt!

Fallen Euch noch weitere Vorteile ein? Und wie ist Eure Meinung zu Zwischenfrüchten?

Eure Hanna und Clarissa

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