Login
Dorf und Familie

Zwischenstand: Hochwasserschäden in der Landwirtschaft

pd/ez
am
11.06.2013

München/Wiesbaden/Schwerin - Täglich treffen neue Meldungen aus den Bundesländern zu den Schäden in der Landwirtschaft durch Regen und Überflutungen ein. Ein Überblick.

Wie hoch fällt der Schaden durch Starkregen und Überflutungen in der Landwirtschaft aus? Bayern, Hessen und Mecklenburg-Vorpommern haben gestern neue Informationen herausgegeben. In Bayern sind mehrere zehntausend Acker- und Grünland betroffen, in Hessen etwa 5.000 Hektar landwirtschaftliche Fläche. Dort hat der Landesbauernverband mittlerweile eine Grundfutterbörse eingerichtet.
 
In Mecklenburg-Vorpommern mahnt Landwirtschaftsminister Backhaus Tierhalter, die Warnungen der Landkreise vor Überflutungen ernst zu nehmen.

Bayern: 115 Millionen Euro Schaden in der Landwirtschaft

Der bayerische Landwirtschaftsminister Helmut Brunner rechnet mit Schäden in Höhe von 115 Millionen Euro in der hiesigen Land- und Forstwirtschaft. Aktuellen Schätzungen zufolge seien landesweit rund 30.000 Hektar Ackerland, 35.000 Hektar Grünland und knapp 2.500 Hektar gartenbauliche Kulturen betroffen. Insgesamt haben Hochwasser und Starkregen damit rund zwei Prozent der gesamten landwirtschaftlichen Nutzfläche des Freistaats in Mitleidenschaft gezogen.  
 
Etwa die Hälfte des Gesamtschadens sei an Betriebsgebäuden, Maschinen sowie land- und forstwirtschaftlichen Wegen und Brücken, die durch Überflutungen und Muren stark in Mitleidenschaft gezogen wurden, entstanden. Der Schaden an den Privathäusern der Landwirtsfamilien seien noch gar nicht mit eingerechnet, erklärt Brunner. 
 
Um den Landwirten schnell und unbürokratisch zu helfen, hatte die Staatsregierung vergangene Woche ein Maßnahmenpaket beschlossen. Es enthält neben einem Sofortgeld von bis zu 5.000 Euro für betroffene Betriebe Zuschüsse für überschwemmungsbedingte Aufwuchs- und Ernteschäden, steuerliche Hilfen, Liquiditätsdarlehen und förderrechtliche Erleichterungen.
 

Hessen: 5.000 Hektar teils bis zum Totalausfall geschädigt

"Hessenweit wurden circa 5.000 Hektar landwirtschaftlich genutzte Flächen erheblich, teilweise bis zum Totalausfall, geschädigt", informiert der Präsident des Hessischen Bauernverbandes, Friedhelm Schneider.
 
Sonderkulturen in Südhessen und in Teilen Nordhessens sind besonders stark von der Überflutung betroffen. "Im Hessischen Ried und entlang verschiedener Flussläufe haben Überschwemmungen auf Acker- und Grünlandflächen starke Schäden angerichtet. In einzelnen Betrieben wurden bis zu 40 Prozent der Anbauflächen geschädigt", so Schneider. Futterbaubetriebe litten besonders darunter, dass der Aufwuchs von Grünland nach Überschwemmungen stark verschmutzt und kaum zu beernten sei. Bei vielen Betrieben fällt der erste Schnitt komplett aus.
 
Um auf mögliche Futterengpässe in Rinder haltenden Betrieben zu reagieren, hat der Hessische Bauernverband eine Grundfutterbörse eingerichtet. Betriebe, die Heu, Gras- oder Maissilage abgeben oder verkaufen wollen, können ein entsprechendes Angebot per E-Mail (hbv@agrinet.de) oder telefonisch 06172-7106-221 abgeben. Verbandsmitglieder können dann dort nachfragen, ob in ihrem Umfeld oder Landkreis Grundfuttermengen angeboten werden.

Mecklenburg-Vorpommern: 426 Tierhalter in Überflutungsgebieten

Etwa 21.000 Hektar Hinterland der Elbe sind in Mecklenburg-Vorpommern nach den aktuellen Hochwasserprognosen überflutungsgefährdet. In diesem Gebiet sind nicht nur Menschen bedroht, sondern auch die Tiere. "So gibt es hier 426 Tierhalter, die im Ernstfall ihre Tiere in Sicherheit bringen müssen. Dabei sind sowohl Rinder, Schweine, Schafe, Pferde als auch Geflügel betroffen", informiert Landwirtschaftsminister Dr. Till Backhaus.
 
"Vor allem die größeren Betriebe, die in den betroffenen Gebieten beispielsweise über 1.100 Rinder, 1.800 Schweine oder 30.000 Puten halten, sollten rechtzeitig alle nötigen Vorbereitungen für eine eventuelle Evakuierung ihrer Tiere treffen." Dazu seien Mitarbeiter der Veterinär- und Lebensmittelüberwachungsämter und des Staatlichen Amtes für Landwirtschaft und Umwelt bereits seit einer Woche mit den Tierhaltern im Gespräch. Er mahnt Landwirte, die Warnungen ihrer Landkreise unbedingt ernst zu nehmen.
 
Tierhalter in Mecklenburg-Vorpommern, die Unterstützung bei der Organisation benötigen, können sich an das Bürgertelefon des Landkreises unter 03874 624-3333 wenden.

Luftaufnahmen vom Hochwasser in Deggendorf

Auch interessant