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Agrarpolitik

Antibiotika: Lückenhafte Datenbank

von , am
06.05.2015

Das von Beginn an als zu kompliziert kritisierte Meldesystem zum staatlichen Antibiotikamonitoring hat Anlaufschwierigkeiten. Trotz lückenhafter Daten sollen Betriebe Maßnahmenpläne vorlegen.

Wirken die Antibiotika gegen den Erregerstamm? Das kann ein Antiviogramm klären. © Archiv/Leopold

Tausende Nutztierhalter  haben keine Meldungen in die staatliche Antibiotikadatenbank abgegeben, obwohl sie laut Arzneimittelgesetz ab dem 1. Juli 2014 dazu verpflichtet gewesen sind. Das haben gemeinsame Recherchen von NDR, WDR und "Süddeutscher Zeitung" ergeben. In Nordrhein-Westfalen sollen von gut 11.000 meldepflichtigen Betrieben nur 8.700 Informationen über ihren Antibiotikaeinsatz mitgeteilt haben; in Schleswig-Holstein fehlten Angaben von 40 % der landwirtschaftlichen Unternehmen, in Baden-Württemberg von mehr als der Hälfte.

Schwache Aussagekraft

Am 1. April hatte das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) erstmals Auswertungsergebnisse über den Antibiotikaeinsatz veröffentlicht (wir informierten). Doch scheint die Aussagekraft der Daten mehr als zweifelhaft zu sein, denn eine Nichtmeldung wird vom System automatisch als "kein Antibiotikaeinsatz" gewertet. Die durchschnittliche Therapiehäufigkeit wird dadurch nach unten gedrückt; Betriebe, die diese Kennzahl überschreiten, müssen laut Gesetz Gegenmaßnahmen ergreifen.

Schmidt warnt vor Grundsatzkritik

Vor dem Hintergrund der Startschwierigkeiten des Antibiotikamonitorings warnte Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt vor einer Grundsatzkritik am Minimierungsziel. "Mein Ziel ist die konsequente Erfassung und - auf dieser Grundlage - die kontinuierliche Senkung des Antibiotikaeinsatzes in der Tierhaltung. Wenn es tatsächlich gravierende Meldelücken und damit Vollzugsdefizite in den Bundesländern geben sollte, sind diese von den zuständigen Behörden abzustellen", so der Bundesminister.
 
Der Deutsche Bauernverband (DBV) forderte Bund und Länder auf, den Berichten über nicht brauchbare Daten nachzugehen. "Es geht nicht an, dass Tierhalter, die eindeutig nicht zu den Vielverbrauchern zählen, jetzt aufwendige Maßnahmenpläne zur Reduzierung ergreifen sollen", stellte der stellvertretende DBV-Generalsekretär Udo Hemmerling dazu klar.

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