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Tiergesundheit

ASP: große Sorge trotz Vorsorge

Viehtransport
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Christa Diekmann-Lenartz, LAND & Forst
am
02.10.2018

Nicht nur die Schweinehalter befürchten, dass die Afrikanische Schweinepest die Grenzen überwindet. Auch für die Schlachthöfe können die Folgen dramatisch sein.

Angesichts der Bedrohung durch die Afrikanische Scheinepest (ASP) sitzen für Dr. Gerald Otto alle in einem Boot, alle, die in der Region ihr Geld mit Schweinen verdienen. Denn nicht nur Sauenhalter und Mäster wären von einem ASP-Ausbruch massivst betroffen, sondern auch die vor- und  nachgelagerte Wirtschaft. Dr. Otto, beim Garreler Schlachthof „Böseler Goldschmaus“ für das Krisenmanagement zuständig, hat in den vergangenen Monaten deshalb sehr viel Zeit damit verbracht, seinen Schlachthof auf den „Tag X“ vorzubereiten – von dem nicht nur er hofft, dass der nicht kommen wird.

Leitfaden der Branche

Grundlage, um sich bestmöglichst für den Seuchenfall zu wappnen, ist ein Leitfaden des Verbandes der Fleischwirtschaft (VDF). Dieser Leitfaden wurde zusammen mit den Fachbehörden der Bundesländer für die Tierseuchenbekämpfung (Niedersachsen: Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit, LAVES) erstellt.

Viele Punkte des umfangreichen Werkes sind abgearbeitet, sie fallen unter den Punkt „Vorsorge“.

So hat Dr. Otto

  • dem Landkreis Cloppenburg eine Checkliste mit allen tierseuchenrelevanten Angaben über den Schlachtbetrieb zukommen lassen.
  • Am Schlachthof wurden Mitarbeiter speziell für den Krisenfall geschult,
  • Vorkehrungen für die dann nötigen Fahrzeugdesinfektionen getroffen und
  • mit dem zuständigen Veterinäramt des Landkreises abgesprochen, wie die tägliche Arbeit weiterlaufen kann, wenn der Schlachthof in einem Restriktionsgebiet liegen sollte.

 

Dr. Gerald Otto, Böseler Goldschmaus

„Wenn wir zum Beispiel in einem Sperrgebiet liegen, sollte es trotzdem möglich sein, dass wir Schweine von außerhalb schlachten. Dafür können in Absprache mit dem Landkreis und der EU Korridore zur Anlieferung der Schlachtschweine freigegeben werden. Dafür gelten natürlich sehr strenge Hygieneauflagen und ein stark erhöhter Logistikaufwand. Nachweise und Bescheinigungen, dass die Schweine auch geschlachtet werden dürfen, sind zum Beispiel zu berücksichtigen“, sagt Dr. Otto.

Biosicherheitsmaßnahmen und schnelle Reaktionsfähigkeit

Käme es im Umfeld des Schlachthofs zu einem ASP-Fall, wäre die „Böseler Goldschmaus“ doppelt betroffen: viele der liefernden Betriebe liegen nicht weit vom Schlachthof entfernt. Beim Seuchenfall vor Ort würden möglicherweise viele Mastbetriebe zunächst von der Lieferung abgeschnitten. Vor diesem Hintergrund werde besonders deutlich, dass optimale Biosicherheitsmaßnahmen und insbesondere eine schnelle Reaktionsfähigkeit auf allen Ebenen für die regionale Erzeugung von höchster Bedeutung sind, so Dr. Otto.

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