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Grassilagequalitäten

Warum Altgras problematisch ist

on_Kalzendorf Grassilierung Schwaden
Dr. Christine Kalzendorf, LWK Niedersachsen
am
09.05.2018

Die Saison hat begonnen: Etliche Flächen sind schon gemäht. Wer noch Grünlandflächen stehen hat, die im vergangenen Jahr zu lang in den Winter gegangen sind, sollte nachfolgende Vorkehrungen beherzigen.

So gelingt die Grassilage immer

  • Mahd zum optimalen Schnittzeitpunkt vornehmen, wenn sich die Hauptbestandesbildner zu Beginn des Ährenschiebens befinden.
  • nicht zu tief mähen (für Grünland nicht unter 5 cm; für Ackergras nicht unter 7 cm)
  • kurz und effizient anwelken
  • 24-Stunden-Silagen und TM-Gehalte im Bereich von 30 bis 40 % anstreben
  • auf hohe Lagerungsdichte achten
  • langsam fahren (max. 3 bis 4 km/h),
  • schwere Walzschlepper für das Verdichten wählen (Radachslast von mindestens 2 t plus weitere Beschwerung des Schleppers)
  • für hohen Punktdruck der Walzschlepper sorgen (wenn möglich: Verzicht auf Zwillingsbereifung und Reifeninnendruck von 2 bar)
  • für dünne Schichtdicke des Futters von unter 20 cm, besser noch 15 cm sorgen
  • an Futtervorschub angepasste Silogeometrie
  • Abstimmung der Erntekette auf Verdichtungsarbeit
  • Walzschlepper mit Horizontalverteiler
  • Erntewagen mit Dosierwalzen ausrüsten
  • sofortige Siloabdeckung mit zwei Folienschichten
  • engmaschiges Auslegen des Silofußes mit Kiessäcken
  • Mindestverschlusszeit des Silos von sechs bis acht Wochen einhalten.

Stehengebliebenes Altgras ist mit Pilzen und Hefen belastet

Viele Flächen konnten im Herbst wegen Nässe nicht mehr geerntet werden. Die überständigen und hohen Grasbestände verwelkten auf der Fläche. Hin und wieder wurde der Frost genutzt, um die Flächen zu befahren und das Futter entweder zu mulchen oder zu mähen. Letzteres hatte den Vorteil, dass die Grasnarbe von dem alten Futter befreit wurde und die jungen Gräser damit wieder Zugang zu Licht und Luft bekamen. Wo gemulcht wurde, liegt das Häckselgut, je nach Bestandeslänge, auf der Grasnarbe.

on_Kalzendorf Grassilierung Schnitthöhe

Ob das abgestorbene Material auf den Boden bröseln konnte, hängt von den Pflegearbeiten wie dem Striegeln oder Schleppen ab, aber auch von der Schichtdicke der Pflanzendecke. Bei der Silierung sollte diese Situation besonders beachtet werden, denn das alte Gras ist stark keimbelastet. Das zeigen aktuelle Ergebnisse, die von der Feldversuchsstation für Grünlandwirtschaft und Rinderhaltung in Zusammenarbeit mit der Fa. Meiners Saaten gemacht wurden. Speziell von überständigen Grasbeständen wurden auf Praxisflächen Proben genommen und auf ihren hygienischen Status hin untersucht. Aus der unten angefügten Grafik geht hervor, dass abgestorbenes Grasmaterial eine hohe Pilzkeimzahl aufweist, die im Allgemeinen den Orientierungswert überschreitet oder diesen knapp erreicht.

Besondere Beachtung sollte neben den Schimmelpilzen den Hefekeimen geschenkt werden. In den Untersuchungen wurden nahezu in allen Proben sehr hohe Hefegehalte ermittelt. Gelangen Anteile dieses Altgrases bei der Ernte in das Silo, sind Fehlgärungen und vor allem das Verpilzen und Erwärmen des Futters vorprogrammiert.

Eine schmutzarme Ernte ist ein absolutes Muss

Auf den staunassen Flächen sind die Gräser arg in Mitleidenschaft gezogen worden. Auch hier ist abgestorbenes Material zu erwarten mit der Folge einer sehr ungünstigen Keimsituation. Pflegearbeiten auf dem Grünland können diesen Zustand zwar verbessern, aber nicht gänzlich wettmachen.

  • Nach dem Striegeln oder Schleppen werden vermehrt Fehlstellen da sein, die erst allmählich durch Nachsaaten geschlossen werden.
  • Bedingt durch die Nässe im Vorjahr sind einige Grünlandflächen auch durch Fahr- oder Trittschäden strapaziert und uneben geworden. Bei der Ernte ist das zu berücksichtigen.
  • Ein zu tiefer Schnitt führt zwangsläufig zum Eintrag auch von Altgras sowie von Erde. Zudem beeinträchtigt eine zu tiefe Mahd den Wiederaustrieb der Gräser (mindestens 7 cm Stoppelhöhe lassen).

Achten Sie bei allen nachfolgenden Arbeitsschritten wie Zetten, Wenden und Schwaden darauf

  • dass nur auf der Grasnarbe gearbeitet wird,
  • dass Bodenkontakt so selten wie möglich ist
  • dass auf unebenen Flächen nur so schnell gefahren wird, wie es für das jeweilige Arbeitsverfahren gerade erforderlich ist.
  • Sprechen Sie die Geräteeinstellung eindeutig mit den verantwortlichen Personen ab.
  • Kontrollieren Sie das Ergebnis nicht erst zum Schluss, sondern während des Ablaufs und korrigieren Sie notfalls.

 

Wenn möglich, sollten die Problemflächen zuerst geerntet werden, um sie so gut wie möglich zu verdichten. Je ungünstiger sich die Gesamtsituation darstellt, desto ratsamer ist zusätzlich die Nutzung von Siliermitteln in den Wirkungsrichtungen 1b, 1c und 2.
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