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Agrarantrag

ANDI fordert zu viel Zeit und Geduld

Gabi von der Brelie
am
06.04.2016

Umständlich, zeitaufwändig, fehleranfällig - erst seit wenigen Tagen ist die Bearbeitung der Agraranträge möglich, aber die Kritik heftig. Landwirten und Beratern verlangt die Antragstellung viel Geduld ab, wie eine Umfrage ergab.

Die Bearbeitung der Agraranträge bringt derzeit viel Kritik von Landwirten und Beratern ein. Genau das können die Betriebsleiter im Moment überhaupt nicht gebrauchen: „Für unsere Landwirte geht es um enorm viel Geld, das gerade in der Krisensituation in diesem Jahr auf jedem Hof dringend gebraucht wird“, schildert Landvolkvizepräsident Heinz Korte.

Doch beim wichtigsten Verwaltungsakt des Frühjahrs gibt es Probleme, weil die Umstellung auf die grafische Antragstellung  nicht auf Anhieb funktioniert.

ANDI-Probelauf hätte besser vorbereitet werden müssenTechnisch wie auch personell hätte die Umstellung durch das Landwirtschaftsministerium deutlich besser und mit einem Probelauf im Vorjahr zeitiger vorbereitet werden müssen, meint Korte. Die auftretenden Probleme und Unzulänglichkeiten hätten bei sorgfältiger Vorbereitung vermieden werden können. Sie müssten unverzüglich abgestellt werden.

Abgabe der Agraranträge mitten in Frühjahrsbestellung

Hier sieht der Vizepräsident das Agrarministerium in der Pflicht, dafür Sorge zu tragen, dass die Antragstellung reibungslos abgewickelt werden kann. „Allen Landwirten und Beratern sitzt mitten in der Frühjahrsbestellung der Abgabetermin im Nacken“, weist er auf den überaus engen Zeitrahmen hin. Eine erneute Schlappe wie bei den verspäteten Greeningzahlungen sei absolut inakzeptabel.

ANDI läuft nicht reibungslos

Reibungslos läuft das neue Programm nirgendwo. Landwirte, die ihre Anträge vom Landvolk, der Kammer oder einem anderen Dienstleister bearbeiten lassen, sollten sich daher umgehend um einen Termin bemühen.
Wer bislang die Anträge noch selbst ausgefüllt hat, wird eventuell ebenfalls Hilfe in Anspruch nehmen müssen, zumal auch die Erklärungen schon fortgeschrittene EDV-Kenntnisse voraussetzen.

Bearbeiten der Agraranträge mit deutlich mehr Zeit

Den deutlich höheren Zeitaufwand beklagen alle befragten Kreisverbände des Landvolkes, die für ihre Mitglieder die Antragsbearbeitung übernehmen. „Man sitzt vor dem Bildschirm und kann nur zusehen, wie quälend langsam sich das Bild aufbaut“, sagt Joachim Hasberg, stellvertretender Geschäftsführer beim Kreisverband Hannover.

Dabei sei nicht klar, ob es an der Internetleitung, dem eigenen PC oder der Serverleistung beim Servicezentrum für Landentwicklung und Agrarförderung (SLA) liege. Beim SLA wurden wie in der Vergangenheit die Anträge für die aktuelle Förderperiode programmiert.

Digitaler Flächennachweis schafft Probleme

Große Kritik entzündet sich an den neuen EU-Vorgaben für die geodatenbasierte Flächendarstellung. Der digitale Flächennachweis ersetzt die bisherigen Flächenskizzen als Anhang zum Antrag. Hierzu fehlen in Niedersachsen leider Erfahrungswerte aus den Vorjahren.

Es kommt zu Überschneidungen, die schwierig zu ermitteln und abzustellen sind, weil der Feldnachbar nicht unbedingt bekannt ist.

Dienstleister geht Haftungsrisiko ein

Mitunter fehlen nach Beobachtung der Landvolk-Mitarbeiter auch Karten, immer wieder stürzt die Übertragung der Luftbilder ab. Weitere Stolpersteine bergen die Abfragen nach der Kleinerzeugerregelung und dem aktiven Landwirt. Hier birgt das Programm einige Tücken, die gekonnt umschifft werden müssen.

Immerhin geht der Dienstleister mit seinem Beratungsangebot gegenüber dem Landwirt zugleich ein Haftungsrisiko ein.

Einen Kommentar zum Thema von LAND & Forst-Chefredakteur Ralf Stephan finden Sie hier...

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