Login
Agrarantrag

ANDI-Stress war programmiert

Thumbnail
Ralf Stephan, LAND & Forst
am
11.03.2016

Schöne neue Welt: Agrarantrag mit digitalen Karten. Was nützt es aber, wenn das Drumherum von gestern ist? LAND & Forst-Chefredakteur Ralf Stephan kommentiert das nervtötende Geduldsspiel.

So hatte es sich wohl keiner vorgestellt: unendlich lange Ladezeiten, fehlende Karten in der Onlinedatenbank, Systemabstürze. Die Umstellung des Agrarantragsverfahrens auf digitale Geodaten erweist sich selbst für PC-erfahrene Landwirte und Berater als nervtötendes Geduldsspiel.

Wer sich gleich nach dem Erhalt der aktuellen ANDI-DVD an die Arbeit machen wollte, stieß schnell an die Grenzen seiner Begeisterungsfähigkeit.

Start bringt Stress

Fieberhaft arbeiten die zuständigen Mitarbeiter beim Servicezentrum SLA und bei der Landwirtschaftskammer  daran, die Anlaufschwierigkeiten zu beheben.

Dass es beim Start holpert, kann indes niemanden überraschen, der schon einmal die Umstellung eines EDV-Systems miterleben durfte. Gerade deshalb fragt man sich, ob der ganze Stress nicht von vornherein programmiert war.

Digitales Antragswesen hat Grenzen

Das beginnt mit der politischen Entscheidung, mit dem GAP-Antrag 2016 von den bisher ausreichenden Skizzen auf Geokarten umzustellen. Bauernhöfe zählen in Computerfragen nun einmal eher selten zu den Technologieführern.

Von den Betriebsleitern, die gern ganz vorn mit dabei wären, hängen zudem viele am Ende eines hoffnungslos veralteten Leitungsnetzes, das den Transport größerer Datenmengen ganz einfach verweigert. So setzt die mangelhafte Infrastruktur im ländlichen Raum dem digitalen Antragswesen erste Grenzen.

Umfassende Software schafft Arbeit

Die zweite Hürde liegt in der Ausstattung der zuständigen Verwaltung. Wer als landeseigenes Servicezentrum derart umfassende Software programmieren muss, sollte technisch und personell spitzenmäßig ausgestattet sein.

Das gilt übrigens gleichermaßen für die Landwirtschaftskammer, die den erhöhten Beratungsbedarf abzuwickeln hat.

Besser wäre bundesweites Programm

Ein drittes Hindernis ist der falsche Ehrgeiz jedes Bundeslandes, seine eigene Softwareentwicklung zu betreiben. Ob man nicht lieber die besten Köpfe aus allen Ländern zusammengesetzt hätte, um bundesweit ein einziges, dafür erstklassiges Programm zu stricken?

 

Beratung bloß rechtzeitig vereinbaren

Nun aber müssen alle, trotz der rückständigen Begleitumstände, mit der digitalen Kartenwelt klar kommen. Bei den Beratern in den Landvolk-Kreisgeschäftsstellen herrscht beim Blick auf Kalender und Wetterlage bereits Alarmstimmung. Die Kammer drängt, bloß rechtzeitig Beratungstermine zu vereinbaren.

 

Stichtag 17. Mai

Damit der Stichtag 17. Mai gehalten werden kann, muss von jetzt an alles wie am Schnürchen laufen. Nach dem Desaster mit der verspäteten Auszahlung von 2015er-Geldern wäre es ein Armutszeugnis für Niedersachsen, wenn die 2016er-Runde schon mit Verspätungen beginnt.

Auch interessant