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Arbeitszeitgesetz

Arbeitszeitregeln: Wenn in der Erntezeit die Arbeit drückt

Landwirt-Mitarbeiter
Hartmut Lüdeke, LWK Niedersachsen
am
13.09.2018

Auch in der Erntezeit ist auf die Arbeitszeiten und Pausen der Mitarbeiter zu achten. Manche Tätigkeiten lassen sich aber nicht aufschieben. Was ist möglich?

Wer kennt die Situationen als Betrieb mit Lohnarbeitskräften nicht: Eigentlich hätte der Arbeitnehmer jetzt Feierabend, aber der Schlag Weizen ist noch nicht fertig gemäht und am nächsten Tag soll es regnen. Oder in der Herbstbestellung muss noch der Rübenweizen in die Erde und jeder Tag zählt.

Mit einem Überstundenzuschlag ist sicher jeder Arbeitnehmer gerne bereit, in Spitzenzeiten länger zu arbeiten. Aber ist das auch erlaubt? Und was kann passieren, wenn nicht?

Ernte und zur Herbstbestellung: Zeit wird knapp

Während in vielen Branchen die Arbeit im Jahresverlauf relativ gleichmäßig anfällt, stellt sich die Situation im Ackerbau grundsätzlich anders dar. Besonders in der Ernte und zur Herbstbestellung ballt sich die Arbeit und muss erledigt werden. Gerade in Ackerbaubetrieben mit Lohnarbeitskräften wird es nun eng. Die rechtlichen Vorgaben gelten aber natürlich für alle Betriebsformen.

Fürsorgepflicht für Mitarbeiter

Während der Unternehmer nach Lust und Laune "rund um die Uhr" arbeiten darf, sieht es in seiner Position als Arbeitgeber ganz anders aus. Er hat für seine Mitarbeiter eine Fürsorgepflicht und muss darauf achten, dass die Vorschriften zum Schutze seiner Mitarbeiter eingehalten werden. Lesen Sie im Folgenden, welche Regeln gelten:

Werktags: Arbeitszeit von maximal acht Stunden

Arbeitszeiten:

  • Werktäglich gilt grundsätzlich eine Arbeitszeit von maximal acht Stunden.
  • Sie darf zur Bestellungs- und Erntezeit sowie bedingt durch Witterungseinflüsse kann auf zehn Stunden erhöht werden. Aber nur dann, wenn wenn innerhalb von sechs Kalendermonaten oder 24 Wochen im Durchschnitt acht Stunden werktäglich nicht überschritten werden.

Das Arbeitszeitgesetz erlaubt eine Ausweitung des Ausgleichszeitraums auf 52 Wochen gemäß gültigem Tarifvertrag in der Landwirtschaft. Diese Regelung gilt aber erst, wenn

  • der Arbeitgeber im Arbeitgeberverband und der Arbeitnehmer in der Gewerkschaft ist oder
  • wenn beide Parteien das so direkt im Arbeitsvertrag vereinbart haben.

Eine Erhöhung auf über zehn Stunden pro Tag ist nur mit Zustimmung des zuständigen Gewerbeaufsichtsamtes möglich.  Bei einem solchen Antrag haben allerdings nur Betriebe mit Saisonarbeiten in Spezialkulturen (zum Beispiel Spargel- und Erdbeerernte) Aussicht auf Bewilligung.

Pausen und Ruhezeiten

Pausen

  • Nach spätestens sechs Stunden muss eine mindestens 30-minütige Pause gemacht werden,
  • bei neun Stunden sind weitere 15 Minuten fällig.
  • Hier geht es auch um den Unfallschutz und es gibt keine Ausnahmen.

Ruhezeiten

  • Wenn die Arbeit des Tages beendet ist, müssen gemäß Arbeitszeitgesetz mindestens elf Stunden bis zum Arbeitsbeginn am nächsten Tag arbeitsfrei bleiben.
  • In der Landwirtschaft ist grundsätzlich eine Verkürzung auf zehn Stunden möglich, wenn jede Verkürzung innerhalb von vier Wochen durch Verlängerung der Ruhezeit auf mind. zwölf Wochen ausgeglichen wird.
  • Unter den Voraussetzung des Tarifvertrags kann die Ruhezeit für die oben genannten Arbeiten auf bis zu acht Stunden verkürzt werden. Trotzdem kollidiert das mit der taufreien Nacht, in der der Mähdrescher noch lange lief.

Wöchentliche Ruhezeiten und Ersatzruhetage

Wöchentliche Ruhezeiten

  • Sonn- und Feiertagen sind keine Werktage und die Beschäftigung ist grundsätzlich verboten.
  • Für die in der Landwirtschaft geltenden Ausnahmen an diesen Tagen müssen aber bei Arbeit an Sonntagen binnen zwei Wochen und bei Arbeit an Feiertagen binnen acht Wochen Ersatzruhetage gewährt werden.

Diese Meldung ist ein Auszug aus einem Artikel in der LAND & Forst 37/18 auf den Seiten 16 und 17. Lesen Sie dort den vollständigen Text.

 

LAND&Forst

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