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Betriebsführung

Aufbruch in die Zeit nach der Quote

von , am
09.10.2013

Auf der Jahrestagung der European Dairyfarmer (EDF) in Schweden wurde der internationale Produktionskostenvergleich vorgestellt. Grundlage sind die Ergebnisse von 294 Betrieben aus 18 Ländern.

Hohe Standards in der Tierhaltung und weitgreifende Umweltauflagen führten zu einem starken Strukturwandel in der Milchproduktion Schwedens. © Thomsen
Einer der wesentlichen Arbeitsschwerpunkte der EDF ist der internationale Produktionskostenvergleich. Steffi Wille-Sonk vom Thünen-Institut in Braunschweig konnte in diesem Jahr die Ergebnisse von 294 Betrieben aus 18 Ländern vorstellen, die am Produktionskostenvergleich teilgenommen haben. Neu dabei waren zehn Betriebe aus Kanada. Der durchschnittliche Kuhbestand der europäischen Betriebe betrug 215 Kühe, die durchschnittliche Milchleistung je Kuh lag bei 8.545 kg ECM (Energie korrigierte Milch mit 4,0 % Fett und 3,4 % Eiweiß).

Die Summe der Leistungen aus Milch- und Fleischverkäufen sowie den anteiligen Nebeneinnahmen lag bei 41,9 Ct, davon stammten genau 34,5 Ct (82,3 %) aus dem Milchverkauf. Die gesamten Produktionskosten inklusive der Faktorkosten wie Pachtansatz für die eigenen Flächen, Lohnansatz für den Unternehmer und die Familienangehörigen und einen Zinsansatz für das eigene Kapital betrugen 47,0 Ct je kg ECM. Der Unternehmergewinn lag somit ohne Berücksichtigung der entkoppelten Prämien bei - 5,1 Ct je kg, mit Berücksichtigung von 3,4 Ct entkoppelten Prämien bei - 1,7 Ct je kg produzierter Milch.

Dies bedeutet, dass die ausgewerteten Betriebe durchweg unter Wert gearbeitet haben und nicht den vollen Lohnanspruch erwirtschaften konnten. Der tatsächlich erwirtschaftete Lohnansatz lag teilweise unter den für die Mitarbeiter gezahlten Stundenlöhnen. Die Unterschiede zwischen den Ländern und den Betrieben in den Ländern sind wie immer sehr groß. Im Auswertungsjahr 2011/2012 gelang es letztlich nur 27 % der Betriebe, die volle Faktorentlohnung zu erwirtschaften.

Mit Berücksichtigung der entkoppelten Agrarprämien gelang dies dann 44 % der Betriebe.
Bei einem Milchpreis unter 35 Ct konnten nur ein Drittel der ausgewerteten Betriebe ihre Vollkosten erwirtschaften. Zu bedenken ist, dass die ausgewerteten Abschlüsse bis zu einem Jahr alt sind und in dieser Zeit die Futterkosten stärker als die Milchpreise gestiegen sind. Aufgrund der unterschiedlichen Produktionssysteme in den verschiedenen Ländern ist ein Vergleich nur bedingt möglich. So schwanken die Milchleistungen in verschiedenen Auswertungsgruppen  von 8.300 kg bis 11.200 kg ECM je Kuh. Der Kapitaleinsatz je Kuh (ohne Land- und Quotenkosten) schwankt zwischen 6.000 und 13.500 € je Kuh, die benötigte Arbeitszeit je Kuh inkl. Jungviehaufzucht differierte von 43 bis 61 Stunden je Kuh.
 
In den EDF-Betrieben wird 89 % der Arbeit von unbezahlten Familienarbeitskräften erledigt, für die ein Lohnanspruch angesetzt wird. Nach eigenen Angaben arbeiteten die Familien-AK im Durchschnitt 2.419 Stunden im Jahr. Eine besonders hohe Arbeitsproduktivität erreichten die Betriebe in Großbritannien, Irland, Holland und Dänemark mit weniger als 35 Stunden je Kuh inkl. Nachzucht, die 27 ausgewerteten deutschen benötigten 40,2 Stunden je Kuh und Jahr. Die Steigerung der Arbeitseffektivität ist neben der Senkung der Futterkosten eine wichtige Maßnahme zur Verbesserung der Wirtschaftlichkeit.

Die Ergebnisse wurden auf den nationalen Treffen und in mehreren Arbeitsgruppen intensiv diskutiert, in denen die Betriebe jeweils vergleichbare Produktionssysteme hatten.
In Schweden wird 72 % der Milch von Arla erfasst, verarbeitet und vermarktet. Vier weitere Molkereien erfassen weitere 25 % der in Schweden produzierten Milch, die restlichen 3 % teilen sich auf 16 kleinere Molkereien und Käsereien mit nur regionaler Bedeutung auf. Der Vorstandsvorsitzende Peter Tuborgh stellte den Teilnehmern die Konzernstrategie auf dem Weg zum globalen Markt vor. Durch die Fusionen in den vergangenen Jahren ist Arla zum Global Player in der weltweiten Milchvermarktung aufgestiegen. Zurzeit erfasst Arla in sechs Ländern von 12.400 Milchproduzenten etwa 12,5 Mrd. kg Milch. Tuborgh legte Wert auf die Feststellung, dass alle Lieferanten in den sechs Ländern den gleichen Milchpreis erhalten. In den nächsten fünf Jahren erwartet er eine Zunahme der Milchproduktion von 12 bis 15 %. Obwohl Mitteleuropa nach wie vor das Hauptabsatzgebiet des Arla Konzerns bleiben wird, wird in Europa keine zusätzliche Milchmenge benötigt. Tuborgh ist optimistisch, dass die zusätzlichen Milchmengen auf den  wachsenden Märkten Asiens abgesetzt werden können. Die Transportkosten spielen schon heute keine Rolle mehr.
Wichtig für den Absatz auf den globalen Märkten sind der hohe Qualitätsstandard und das positive Image der Produkte. Deshalb wird das Qualitätssicherungssystem "Arlagarden", das in Skandinavien schon etabliert ist, auch für die neu hinzugekommen Lieferanten in Deutschland, Belgien und Luxemburg verbindlich eingeführt. Schon jetzt werden die verarbeiteten Milchprodukte in mehr als 100 Ländern verkauft. "Wir hoffen und warten auf mehr Milch ab 2015", so endete der Vortrag Tuborghs.

Die Landwirte im Arla-Konzern sollten sich als wichtige Bausteine im Gesamtsystem vom lokalen Erzeuger zum internationalen Verbraucher verstehen.
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