Login
Betriebsführung

Beratertagung: Einen Blick über den Tellerrand wagen

von , am
29.09.2015

Die Rahmenbedingungen für viele landwirtschaftliche Unternehmen werden immer wieder neu justiert, z. B. durch politische Entwicklungen. Auf die aktuellen Veränderungen stimmten sich kürzlich 50 Wirtschaftsberater der LWK Niedersachsen ein.

Marlene Wilken von der LWK stellte hier die Ergebnisse eines Arbeitsklreises vor. © Niehoff

Für Dr. Albert Hortmann-Scholten von der LWK steht die Neuausrichtung der landwirtschaftlichen Nutztierhaltung im Spannungsfeld zwischen Politik, Verbrauchererwartung und Ökonomie. Dabei komme die einzelbetriebliche Betrachtung der Ökonomie innerhalb der Diskussion deutlich zu kurz. Druck werde zudem durch das boomende Trendsegment "Veggie" mit Tofu-Würstchen und vegetarischen Schnitzeln geschürt. „Wir alle müssen/können feststellen, dass sich die gesellschaftliche Akzeptanz verringert hat“, so Hortmann-Scholten. Er verweist auf das Zitat der Schriftstellers Berthold Brecht: "Wer kämpft, kann verlieren, wer nicht kämpft, hat schon verloren".

Projektarbeit Tierwohl

Dazu gab Inga Garrelfs einen Einblick in die Projektarbeit der LWK zum Tierwohl. Die vorläufigen Ergebnisse des Projektes zur Minimierung von Federpicken und Kannibalismus bei Legehennen wurden vorgestellt. Beides wären Fehlverhaltensweisen, die nicht miteinander korrelieren müssten. Etwaige Probleme wären vorprogrammiert, wenn der Betriebsleiter kein gutes Management garantieren könne. Die Wirtschaftsberater zeigten sich diskussionsfreudig und zugleich stark beeindruckt von den bislang im Projekt ausgearbeiteten Problemlösungen, wie zum Beispiel der Zufütterung getrockneter Maissilage.

Wie ticken Brüsseler Köpfe?

Mit Spannung wurde der Vortrag von Jens Mennecke, Vertreter der niedersächsischen Staatskanzlei in Brüssel für das Ressort Landwirtschaft, erwartet. Wie ticken die Brüsseler Köpfe zum Thema Gemeinsame Agrarpolitik und was erwartet uns nach der jetzigen Förderperiode? Erste Gespräche zur GAP nach 2020 würden bereits jetzt geführt, denn "nach der Reform ist vor der Reform". Auch wenn der Blick in die Glaskugel noch sehr trübe sei, die Diskussion um die Daseinsberechtigung der Basisprämie gehe weiter.

Auch künftig Basisprämie?

Die Diskussionen um diese Prämienkomponente vergleicht Mennecke sehr anschaulich mit dem Öffnen der Pandorabüchse. Deshalb ist Menneke persönlich davon überzeugt, dass es auch weiterhin eine Basisprämie geben werde; das Eingehen vielfacher Kompromisse sei deshalb aber unumgänglich. Ob das Greening eine zielgerichtete Prämienkomponente darstelle, müsse im Laufe der jetzigen Förderperiode zunächst evaluiert werden. Die Aufgaben der Landesvertretung in Brüssel bestehen darin, die Informationen nach Niedersachsen zu tragen um sich schon jetzt Gedanken um die GAP 2021 machen zu können. Zielgerichtete Vorgaben des Kommissars gäbe es derzeit noch nicht. Es wäre aber nicht auszuschließen, dass zukünftig auch das Tierwohl, ähnlich dem Greening, als eine weitere Prämienkomponente an die Direktzahlungen geknüpft werde.
 

Mehr zum Thema lesen Sie in der LAND & Forst Ausgabe 40/2015 auf Seite 12. Möchten Sie die LAND & Forst für einen Monat gratis zum Probelesen bestellen? Dann klicken Sie hier…

Auch interessant