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19. Unternehmertag

Besser werden statt weiter wachsen

Unternehmertag in Oldenburg 2018
am Freitag, 19.10.2018 - 14:02

Die Landwirtschaft hat schon immer die Herausforderungen ihrer Zeit gemeistert. Um die Betriebe für die Zukunft richtig ausrichten zu können, müssen die Zielsetzungen von der Politik klar formuliert und mit den notwendigen Übergangsfristen mutig umgesetzt werden. Dass Verbraucher und Landwirtschaft dabei aufeinander zugehen müssen, ist selbstverständlich, denn ohne gegenseitige Akzeptanz kein Erfolg. Die Digitalisierung und starke Vernetzung der Gesellschaft sollte als wertvolle Hilfe begriffen und genutzt werden.

So lautet in Kurzform das Fazit des 19. Unternehmertages, der von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen, der Arbeitsgemeinschaft der Volks- und Raiffeisenbanken Weser-Ems sowie dem Landvolk Niedersachsen in der Oldenburger Weser-Ems Halle durchgeführt wurde. Er stand unter dem Motto „Anhalten, Neustart, Umparken – Erfolgsgaranten in der Unternehmensentwicklung“.

Gut 800 Besucher folgten den Ausführungen von Kammerpräsident Gerhard Schwetje, Staatssekretär im Bundeslandwirtschaftsministerium Dr. Hermann Onko Aeickens, Staatssekretär im Niedersächsischen Landwirtschaftsministerium in Hannover Rainer Beckedorf, Unternehmensberater der Landwirtschaftskammer Uwe Bintz sowie  Dr. Klemens Skibicki, Professor für Economics, Marketing und Marktforschung an der Cologne Business School in Köln.

Betriebswachstum kaum möglich

Eine freistehende Lagerhalle mit außenstehenden Getreidesilos wird von oben betrachtet.

„Gehen Sie mal in die Vogelperspektive und schauen auf Ihren Betrieb und seine Umgebung“, empfiehlt Uwe Bintz den Betriebsleitern. Unternehmer müssen nicht nur im Betrieb, sondern am Betrieb arbeiten. Anhand der Dichte an Stall- und Biogasanlagen im Raum Meppen machte Bintz beispielhaft deutlich, dass betriebliches Wachstum in den Veredlungsregionen Niedersachsens oft an den Kosten für Stallbau, Filtertechnik und Gülleabgaben scheitert.

Nur Geflügelmist hat vor diesem Hintergrund noch Vorteile, weshalb sich zurzeit 80 % der Beratungen mit dem Bau von Legehennenställen beschäftigen, teilte der Berater mit. Der Arbeitsertrag ist laut Bintz zurzeit bei Hühnern noch am höchsten. Unsicherheiten wie die Märkte, die Arbeitskräfte (Bintz: „Die müssen Sie hegen und pflegen“) und Tierschutzauflagen bremsen aber grundsätzlich jegliches Wachstum.

Wachsen über Zukauf bzw. Pacht von Ställen sollte laut Bintz genau überlegt werden. Vor allem, wenn ein Gülleverwertungskonzept gefunden werden muss. Zurzeit werden Geflügelställe im Kauf- bzw. Pachtpreis deutlich höher gehandelt als Schweine- und Rinderställe, allerdings gibt es solche auch kaum auf dem Markt. Daher sind Zukauf und Pacht bei Geflügelställen gleichwertig zu betrachten. 

Biologische Leistungen verbessern

Aufgrund dieser Rahmenbedingungen empfiehlt Bintz, die vorhandenen Stallkapazitäten besser zu nutzen. „Jede Investition in eine Leistungssteigerung ist hocheffizient“, so der Berater. Denn die Unterschiede zwischen den Betrieben kommen aus der Produktionsleistung. „Wir dürfen im Ertragsbereich nichts verbaseln, denn das holen wir im Kostenbereich nicht wieder raus“, so Bintz Credo.

Im Ackerbau müssen Betriebsleiter intensiv prüfen, wie sie besser werden können. Hier bietet sich der Einstieg in Sonderkulturen wie Kartoffeln, Zuckerrübe oder Feldgemüse an. Grundsätzlich gilt aber: Erst muss die Vermarktung stehen, bevor der Anbau geplant wird. Ein deutliches Plus (+ 20 %) war auch beim Umstieg auf den Ökoanbau zu verzeichnen, in dem niedersachsenweit erst 4 % der Betriebe wirtschaften. Grund ist der Gewinn im Ökoackerbau mit 104.000 Euro im Wirtschaftsjahr 2016/17 gegenüber 68.700 Euro im konventionellen Ackerbau.

Tierhaltung mit ungeklärten Anforderungen

Im Schweinebereich sieht Bintz noch zu viele Unwägbarkeiten, um den Erzeugern klare Perspektiven aufzeigen zu können. Neben den ungeklärten Anforderungen an die Sauenhaltung im Abferkelbereich bzw. an die Ferkelkastration hängt vieles vom Markt (hohe Selbstversorgung, abnehmender Verbrauch), von der Entwicklung der Initiative Tierwohl und einem staatlichen Label ab. Gutes Geld wird laut Bintz noch in abgeschriebenen Ställen mit eigener Gülleverwertung verdient. Wer Platz in einem Nischenprogramm findet, kann auch hier lukrative Wege gehen.

Bullenmast

Auch in der Bullenmast sind aufgrund höherer Haltungsstandards der Steigerung der Wertschöpfung sehr enge Grenzen gesetzt. Besondere Vermarktungsformen, z.B. über digitale Wege, könnten einen besseren Marktpreis zur Folge haben. Wachsen sollte in diesem Bereich nur noch, wer über eigene freie Fläche verfügt und sehr gute Leistungen erzielt.

Die Möglichkeiten, in der Milcherzeugung eine höhere Wertschöpfung zu erzielen, sind schwierig. Weidemilchzuschläge decken laut Bintz kaum die Kosten und Biomilch ist an eine Molkerei gebunden, die noch Biomilch abnimmt. Gute Chancen für zusätzliche Gewinne sieht der Berater durch die Auslagerung der Jungviehaufzucht in einen Partnerbetrieb bei gleichzeitiger Aufstockung der eigenen Milcherzeugung. Wichtig: Man bekommt die eigenen Jungtiere auch zurück.

Während im konventionellen Hähnchenmastbereich kaum noch Wachstumschancen bestehen und bereits 75 % der Puten und Hähnchen nach Tierwohlstandards erzeugt werden, ergeben sich durch Einstieg in den Bio-Hähnchen-Bereich noch gute Möglichkeiten, die Wertschöpfung des eigenen Betriebes zu erhöhen. Umbaumaßnahmen in älteren Boxenlaufställen bieten sich an. Ebenfalls interessant ist laut Bintz die Aufzucht von Bio-Junghennen unter Vertrag. Nach dem Käfigverbot erlebt die Freilandhaltung von Legehennen einen massiven Aufschwung. Besonders wird in Tierschutzställe, Biohaltung und Mobilställe für Hennen investiert. Hier erwartet Bintz auch in Zukunft noch Perspektiven. Tausend Hennen im Mobilstall bringen etwa 15.000 Euro Gewinnbeitrag.

Ein Blick zur Seite

Erfolgreiche Betriebe schauen aber auch immer nach außerlandwirtschaftlichen Einkommensmöglichkeiten, so Bintz. Und last but not least sei der geplante Ausstieg auch eine unternehmerische Entscheidung.