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Betriebsführung

Bio-Zuckerrübe: Größte Hürde ist der Unkrautdruck

Zuckerruebenrodung
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Werner Raupert, LAND & Forst
am
07.09.2017

Für viele Ökobauern ist es absolutes Neuland. Andere wagen nach einer Zwangspause einen Wiedereinstieg. Die Rede ist vom Bio-Zuckerrübenanbau, den die Nordzucker in dieser Kampagne erstmalig in eigener Regie durchzieht.

Viele Biobauern haben gern den Ball aufgenommen, den die Nordzucker ihnen im Dezember des vergangenen Jahres zugeworfen hat, und haben Bio-Zuckerrüben angebaut. Jetzt steht die Ernte und die Verarbeitung im Werk Schladen unmittelbar bevor und alle fiebern den ersten Ergebnissen entgegen.

Bis zum Jahr 2009 hatte die Nordzucker bereits Biozucker im Südzuckerwerk Warburg produziert. Danach endete diese Vereinbarung mit der Südzucker und die Nordzucker stellte Knall auf Fall den Biozuckerrübenanbau ein. Die Ökobauern standen plötzlich mit leeren Händen dar, denn Alternativangebote gab es nicht.

Bio-Zuckerrueben-BioBoerdeLand-GbR-Foto-1

Die Vorzeichen haben wieder gedreht. Der Markt schreit nach regional erzeugtem Biozucker und die Ökobauern werden wieder von den Unternehmen hofiert.

Die Südzucker, die diese Schiene immer weiter bedient hatte, war fixer und hatte bereits im Jahr 2016 allen ehemaligen Bio-Zuckerrübenanbauern im Nordzuckergebiet ein Angebot unterbreitet, wieder einzusteigen, berichtete Ökobauer Hans-Heinrich Grefe aus Wätzum bei Algermissen. Grefe, der zusammen mit fünf anderen Landwirten aus Wätzum bzw. Lühnde die im Jahr 2008 gegründete BioBördeLand GbR führt, stimmte sich kurz mit den anderen Gesellschaftern ab und stieg wieder mit einer Fläche von 10 ha ein.

Der große Knackpunkt

Als dann Ende 2016 auch die Nordzucker eine neue Anbauinitiative startete, war der erfahrene Biobauer noch reserviert. Zu tief saß der Stachel von damals. Doch seine Mitgesellschafter wie Markus Blomberg aus Wätzum überzeugten ihn schließlich, mit einer kleinen Anbaufläche einzusteigen. In diesem Jahr werden daher von der GbR 14 ha Bio-Zuckerrüben für die Südzucker und 5 ha für die Nordzucker angebaut.

Bio-Zuckerruebe-Unkrautdruck

Der größte Unsicherheitsfaktor ist das Unkrautmanagement im Ökolandbau. Während die konventionellen Rübenanbauer mit Minimengen von Herbiziden und drei bis vier Nachauflaufbehandlungen fast alle Probleme lösen, müssen die Ökobauern steinige Wege beschreiten.

Auch erfahrene Praktiker wie Hans-Heinrich Grefe haben in diesem Jahr erfahren, wie eng die Grenze zwischen Erfolg und Chaos ist. Die Mehrheit der Schläge kann sich vom Verunkrautungsgrad durchaus mit konventionell bewirtschafteten Betrieben messen. Zum Leidwesen des Biobauern ist aber ein Schlag dabei, wo auch er und seine Mitgesellschafter aufgrund des hohen Ackerfuchsschwanzdruckes irgendwann aufgegeben haben.

Kostenfaktor Unkrautbeseitigung

Normalerweise werden die Rübenschläge einmal abgeflammt und drei Mal mit der 12-reihigen Fronthackmaschine bearbeitet. Zusätzlich werden die Bestände zwei bis drei Mal von Saison-AK mit der Handhacke durchlaufen, um das Unkraut in den Reihen zu beseitigen. Das ist der entscheidende Kostenfaktor in den Biobetrieben. Mittelfristig will man die Kosten für die Unkrautbeseitigung auf unter 100 Stunden/ha senken.

Das ist in einem Jahr wie 2017 nicht möglich. Selbst die Nordzucker rechnet mit 150 bis 200 Stunden/ha, was einige Betriebe noch übertroffen haben. Bei Lohnkosten von 11 bis 15 €/h kommt man so auf mindestens 1.500 bis 2.000 €/ha. Bei solchen Kosten ist klar, wo der Hebel angesetzt werden muss.

 

Zuckerruebenrodung-2017

Grefe und Blomberg haben für sich die Lehren aus diesem Problemjahr gezogen. Sie haben eine klare Strategie und die heißt, dass die Unkrautkontrolle Vorrang vor der absoluten Ertragshöhe hat. 

Die vollständige Reportage und die Strategie der Bio-Zuckerrübenanbauer lesen Sie in der LAND & Forst 36/17 ab Seite 19.

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