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Betriebsführung

Biogas - Es wird immer schwieriger

von , am
07.02.2013

"Fit für die Zukunft" - unter dieses Motto hatte der Fachverband Biogas (FvB) seine Jahrestagung vergangene Woche in Leipzig gestellt. Wir haben die wichtigsten Ergebnisse für Sie zusammengestellt.

Die Mienen hätten ernster nicht sein können, weht doch auch der Biogasbranche ein heftiger politischer Wind ins Gesicht. Fachverbandspräsident Josef Pellmeyer (Mitte), Firmenvertreter Claus Rückert (l.) und Geschäftsführer Dr. Claudius da Costa Gomez (r.) bei der Pressekonferenz in Leipzig. © Kahnt-Ralle

Als "anmaßend und völlig unverständlich" bezeichnete der scheidende Fachverbands-Präsident Josef Pellmeyer (Nachfolger ist Horst Seide aus Lüchow-Dannenberg) die Pläne des Bundesumweltministers. Denn bei den derzeitigen Strompreisen würde die Industrie doppelt profitieren: Durch den niedrigen Preis an der Strombörse und die Befreiung von der EEG-Umlage. Vehement wehrte sich Pellmeyer dagegen, die bestehenden Biogasanlagen mit einem "Energie-Solidaritätszuschlag" an den Kosten der Energiewende zu beteiligen: "Das darf nicht sein."

Deutlich wurde auf der Tagung indes, dass die Zeiten für Biogas nicht einfacher  werden. Derzeit arbeiten in Deutschland 7.600 Biogasanlagen mit einer installierten elektrischen Leistung von 3.200 MW. Damit lässt sich der Strombedarf von mehr als 6 Mio. Haushalten decken. Doch statt wie bisher 8.000 Stunden im Jahr kontinuierlich Strom und Wärme zu erzeugen, können die Anlagen auch acht Stunden am Tag einspeisen und 16 Stunden zu lastschwachen Zeiten das Gas speichern. Im Zuge der Energiewende könnte Biogas die Lücken schließen, die entstehen, wenn kein Wind weht und die Sonne nicht scheint.

"Das künftige Stromsystem wird durch die fluktuierenden Energien geprägt, die bis zur Hälfte der gesamten Stromerzeugung abdecken", skizzierte Uwe Leprich die erwartete Entwicklung. Der Leiter der Abteilung Energiemärkte am Institut für zukünftige Energiesysteme (IZES) in Saarbrücken geht davon aus, dass sich die Energieerzeugung aus Biomasse neu positionieren muss. "Mit der Pufferung des Angebots übernimmt die Biomasse eine dienende Funktion", sagte er in Leipzig.

Deutlich wichtiger wird die Rolle von Biogas als speicherbarer erneuerbarer Energieträger. Torsten Hammerschmidt, Projektleiter Zukunftsnetze bei RWE Deutschland AG, brachte es in Leipzig auf den Punkt: „In Biogas haben wir eine Speicherform, die wir kurzfristig nutzen können.“ Die im Projekt „smart country“ realisierte Idee ist, in Zeiten mit einem Überangebot an regenerativ erzeugter Energie die Verstromung von Biogas im Blockheizkraftwerk (BHKW) zurückzufahren und das kontinuierlich erzeugte Biogas zwischen zu speichern. Das Verfahren ist sehr effizient, da nur zwei Prozent der gespeicherten Energie für das Ein- und Ausspeichern aufgewendet werden müssen.
Grundlastbetriebene Anlagen zur Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) wie die meisten Biogasanlagen hält Energieforscher Leprich für ein "Auslaufmodell". Allerdings ist die Flexibilität von mit Biogas betriebenen Blockheizkraftwerken nur relativ teuer zu haben, schränkte der Wissenschaftler ein: "Konventionelle Gasturbinen machen den Job deutlich billiger." Zusatzerlöse, wie sie beispielsweise mit der Direktvermarktung von Strom an der Börse zu erwirtschaften seien, reichten nicht aus, um Bioenergieanlagen preislich konkurrenzfähig zu machen.

Neue Vergütung?

Leprich plädierte dafür, Biogasanlagen nicht länger nur über das EEG zu finanzieren, sondern auf neue "Standbeine" wie eine landwirtschaftliche Vergütung zu setzen. Hinzu kommt, dass Biogas in die Defensive geraten ist angesichts der in der Öffentlichkeit emotional geführten Diskussion bei der Nutzungskonkurrenz von Anbauflächen zur Biogasproduktion zwischen Nahrungs- und Futterproduktion auf der einen und dem Naturschutz auf der anderen Seite.

Im vergangenen Jahr waren fast eine 1 Mio. ha Ackerland mit dem Anbau von Energiepflanzen, hauptsächlich Mais, belegt. Bei einer Reform des EEG könnte daher möglicherweise analog zur Photovoltaik auch bei der Bioenergie eine Obergrenze als Ausbauziel gesetzlich festgeschrieben werden. Der Fachverband plädiert dafür, die Biogasanlagen an den Standort und das Aufkommen an Rohstoffen und Reststoffen wie Gülle und Mist anzupassen.

Bei der Technik der Anlagen sind in den letzten Jahren Effizienzsteigerungen zu verzeichnen gewesen. Bei den Motoren konnte im Zuge der technischen Weiterentwicklung der Wirkungsgrad erhöht werden. Durch den reduzierten Gasverbrauch bei der Verbrennung kann der Substrateinsatz bei gleicher elektrischer Leistung zurückgenommen werden. Allerdings sind auch die Preise für Aggregate mit einem höheren Wirkungsgrad gestiegen.

Deshalb sollte im Einzelfall nachgerechnet werden, ob der Austausch des Motors als Repowering-Maßnahme tatsächlich den Gewinn des Betreibers erhöht. Bei der Beschaffung und dem Unterhalt des BHKW sind daher auch die Ersatzteilbeschaffung im Notfall und die Wartung bei der Kaufentscheidung mit einzubeziehen.

Untersuchungen von Volker Aschmann und Mathias Effenberger von der LfL haben gezeigt, dass der elektrische Wirkungsgrad des Motors während der Standzeit mehr oder weniger stark absinkt und im Schnitt um 3 bis 3,5 % unter den Herstellerangaben liegt. Die vorgestellten Langzeit-Untersuchungen an BHKW zeigen, dass sich der durch den allgemeinen Verschleiß bedingte Wirkungsgradverlust durch eine gute Wartungsstrategie einschließlich Generalüberholung entscheidend vermindern lässt.  Durch die Umstellung von Dauerbetrieb auf Intervallbetrieb der BHKW für die bedarfsgerechte Stromeinspeisung wird nach Ansicht der Biogas-Experten eine optimale Wartungsstrategie noch an Bedeutung gewinnen.
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