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Betriebsführung

Bürgermeister mit ins Boot holen

von , am
04.12.2013

"Märkte, Margen, Möglichkeiten" - das war das Thema des Unternehmerforum Agrar in Bücken. Welche Lösungsansätze für erfolgreiche Entwicklungsstrategien dort geboten wurden, lesen Sie hier.

Gastgeber und Referenten des Forums (v.l.) Dr. Holger Hennies, Wilfried Brümmer, Dr. Christian Schmidt, Arendt Meyer zu Wehdel, Henrich Meyer zu Vilsendorf und Tobias Göckeritz. © Hildebrandt
Bereits zum sechsten Mal hatten die Volksbanken aus den Landkreisen Diepholz und Nienburg gemeinsam mit der Landwirtschaftskammer Bezirksstelle Nienburg über 500 Landwirte eingeladen. Arendt Meyer zu Wehdel, Präsident der Landwirtschaftskammer Niedersachsen, nahm zunächst eine Standortanalyse vor. "Wir haben eine Boomphase hinter uns mit stürmischer Entwicklung", sagte Meyer zu Wehdel mit Blick auf die regenerativen Energien. In vielen Landstrichen würden die wirtschaftlichen Strukturen von der Landwirtschaft getragen. "Den Bürgermeistern und Landräten muss klar sein, wenn sie die Dynamik rausnehmen, ist das Rad nur schwer wieder in Schwung zu bekommen", so der Präsident.

Immer fair bleiben

Er forderte die Landwirte auf, ihre Betriebsentwicklung nur gemeinsam mit dem sozialen Umfeld zu realisieren. "Wir müssen abwägen, was für die Dörfer akzeptabel ist und wir sollten fair gegenüber Berufskollegen bleiben." Die politischen Pläne, Sondergebiete in Gewerbegebieten auszuweisen, sieht Meyer zu Wehdel  nicht nur wegen der Seuchenhygiene kritisch: "Wir benötigen individuelle Lösungen am Betriebsstandort."

Gemeinsam mit Nienburgs Kreislandwirt Tobias Göckeritz sprach er sich dafür aus, Kommunikation als wichtigen Teil der Produktion zu begreifen. "Wir müssen unsere Botschaften in die Städte tragen, damit sie ein Bild von moderner Landwirtschaft bekommen", forderte Göckeritz. Als Beispiel führte er die Radiospots der Initiative "Heimische Landwirtschaft" an.

Einen Blick auf die Märkte der Zukunft warf Dr. Christian Schmidt, Geschäftsführer der Marketinggesellschaft der niedersächsischen Land- und Ernährungswirtschaft. Eine Möglichkeit sah er in regional erzeugten Produkten. "Verbraucher finden es gut, beim Landwirt oder auf dem Wochenmarkt zu kaufen", erklärte Schmidt. Doch gebe es für dieses Segment auch Grenzen. Als Beispiel nannte er die regionale Fleischerzeugung: "Es gibt in der Nähe oft gar nicht mehr so viele Schlachter, die Tiere selbst verarbeiten können."
Nicht jeder Wunsch des Verbrauchers sei Geld wert. Oft gebe es eine Diskrepanz zwischen dem, was der Kunde will und was er tut. Dennoch konnte Dr. Schmidt einige klare Trends benennen: Wellness, Genuss, Gesundheit, Individualität, Urbanisierung und eine kreative Gesellschaft. Seine persönliche Strategie verriet  Dr. Holger Hennies. In Schwüblingsen (Region Hannover) hat er gemeinsam mit seiner Frau einen 100-Hektar-Betrieb. Dort werden Frühkartoffeln und Feldgemüse kultiviert, außerdem betreibt er Ferkelaufzucht im Außenklimastall.

Mehr als die Hälfte seiner Kartoffeln vermarktet Hennies in der Direktvermarktung. "Die Erlöse sind konstant und die Wertschätzung, die dem Produkt entgegengebracht wird, ist höher", weiß der Landwirt. Eventuelle Standortnachteile könnten über Kontaktfreude und Kooperationen ausgeglichen werden.

Die Verbindung zwischen Vermarktung und Öffentlichkeitsarbeit fanden Hennies und seine Frau mit dem "MitMachHof". Seit zwei Jahren können Kinder auf dem Betrieb Geburtstage feiern, die Tiere versorgen, Vogelhäuser basteln, mit den Pferden Weihnachten feiern oder einfach nur im Stroh toben.

MitMachHof ist toll

"Ich ärgere mich ein wenig, dass wir das nicht schon längst angeboten haben", sagte Hennies. Denn mit den Kindern kämen auch die Erwachsenen auf den Hof, die dann moderne Landwirtschaft erleben und Gemüse für den eigenen Haushalt einkaufen. Als Vorsitzender der Vereinigung Norddeutscher Direktvermarkter gibt er seine Erfahrungen weiter. "Im Landlust-Klientel steckt noch eine Menge Potential für uns".

Strategien zur Bekämpfung des inneren Schweinehundes hatte Coach Ralph Goldschmidt parat. Er motivierte die vielen Zuhörer.
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