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Neue Verordnungen

Cross Compliance: Düngung und Wassergefährdung im Blick behalten

Schlepper arbeitet Gülle mit einem Grubber ein.
Reno Furmanek LWK Niedersachsen
am
14.08.2017

Ob Düngung oder wassergefährdende Stoffe, zwei neue Verordnungen sind zu beachten. Ihre Regelungen sind teilweise Cross-Compliance-relevant. Was zu beachten ist.

Antragsteller von Direktzahlungen müssen die veränderten Cross-Compliance- Regelungen zur EG-Nitratrichtlinie schon im laufenden Jahr 2017 beachten, denn dieser Sommer hat es verordnungsmäßig in sich. Die neu gefasste Düngeverordnung (DüV) und die Verordnung über Anlagen zum Umgang mit wassergefährdenden Stoffen (AwSV) bescheren den Landwirten  bedeutende Änderungen. 

Die Cross-Compliance-Regelungen werden bei den entsprechenden Cross-Compliance-Kontrollen durch die Prüfdienste der Landwirtschaftskammer (LWK) Niedersachen überprüft.

    Was Düngeverordnung und AwSV vorgeben

    Mit Inkrafttreten der Düngeverordnung am 2. Juni 2017 und der AwSV am 1. August 2017 sind ab sofort nachfolgende Punkte zusätzlich zu den bekannten Kriterien von den Direktzahlungsempfängern einzuhalten:

    • die nunmehr geforderten Aufzeichnungen zur Düngebedarfsermittlung für die jeweilige Kultur vor der Düngung,
    • die erweiterten Verpflichtungen, den Nährstoffgehalt aller Düngemittel vor der Aufbringung zu ermitteln und aufzuzeichnen,
    • die verschärften Regelungen zu den Sperrzeiten,
    • die erweiterten Abstandsregelungen zu oberirdischen Gewässern,
    • die verschärften Regelungen zur Düngung auf gefrorenem Boden,
    • die Einbeziehung der Gärrückstände in die 170 kg-Obergrenze für organische und organisch-mineralische Düngemittel (für die nach dem 2. Juni 2017 begonnenen Düngejahre),
    • die bundeseinheitliche Regelung zur Mindestlagerkapazität für flüssige Wirtschaftsdünger, Gärrückstände, Festmist und Kompost.

    Den Düngebedarf ermitteln

      Für die Düngebedarfsermittlung für Stickstoff nach der Hauptfruchternte 2017, also für Düngemaßnahmen, die nach dem 2.6.2017 erfolgen sollen, ist zu beachten:

      • Der Düngebedarf ist zu ermitteln, zu dokumentieren und einzuhalten beim Anbau von Zweitkulturen, deren Ernte im Jahr 2017 vorgesehen ist, sowie beim Anbau von Gemüsekulturen und Erdbeeren (§ 4 i.V.m. Anlage 4 DüV),
      • Sofern eine Düngung im Herbst 2017 auf Ackerland zulässig ist und durchgeführt wird, ist der Düngebedarf vor der Aufbringung in einem vereinfachten Verfahren nach Vorgabe der LWK Niedersachsen, als der nach Landesrecht zuständigen Behörde, zu ermitteln und zu dokumentieren. Die Ermittlung des Düngebedarfs erfolgt hier in einem vereinfachten Verfahren. Weitergehende Informationen finden sich auf der Homepage der LWK Niedersachsen, Düngebehörde unter Webcode 01032465 und bei den Ansprechpartnern in den Bezirks- und Außenstellen.
      • Vor der Ausbringung sind die Gehalte an Gesamtstickstoff, verfügbarem Stickstoff, Ammoniumstickstoff und Gesamtphosphat der Düngemittel, Bodenhilfsstoffe, Kultursubstrate und Pflanzenhilfsmittel durch Kennzeichnung, Richtwerte der LWK Niedersachsen oder Analyse zu ermitteln und aufzuzeichnen (z.B. in Form der Warendeklaration nach Düngemittelverordnung, Richtwerte der Düngebehörde oder eigener Analyse).  
      • Bei der Düngung auf Grünland muss im Kalenderjahr 2017 keine Düngebedarfsermittlung aufgezeichnet werden. Es gelten die Empfehlungen der nach Landesrecht zuständigen Behörde. Es wird aber schon jetzt darauf hingewiesen, dass eine Düngung nach der letzten Nutzung im Herbst 2017, wenn sie zulässig und erforderlich ist, erstmalig beim Düngebedarf 2018 berücksichtigt werden muss.

      Sperrzeiten sind Cross-Compliance-relevant

        Cross-Compliance-relevant sind auch die neuen Sperrzeiten auf Acker- und Grünland:

        • Aufbringungsverbot auf Ackerland – ab Ernte der letzten Hauptfrucht bis zum Ablauf des 31.1.: Ausnahme Ausbringung bis zum 1.10. nur noch möglich zu Winterraps, Zwischenfrucht und Feldfutter bei Aussaat bis zum 15.9. bei Wintergerste nach Getreide bei Aussaat bis zum 1.10.
        • Aufbringungsverbot auf Grünland 1.11. bis 31.1 (gilt auch für Ackerland mit mehrjährigem Feldfutterbau bei einer Aussaat bis zum 15.5.)
        • Aufbringungsverbot für Kompost und Festmist (von Huf- und Klauentieren) vom 15.12. bis 15. 1.

        Gewässerabstand bei der Düngung beachten

          Bei der Düngung sind folgende Abstände zu oberirdischen Gewässern einzuhalten:

          • Innerhalb von 1 m ab Böschungsoberkante besteht ein absolutes Aufbringungsverbot.
          • Je nach Aufbringungstechnik gelten ein Abstand von 1 bis 4 m und Düngung nur, wenn kein Eintrag in Gewässer droht (§ 5 Abs. 2 DüV).
          • Bei stark geneigten Flächen (durchschnittlich mindestens 10 % Gefälle) gilt innerhalb eines Abstandes von 20 m zur Böschungsoberkante ein absolutes Aufbringungsverbot innerhalb der ersten 5 m bis zur Böschungsoberkante.
          • Zwischen 5 bis 20 m zur Böschungsoberkante gilt auf unbestellten Ackerflächen ein sofortiges Einarbeitungsgebot.
          • Auf bestellten Ackerflächen mit Reihenkulturen (Reihenabstand mindestens 45 cm) darf nur bei entwickelter Untersaat oder sofortiger Einarbeitung aufgebracht werden.
          • Auf sonstigen Flächenkulturen darf nur bei ausreichender Bestandsentwicklung oder nur nach Mulch- oder Direktsaat aufgebracht werden.

            Im Hinblick auf die Aufnahmefähigkeit des Bodens sind folgende Punkte zu beachten:

            • Auf gefrorenem Boden gilt ein Aufbringungsverbot. Ausnahme: Der Boden wird tagsüber aufnahmefähig.
            • Zur Vermeidung von Bodenverdichtung und Strukturschäden durch das Befahren ist eine Aufbringung nur auf bewachsenem Boden (Wintergetreide, -raps, Grünland) erlaubt, wenn keine Abschwemmungsgefahr besteht. Es gilt eine Begrenzung auf 60 kg Gesamt-N/ha.
            • Verboten ist die  Aufbringung auf wassergesättigtem und schneebedecktem Boden (unabhängig von der Höhe der Schneebedeckung).

            Düngeverordnung mit Vorgaben zur Lagerung organischer Dünger

            Bezüglich des Fassungsvermögens und der Lagerdauer schreibt die Düngeverordnung folgendes vor:

            • Das Fassungsvermögen muss größer sein als die Kapazität, die für den Zeitraum der einzuhaltenden Sperrzeiten erforderlich ist (§ 12 Abs. 1 DüV). Bundeseinheitlich sind mindestens sechs Monate für flüssige Wirtschaftsdünger und Gärrückstände und mindestens ein Monat für Festmist von Huf- und Klauentieren sowie für Kompost (§ 12 Abs. 2 DüV i.V.m. § 6 Abs. 8) vorgeschrieben.
            • Für die von Lagerung von Geflügelmist gilt, dass das Fassungsvermögen der Geflügelmistlagerung größer sein muss als der betriebliche Festmistanfall im Zeitraum der oben genannten Ausbringungssperrfrist nach § 6, Abs. 8 u. 9 DüV auf Acker bzw. Grünland.

            Bitte beachten Sie: Wir geben hier daher nur den gegenwärtigen Sachstand wieder. Mit Inkrafttreten der neuen Vorschriften zur Düngung und zur Lagerung von wassergefährdenden Stoffen (AwSV) kommen umfassende Neuerungen auf die Landwirtschaft und die Antragsteller (EU-Agrarförderung) zu. Im kommenden Jahr werden weitere Neuerungen des novellierten Düngerechts wirksam.

            Eine Übersicht über alle in der LAND & Forst bisher erschienen Artikel zur Düngeverordnung finden Sie hier...

            Antragsteller müssen sich weiterhin umfassend informieren. Beratung erhalten Sie auch von der LWK und den anderen Beratungsorganisationen.                                

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