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Interview

DLG-Präsident Bartmer: Wer die Prozesse beherrscht, hat die Nase vorn

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Ralf Stephan, LAND & Forst
am
31.08.2016

Wie bleiben Betriebsleiter in der Krise handlungsfähig? Anlässlich der DLG-Unternehmertage 2016 ein Interview mit Präsident Carl-Albrecht Bartmer.

Herr Bartmer, viele Betriebsleiter fürchten, ihre Handlungsfähigkeit schon bald zu verlieren. Was hilft denn in der Krise?

Zunächst ist es wichtig zu klären, was die Ursachen einer „Krise“ sind. Ja, es ist eine Krise der Märkte – und zwar fast aller Märkte, von Schweinefleisch und Milch über Getreide bis zum Zucker, auch wenn letzterer gerade deutlich ins Plus dreht.

Was ist dort passiert? Ganz einfach: Angebot und Nachfrage stimmen nicht überein. Sie stimmen deshalb nicht überein, weil wir hier in Deutschland oder in der Europäischen Union mehr produziert haben, als sich zu guten Preisen absetzen lässt. Und das gilt zugleich für viele Standorte an anderen Orten der Welt.

Es gab aber auch politische Eingriffe in Märkte.

Es wird viel über das Russlandembargo gesprochen und über den schwächelnden Markt in China. Daran liegt es aber nicht. Sehen Sie sich die Zahlen an: Wir exportieren gegenwärtig mehr als vor der Russlandkrise.

Waren denn alle blauäugig und naiv, die auf ständig wachsende Nachfrage setzten und investierten?

Am grundsätzlichen Trend, dass die wachsende und wohlhabendere Menschheit mehr Nahrung nachfragen wird, besteht kein Zweifel. Was wir wohl alle unterschätzt haben, ist die Reaktionsfähigkeit von Landwirten in aller Welt auf positive Preissignale. Sehen Sie, wir hatten sechs, sieben gute Jahre. Das führte dazu, dass die Produktion auch auf Standorten hochgefahren wurde, die unter normalen Bedingungen wenig rentabel sind.

Das ist an sich nicht überraschend. Erstaunlich ist das Tempo. Auch in diesen Teilen der Welt haben die Berufskollegen mittlerweile produktive Landtechnik und hochwertiges Saatgut zur Verfügung und ernten deshalb mehr. Und sie haben die Preissignale richtig gedeutet.

Müssten sie dann nicht jetzt wieder aussteigen?

Zumindest ist davon auszugehen, dass sich diese Investitionen an marginalen Standorten bei niedrigen Preisen weniger rechnen und die Produktion deshalb mittelfristig zurückgeht.

Ist das eine der Lehren aus der Krise – abwarten?

Das wäre zu einfach. Darin stecken zwei Lehren. Die eine lautet: Als Betriebsleiter muss ich mir die wirklichen Ursachen einer Krise klarmachen und dann die richtigen Schlüsse für mich ableiten. Wir werden mit „Schweinezyklen“, also regelmäßigen Preisschwankungen, in einer Welt offener Handelsgrenzen mehr zu tun haben, und das ist eine Herausforderung an unsere Wettbewerbsfähigkeit und damit an unsere Stückkosten.

Die zweite Erkenntnis: Die größten Chancen am Markt hat nicht derjenige, der die meisten Hektar oder die breitesten Maschinen hat, sondern wer seine Prozesse beherrscht und deshalb seine Stückkosten im Griff hat. Den Vorzug, auf Gunststandorten wirtschaften zu dürfen, haben wir gegenüber anderen Regionen der Welt ohnehin.

Welche Schlüsse sollte ein Betriebsleiter denn ziehen?

Genau dazu wollen wir auf den Unternehmertagen unserer Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft in Oldenburg unsere Erfahrungen austauschen. Dabei geht es immer wieder um unsere Wettbewerbsfähigkeit, um die  kleinen, aber wertvollen Schrauben des Unternehmers. Hierzu spezifische Erfahrungen im Kreis der Besten auszutauschen und dadurch wichtige Impulse in den betrieblichen Alltag mitzunehmen, von der Produktion bis zur Vermarktung, das ist der tiefe Sinn von DLG-Unternehmertagen.

Das ist nichts wirklich Neues.

Auf den ersten Blick vielleicht nicht. Aber wenn wir genauer hinschauen, stellen wir fest, dass Fragen zur Optimierung unsere Prozesse immer wieder neu gestellt und beantwortet werden müssen, weil Fortschritt und neue Erkenntnis die Rahmenbedingungen laufend verändern. Außerdem befinden wir uns aktuell in einer besonders schwierigen Phase, in der die Preise niedrig sind, die Kosten aber noch aus der Hochpreisperiode stammen.

Haben Sie dafür ein Beispiel?

Viele Getreideerzeuger konzentrierten sich lange stark auf die Vermarktung. Durchaus zu Recht, denn es gab viel nachzuholen. Am Ende waren sie dabei so erfolgreich, dass der Zeitpunkt der Vermarktung mitunter wichtiger war als die Höhe des Getreideertrages oder der Stückkosten. Wenn aber der Vermarktungserfolg wichtiger ist als der Prozess­erfolg, dann läuft man Gefahr, die oft zitierten kleinen Schrauben in den eigenen Abläufen außer Acht zu lassen. Das rächt sich in Zeiten schlechter Preise bitter.

Sie meinen, mancher Milchviehbetrieb würde heute besser dastehen, wenn er seine Prozesse optimiert hätte statt einen neuen Stall zu bauen?

Manche haben beides zugleich geschafft, aber es gibt auch Investoren, die in ihren Plänen sehr optimistisch waren und sich selbst unter schlechtesten Szenarien heutige Preise nicht vorstellen konnten. Die leiden heute zum Beispiel unter hohen Finanzierungskosten. Das gilt im Prinzip für jede Investition. Es gibt auch Ackerbaubetriebe, die in den letzten Jahren deshalb in Land, auch in neue Technik investiert haben, weil sie über eine gute Liquidität verfügten – und nicht, weil sie sich von der Investition höhere Gewinne erwarteten.

Es ist ein bekanntes Phänomen, dass in guten Jahren die Kosten steigen. Diese hohen Fixkosten drücken die Betriebe in Tiefpreisphasen, wie wir sie jetzt erleben. Da gibt es keinen anderen Weg, als zu konsolidieren. Im Übrigen kennen wir genügend sehr gesund gewachsene Betriebe, die ihre Wachstumsschritte nicht so euphorisch gegangen sind und vielleicht deswegen die Herausforderungen des Marktes in den Griff bekommen haben.

Das vollständige Interview lesen Sie in die LAND & Forst Ausgabe 35/2016 auf den Seiten 10 bis 11. Möchten Sie die LAND & Forst zum Probelesen bestellen? Dann klicken Sie hier…

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