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Kommentar

Düngeverordnung: Immer positiv nach vorne schauen

Edith Kahnt-Ralle
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Edith Kahnt-Ralle, LAND & Forst
am
21.06.2017

Die Düngeverordnung ist beschlossen. Sie fordert Betriebe und Berater. Eine positive Grundstimmung wäre da hilfreich.

Die Düngeverordnung ist beschlossen und gesetzlich verankert. Sie ist fürwahr eine Schwergeburt - und ein Kompromiss aus allen Ansprüchen an eine zukunftsfähige landwirtschaftliche Produktion.

Sicher ist, dass sich die einzelnen Parteien mehr in ihrem Sinne gewünscht hätten. Aber das Wesen eines Kompromisses ist, Abstriche bei der eigenen Position zu machen, um gemeinsam weiter zu kommen.

Düngeverordnung bringt neues System in Praxis

Es sollte endlich Ruhe an den Fronten einkehren, denn bei der Umsetzung der Düngeverordnung wird nicht nur ein „Schalter umgelegt“. Wie Franz Jansen-Minßen, Leiter der Düngebehörde, immer wieder klar macht, wird mit dieser Verordnung ein ganz neues System in die landwirtschaftliche Praxis eingeführt. Behörde und Betriebe haben damit „alle Hände voll zu tun“.

Schon ab Herbst sind die Bestimmungen der neuen Verordnung in die Praxis umzusetzen. Gedüngt wird in Zukunft nur noch, wenn ein Düngebedarf nachgewiesen ist. Das Handeln der Betriebe im Bereich Düngung wird gläserner, wenn alle Daten durch die neue Gesetzgebung abgeglichen werden können.

Die 170-kg N-Regelung für alle Wirtschaftsdünger zwingt noch mehr Betriebe in Niedersachsen dazu, in mehr Fläche, mehr Lagerraum oder die Abgabe von Gülle zu investieren. Das kostet erstmal Geld – nicht jeder Betrieb hat das zum jetzigen Zeitpunkt.

Meyer: Stoffstrombilanz als gewaltiger Rückschritt

Auch wenn mit der Düngeverordnung ein klarer Rahmen geschaffen wurde, heißt das noch nicht, dass in der Umsetzung auf Landesebene alles klar ist. Niedersachsen kann im Rahmen der Länderermächtigung (§ 13 Dünge-VO) weitere Verschärfungen beschließen.

Hoch schlagen zurzeit die Wellen bei der Stoffstrombilanzverordnung, die vom Kabinett beschlossen wurde und von Niedersachsens Agrarminister Christian Meyer und seinen Parteikollegen „als gewaltiger Rückschritt für alle, die das Grundwasser schützen wollen“ bezeichnet wird.

Gülle als braunes Gold

Im gesamten Wortlaut ist das eine wenig zielführende Stellungnahme in der jetzigen Situation, wo eine positive Grundstimmung die Praxis mehr beflügeln könnte, ihre Hausaufgaben in Sachen Düngung zu machen. Aber landwirtschaftliche Betriebe haben gelernt, sich immer wieder anzupassen. Das zeigen auch Beispiele aus angrenzenden EU-Ländern, die ebenfalls mit Nitratproblemen zu kämpfen haben.

Auch in Niedersachsen arbeiten landwirtschaftliche Unternehmer vor Ort an Techniken und Verfahren, um die Effizienz der Güllenutzung und -verteilung zu verbessern. Nur so etwas bringt die landwirtschaftliche Praxis jetzt weiter.

Und vielleicht auch die Sichtweise des Niederländers Harry Kager anlässlich des 4. Wasserschutztages des OOWV in Großenkneten: „Machen wir doch aus Gülle das braune Gold“.

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