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Kommentar

Dürreschäden fordern uns heraus

am Donnerstag, 16.08.2018 - 09:52

Wir bekommen einen Vorgeschmack davon, was Klimawandel anrichten kann. Gegen Wetterextreme helfen Vorsorge und Solidarität.

Eine gute Ernte ist keinesfalls selbstverständlich. Das müssen wir in diesen Monaten mit Trockenheit und Dürre zur Kenntnis nehmen.

Verbraucher und Politiker sollten bei all ihren Ansprüchen an die Landwirtschaft bedenken, wie wichtig ihnen eine rentable landeseigene Landwirtschaft ist.

Weitblick und Risikomanagement

Wir Landwirte üben mittlerweile einen Beruf aus, in dem Spitzentechnologie auf dem Feld und im Stall eine vermeintliche Sicherheit und Beherrschbarkeit der Produktion vorgaukeln. Nässe und Dürre in kurzer Folge zeigen uns, dass dies nicht stimmt.

Die alten Tugenden des Bodenschutzes, der Diversifizierung des Anbaus und des Vorratsdenkens sind keine Ladenhüter, sondern können helfen, Betriebe für die Zukunft sicher aufzustellen. Nicht die kurzsichtige ökonomische Brille ist hier gefragt, sondern Weitblick und Risikomanagement.

Selbsthilfe besser als Staatshilfe

Die Futternot ist so groß, dass sich die Aufrufe zur Solidarität in der Landwirtschaft häufen. Wer jetzt noch Futter anbauen kann, sollte sich mit Futtersuchenden abstimmen. Die Futterbörsen sind gut zu nutzen, streng nach dem Motto: Wer Solidarität von anderen erwartet, muss mit gutem Beispiel vorangehen.

Selbsthilfe innerhalb der Landwirtschaft fühlt sich besser an als Staatshilfe. Notwendige Abstimmungen zwischen allen Behörden zur Nutzung freier Flächenkapazitäten zur Futterproduktion sollten schnell erfolgen. Für solche Extremlagen könnte generell mal ein Plan B in der Schublade liegen.

Notprogramm passend ausrichten

Die mediale Ausschlachtung der landwirtschaftlichen Notsituation zeigte Wirkung. Glaubt man dem aktuellen Politbarometer, sind gut 50 % der Deutschen der Meinung, dass den Landwirten jetzt finanziell geholfen werden muss.

Unterstützung durch Politik und Steuerzahler tut der landwirtschaftlichen Seele immer gut. Doch die Betroffenheit der Betriebe durch Nässe und Dürre ist sehr unterschiedlich. Das muss bei der Verteilung von Geldern aus bestehenden Notprogrammen beachtet werden.

Jeder muss Beitrag zum Klimawandel leisten

Die Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner wartet deshalb auch nach dem Treffen von Agrarexperten von Bund und Ländern am Montag dieser Woche in Berlin weiter ab, bis das endgültige Ausmaß der Ernteschäden feststeht. Das ist gut so.

Am Ende sollte das Geld bei den Betrieben in ausreichendem Maße ankommen, die es wirklich brauchen. Dass die Dürre ein Schadereignis von nationalem Ausmaß ist, sollte nicht mehr in Frage stehen.

Debatten über die falsche Ausrichtung der Landwirtschaft sind jetzt unpassend. Sprechen wir doch endlich darüber, wie jeder seinen Beitrag gegen den Klimawandel leisten will. Dann hätte die Dürre etwas Gutes gehabt.