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Vorsorge

Expertentipps: So sorgen Sie für mehr Brandschutz im Stall

Brandschutz-Stallbrand
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Christa Diekmann-Lenartz, LAND & Forst
am
31.07.2018

Die Stallbrand-Gefahr kann durch Vorsorge verringert werden. Tipps vom Brandschutzexperten Jan-Bernd Burhop aus dem niedersächsischen Oldenburg.

Bei Jan-Bernd Burhop vergeht fast kein Arbeitstag, an dem keine Meldung über einen Schaden oder Brandfall in einem landwirtschaftlichen Betrieb eingeht. Burhop ist Direktionsbeauftragter für Schadenverhütung bei der Öffentlichen Versicherung in Oldenburg.

Das Bearbeitungsgebiet umfasst die Landkreise Friesland, Wesermarsch, Ammerland, Oldenburg, Cloppenburg und Vechta. Mehrere hundert Meldungen von Schäden gab es dort 2017 von landwirtschaftlichen Betrieben.

Sorge bereitet dabei der stetig steigende Kostenaufwand pro Schaden:

  • Die Ställe und Maschinen sind größer geworden.
  • Es gibt mehr Technik und aufwendige technische Gebäudeausrüstungen.
  • Kommen Tiere bei einem Brand ums Leben oder zu Schaden, ist das für die betroffenen Landwirte nicht nur ein wirtschaftlicher Verlust, sondern eine starke emotionale Belastung.
  • Kommen Zuchttiere um, kann zudem die Arbeit von vielen Jahren zunichte gemacht werden.
  • Öffentliche Diskussionen nach Bekanntwerden tun in solchen Fällen dann noch ein Übriges dazu.

Wo liegen die Ursachen für Stallbrände?

    Über die Ursachen von Stallbränden führen die öffentlichen Versicherer seit Jahren Statistiken:

    • In ungefähr drei von zehn Fällen sind Störungen in den elektrischen Anlagen die Ursache für einen Brand.
    • In zwei von zehn Fällen ist menschliches Fehlverhalten die Ursache.
    • In 10 % verursachen Überhitzungen ein Feuer und
    • in immerhin 9 % sind Brände auf Brandstiftung zurückzuführen.

    Von Unachtsamkeit bis zu grober Fahrlässigkeit

    „Natürlich gibt es neben Naturereignissen wie Sturm, Starkregen auch höhere Gewalt, wo nach menschlichem Ermessen auch keine Prävention einen Schaden oder einen Brand verhindert hätte, “ sagt der gelernte Elektroingenieur Burhop. Aber er hat jedes Jahr auch Fälle, wo ein Brand sehr wohl zu verhindern gewesen wäre. Die Bandbreite reicht dabei von Unachtsamkeit bis zur groben Fahrlässigkeit.

    Im Sinne einer besseren Schadensvorsorge bietet sein Unternehmen seit kurzem speziell für landwirtschaftliche Betriebe eine sogenannte Sicherheitsberatung an – diese sei für die Kunden kostenfrei und werde gut angenommen, so Burhop. Dabei wird der Betrieb auf mögliche Schwachstellen in punkto Brandschutz/-verhütung hingewiesen und sensibilisiert.

    Spezialisten für die Präventionsarbeit

    Burhop hat für diese Präventionsarbeit ein Team von verschiedenen Spezialisten wie Ofen-/ Schornsteinbauer, Feuerwehrmännern, Elektrikern und auch Landwirten zusammengestellt. Beim Betriebsrundgang soll auf mögliche Schwachstellen hingewiesen werden durch eine Beratung auf Augenhöhe. 

    Anschließend bekommt der besuchte Landwirt eine Beratungsdokumentation mit Hinweisen und Tipps zur Risikominimierung: „Bei jemandem, der tagtäglich auf dem Hof arbeitet, lässt sich zum einen etwas ‚Betriebsblindheit‘ oft gar nicht vermeiden", sagt der Berater. Zum anderen bringe der Blick von außen aber auch die Ideen und gebe Impulse.

    Ins Visier genommen werden all die Schwachstellen, die sich auch in der Ursachenstatistik für Brände wiederfinden:

    • Elektrische Anlagen,
    • die Lagerung von Erntegütern,
    • landwirtschaftliche Maschinen,
    • Feuerlöscher,
    • Schweiß- und Lötarbeiten oder
    • Blitz- und Überspannungsschutz.
    • Nicht zu vergessen sei die Vorbeugung vor Brandstiftung.

    Was Sie zur Vorsorge von Stallbränden tun können

    Checken Sie folgende sicherheitsrelevante Bereiche, um Stallbränden vorzubeugen:

    • Elektrische Anlagen und Geräte, Prüfungen und Instandhaltungszustand
    • Ordnung und Sauberkeit im Betrieb
    • Feuerlöscheinrichtungen und  Löschwasserversorgung
    • Abstellen und Betreiben von landwirtschaftlichen Arbeitsmaschinen
    • Blitzschutzanlagen und Überspannungsschutz
    • Lagerung von Ernteerzeugnissen, Heu und Stroh
    • Feuerstätten, Heizeinrichtungen, Trocknungsanlagen
    • Schutz gegen Brandstiftung
    • Brandwände, Feuerschutzabschlüsse, Öffnungen und Durchbrüche in Decken und Wänden
    • Gaskanonen, Wärmestrahler, Reinigung und Ausblasbereich
    • Schweiß-, Schneid-, Löt- und Trennschleifarbeiten
    • Rauchen, offenes Licht und Feuer

    Noch ein Tipp von Jan-Bernd Burhop: Von den Feuerversicherern gibt es Checklisten, mit denen der Landwirt zunächst einmal selbst überprüfen kann, was in Sachen Brandschutz sinnhaft ist. Eine solche erste Einschätzung sei unbedingt empfehlenswert, rät Burhop eindringlich. Ebenso sollten Angebote und Serviceleistungen des Versicherers im Sinne von Prävention genutzt werden.

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