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Betriebsführung

Exporte brummen

von , am
21.08.2013

Niedersachsen ist nach wie vor das Agrar-Bundesland Nr. 1 in Deutschland. Aber wird dies auch in Zukunft so bleiben? Meinungen dazu vom Bundeskongress des VDAJ.

Ralf Stephan (links), Chefredakteur der LAND & Forst, moderierte die Podiumsdiskussion, an der auch Mechtilde Becker-Weigel und Dr. Heinz Schweer teilnahmen. © Nordhof
Der Direktor Landwirtschaft bei Vion,Dr. Heinz Schweer, unterstrich auf dem Bundeskongress des Verbandes Deutscher Agrarjournalisten (VDAJ) kürzlich im Ammerland die Bedeutung Niedersachsens in der Fleischproduktion und -verarbeitung. Triebfeder sei der Export, möglich durch effiziente Strukturen in der Landwirtschaft und Fleischverarbeitung.

Schweer sieht jedoch die Grenzen des Wachstums erreicht. Zu den Gründen gehöre unter anderem, dass sich mehrere Länder Südamerikas zu großen Wettbewerbern der Europäer speziell auf den asiatischen Märkten entwickelt haben, die zu günstigeren Kosten produzieren. Parallel sei der Absatz in Richtung Osteuropa rückläufig. Der Inlandsmarkt bietet kaum Licht am Ende des Tunnels, so Schweer weiter. Nötig sei ein Umdenken weg vom quantitativen und hin zu einem qualitativen Wachstum.

Dass auch die Milchproduktion vor weitreichenden Veränderungen steht, bestätigte Sönke Voss, Geschäftsführer Logistik und Einkauf des DMK, das mit 7 Mrd. kg Milch etwa ein Viertel der deutschen Milchproduktion bündelt. Mit Blick auf die Veränderungen in Politik, Markt und Verbraucherwahrnehmung stehe die Rinderhaltung generell nicht in vergleichbarem Maß in der Diskussion wie Schwein und Huhn. Doch der anstehende Wegfall der bisherigen Quotenregelung, die daraus zu erwartenden Mengen- und Preisschwankungen sowie deren strukturelle Konsequenzen in der Milchviehhaltung sorgen ebenfalls für Diskussionen.

Als Herausforderung sieht Voss die internationale Vermarktung von Milchprodukten. Eine Mehrproduktion sei nur im Export absetzbar. Wie stark die Milchmenge nach dem Wegfall der Quotenregelung ansteigen könnte, lasse sich nicht exakt quantifizieren: Schätzungen gehen in Richtung 1 bis 2 % pro Jahr.

Vergleichsweise wenig Veränderungsdruck zeichnet sich beim Zucker ab. Das jedenfalls konstatierte Dr. Klaus-Dieter Schumacher von der Nordzucker auf der von LAND & Forst Chefredakteur Ralf Stephan moderierten Diskussion. Das Unternehmen sieht sich europaweit als zweitgrößter Zuckerhersteller.

Die Wettbewerbsfähigkeit der Anbauer und Verarbeiter habe sich dadurch erheblich verbessert, allerdings auch aus anderen Gründen. Schumacher machte dies unter anderem am durchschnittlichen Ertragszuwachs von 25 % seit 2003 fest, der bei Zuckerrüben so hoch ausgefallen sei wie bei keinem anderen Ackerbauprodukt in dieser Zeit. Positiv wirke sich zudem die Entwicklung in Richtung Energierüben aus.  "Und obwohl sich der Wegfall der Zuckerquoten im Zeitraum zwischen 2017 bis 2020 abzeichnet, ist diese Ackerfrucht für die Landwirte auf längere Sicht eine sprichwörtlich sichere Bank", so seine Überzeugung.

Mehr Markt, weniger Sicherheit - auf diese Kurzformel brachte Dr. Mechtilde Becker-Weigel, Chefredakteurin von "agrarticker.de", die Veränderungen der kommenden Jahre. Die Liberalisierung der Märkte werde bis 2015 weitgehend vollendet sein. Die Folge sind ihrer Meinung nach deutlich stärkere Preisschwankungen bei Agrarprodukten. Als Folge dessen dürften Landwirte mit den bisherigen Informationsquellen der Preisfindung nicht mehr auskommen. Das Internet als schnelles Medium werde noch stärker an Bedeutung gewinnen. Dabei bestehe die Herausforderung darin, die Datenflut besser als bisher zu sichten und zu kanalisieren.

Schon seit jeher dem freien Markt unterworfen sind die niedersächsischen Baumschulen, wie Jan-Dieter Bruns, Geschäftsführer der gleichnamigen Baumschule betonte. Generell sind Preisverhandlungen allein aufgrund des zahlreichen Wettbewerberumfeldes hart. Mit der öffentlichen Hand werden in der Regel keine Stück- sondern Projektpreise vereinbart, mit Bau- und Gartenmarktkunden laufen meistens Jahresvereinbarungen mit festen Preisen.
Eine große Bedeutung hat bei Bruns das Exportgeschäft. Dabei sind Preis- und Auftragsschwankungen größer, aber im Gegenzug auch die Chance, sich durch Leistung zu profilieren. "Für uns war und ist es wichtig, durch Produkte und Dienstleistungen Nischen zu besetzen, die uns ein Alleinstellungsmerkmal verleihen. Außerdem setzen wir auf unterschiedliche Absatzwege und Zielgruppen, sodass sich die Marktschwankungen und -risiken ausgleichen lassen", so Bruns.
 
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