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Betriebsführung

Flüssig bleiben, Krisen bewältigen

von , am
16.09.2015

Zwischen guten Gewinnen und akuter Existenzbedrohung liegen manchmal nur wenige Jahre. Wie kommen Landwirte aus einer finanziellen Notsituation heraus und was muss bei der Vorbereitung auf ein Gespräch mit dem Bankberater beachtet werden?

Referent Bernd Werzinger (l.), Deutsche Kreditbank und Michael Pankratius, Geschäftsführer der Landberatung. © Bartel

Oft sind es nicht allein schwankende und phasenweise schlechte Absatzpreise, die die Zahlungsfähigkeit beeinträchtigen. Häufig haben Planungs- und Managementfehler aus den Vorjahren mit zu akuten finanziellen Engpässen beigetragen. Unter dem Titel "Krisenmanagement in der Landwirtschaft" hat die Arbeitsgemeinschaft Landberatung jetzt nach Verden geladen.

Vor ca. 70 Teilnehmenden referierte Diplom-Agraringenieur Bernd Werzinger über Krisenfrüherkennung, Controllingmaßnahmen, Sanierungskonzepte und darüber, wie Betriebsleiter eigentlich mit ihren Bankberatern reden und einen solchen Termin vorbereiten sollten. Werzinger ist bei der Deutschen Kreditbank AG (Niederlassung Nord) auf Firmenkunden aus dem Agrarsektor spezialisiert. Die Erfahrung mit Klienten aus der Landwirtschaft zeigt ihm: "Krisenmanagement ist ein ungeliebtes Thema".

Ziele und Konzepte haben

Solange der Betrieb ordentlich läuft, kommt strategische Planung bei Vielen zu kurz. Wer zum Beispiel in der täglichen Arbeitsroutine gefangen ist, hat wenig Freiraum, um über Betriebsentwicklung nachzudenken. Konzepte erstellen und Ziele festlegen: Dazu fehlt die Zeit. Erschwerend kommt hinzu, dass Betrieb und Familie sehr eng verknüpft sind. Der Unternehmer hat es mit Banken, Lieferanten und Händlern und Kunden zu tun, außerdem hat er Geschäftspartner und ist eventuell an verschiedenen Gesellschaften beteiligt und muss ein Altenteil tragen.

Selbstwahrnehmung und Fremdwahrnehmung

All dem muss er gerecht werden. Seine Selbstwahrnehmung kann dabei von der Fremdwahrnehmung abweichen: Der Betrieb wird von außen anders gesehen als der Landwirt ihn selbst sieht. Probleme können sich an unterschiedlichen Stellen aufschaukeln: Organisatorische Defizite, längerer Ausfall einer Arbeitskraft durch Unfall, zu hohe Ausgaben, schlechte Finanzplanung. "Fehlende Liquidität ist immer ein Managementfehler", so Werzinger. Ein Beispiel: "Nach Kassenlage kauft man nicht!"
Betriebe brauchen einen Risikopuffer, um Preisschwankungen aufzufangen. Wer die Gewinne aus guten Jahren direkt vollständig in Neubauten, spontane Landkäufe oder Maschinen steckt, kann beim nächsten Preistief und daraus resultierenden Gewinneinbußen ein großes Problem bekommen. Hilfreich ist, den Liquiditätsbedarf zu kennen, Rücklagen zu bilden und Kreditlinien in guten Zeiten genehmigen zu lassen, weil es sich dann nicht um einen Problemkredit handelt.
 

Mehr zum Thema lesen Sie in der LAND & Forst Ausgabe 38/2015 auf Seite 12. Möchten Sie die LAND & Forst für einen Monat gratis zum Probelesen bestellen? Dann klicken Sie hier…

 

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