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Betriebsführung

Forderungsverluste: Bitte absichern!

von , am
15.08.2013

Insolvenzen bei Vermarktern oder Schlachthöfen kommen durchaus vor. Tierhalter sollten deshalb auch an die Absicherung von Forderungen denken. Lesen Sie hier, wie Sie Ihr Risiko minimieren.

Wer sich möglichst gut über seinen Vermarktungspartner informiert, ist auf dem besten Weg, das eigene Risiko zu minimieren. © landpixel
Die Erwirtschaftung eines ausreichenden Familieneinkommens bedingt eine Betriebsgröße, die beachtliche Umsätze nach sich zieht. Große Partien erreichen sehr schnell hohe Warenwerte. Branchenübliche Zahlungsziele um die zehn Tage, Betriebs-Rein-Raus oder abteilweises Rein-Raus lassen offene Forderungen schnell auf 100.000€ und mehr hochschnellen. Welche Absicherungsmöglichkeiten bestehen für den Mäster? Welche Maßnahmen gibt es für ihn zur Risikominimierung?

Warnsignale erkennen

Im Allgemeinen sollte man sich möglichst gut über seinen Vermarktungspartner informieren. Eigenorganisationen der Landwirte, wie Erzeugergemeinschaften oder Genossenschaften, bieten über die turnusmäßige Vorlage von Jahresabschlüssen und Geschäftsberichte sowie über die Kontrollorgane Möglichkeiten, sich Einblick in die wirtschaftlichen Verhältnisse zu verschaffen.  

Soweit es sich beim Vermarktungspartner um Kapitalgesellschaften handelt, bestehen Informationsmöglichkeiten im elektronischen Bundesanzeiger; die Gesellschaften müssen hier in der Regel ihre Bilanzen offen legen. Aber auch der "Dorffunk" ist oftmals hilfreich.

Wiederkehrende Zahlungsverzögerungen aber auch außergewöhnlich gute Vermarktungskonditionen sollten als Warnsignal registriert werden. Um überhaupt noch an Tiere zu kommen (oftmals sind schon Gerüchte im Umlauf) und um "das Rad am Drehen" zu behalten, werden Vermarktungskonditionen geboten, die über das Übliche weit hinaus gehen und in der Höhe am Markt in keiner Weise zu erzielen sind. Hier sollte man Vorsicht walten lassen.

Im Viehhandel werden enorme Umsätze getätigt und aufgrund des Wettbewerbsdruckes ist die Marge dabei oftmals sehr überschaubar. Die Menge muss es letztlich machen. Wenn aus Sicht des Viehvermarkters sein oder einer seiner Schlachthöfe mit größeren Umsätzen insolvent wird, drohen im Zweifel auch Zahlungsschwierigkeiten beim Vermarkter. Zudem bestehen im Viehhandel oftmals enge Verflechtungen zwischen verschiedenen Viehvermarktungsunternehmen.

Die Mehrzahl von Viehvermarktern dürfte mittlerweile über eine Warenkreditversicherung verfügen, die die Risiken eines Forderungsausfalles minimiert. Zum einen ist durch die Absicherung der Forderungen bis auf einen Selbstbehalt (in der Regel 10 %) eine direkte Absicherung gegeben, zum anderen werden von den Versicherern Limits zugesagt, bis zu deren Höhe eine Absicherung gegenüber einem einzelnen Unternehmen besteht. Höhe, Kürzungen oder Kündigungen der Limits sowie zusätzliche Informationen zu den Unternehmen ermöglichen hierbei eine bessere Beurteilung der Bonität.

Die wirksame Vereinbarung eines verlängerten Eigentumsvorbehaltes verschafft zusätzlich etwas Sicherheit. Damit gelingt es oft, zumindest für einige Tage nach der Lieferung seine Ansprüche direkt geltend machen zu können.
Der verlängerte Eigentumsvorbehalt kann beispielsweise bei Lieferung der Tiere auf einem Lieferschein vereinbart werden. Denkbar wären auch Verrechnungen, beispielsweise mit Ferkellieferungen.

Als Zahlungsmodalität sollte nur die Überweisung akzeptiert werden. Bei Scheckeinzahlungen dauert es einige Tage, bis das Geld tatsächlich auf dem Konto des Landwirts gutgeschrieben ist. Zudem besteht die Möglichkeit, dass Scheckzahlungen nach der Gutschrift noch wiederrufen werden können, in Ausnahmefällen bis zu sechs Wochen.
Im Eigeninteresse des Mästers sollte er von seinem Vermarkter den Abschluss einer Warenkreditversicherung fordern und sich eine entsprechende Versicherungsbestätigung geben lassen. So drohen nicht sofort Zahlungsschwierigkeiten beim Vermarkter, wenn ein Schlachthof insolvent wird. Allerdings gibt dieses Vorgehen nicht letzte Sicherheit, da nicht zwangsläufig die Versicherung im Falle des Falles auch tatsächlich noch besteht und die Limits hoch genug sind.

Eine Bankbürgschaft oder bankbestätigte Schecks kommen oftmals nicht infrage, da diese Mittel für Dauergeschäfte zu umständlich und/oder auch letztlich zu teuer sind. Eine Bankbürgschaft wird auf den Kreditrahmen voll angerechnet.  Bei Exportgeschäften durchaus üblich, erreichen diese Mittel jedoch gerade bei unregelmäßigen Geschäften schnell ihre Grenzen.

Möglichst versichern

Wie Viehhandelsunternehmen können natürlich auch Mäster eine Warenkreditversicherung (WKV) zur Absicherung gegen einen Forderungsausfall abschließen. Am deutschen Markt gibt es verschiedene Anbieter mit teils unterschiedlichen Modellen. Grundsätzlich richtet sich die Versicherungsprämie nach dem zu versichernden Umsatz. Vor Abschluss einer WKV sollte abgeklärt werden, ob die benötigten Limits bei den Vermarktern von der Versicherung auch gewährt werden. Im Schadenfall hat der Mäster den vereinbarten Selbstbehalt (in der Regel 10 %) und im Regelfall (soweit pauschalierend) auch die Mehrwertsteuer selbst zu tragen.
 
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