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Ostfriesland

Gänse und Wölfe: Grünlandwirte in Ostfriesland haben die Nase voll

Wolf
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Edith Kahnt-Ralle, LAND & Forst
am
06.07.2019

Ostfrieslands Grünlandwirte sind hart geprüft: Erst durch Wildgansschäden und nun auch durch Wölfe, die ihre Schafe reissen.

Die Grünlandwirte in Ostfriesland haben die Nase voll: Erst waren es die Wildgänse, die durch jahrzehntelangen Schutz Überhand genommen haben. Schließlich müssen sich Umwelt- und Landwirtschaftsministerium in Hannover vor Gericht streiten, wer für die Schadensersatzklage von Landwirten aufkommt. Und jetzt streifen die ersten Wölfe durch die Grünlandregion und reißen Schafe.

Podiumsdiskussion zu Wölfen und Gänsen

"Da kommt wieder eine Tierart auf uns zu, die wir erst schützen und dann nicht mehr in den Griff bekommen", so ein Junglandwirt am Dienstagabend in Hesel, Ostfriesland. Dort hatte der FDP-Kreisverband Leer zu einer Podiumsdiskussion eingeladen mit dem Titel "Wölfe und Gänse – schützen oder schießen".

Die Landwirte nutzten diese Gelegenheit, ihre Forderungen sachlich, aber sehr bestimmt vorzutragen.

Futterverlust durch Gänse: 50.000 Euro im Jahr

Landwirte diskutierten

Amos Venema, Agrarblogger und Landwirt aus dem ostfriesischen Jemgumgeise, saß als Stellvertreter der Landwirte auf dem Podium und stellte eingangs fest: "Unser Grünland ist sehr begehrt bei den Gänsen, Tausende sitzen hier und machen erhebliche Schäden".

Er hat zusammen mit anderen Berufskollegen das Land Niedersachsen auf Schadensersatz verklagt. Mit rund 50.000 € im Jahr bezifferte Venema den durchschnittlichen Futterverlust, den die Gänse bei den üblichen Betriebsgrößen anrichten.

Und nun kommen weitere Auflagen durch die Düngeverordnung auf die Landwirte zu. "Wir haben für den Grünlandaufwuchs gedüngt und dann fressen uns die Gänse einen Teil davon auf", so Venema. Die Nährstoffe müssen bilanziert werden, das Futter ist aber zum Teil weg.

Vergrämen von Gänsen verboten: Verhältnismäßigkeit verlorengegangen

Die Sozialpflichtigkeit des Eigentums ist längst überschritten, so der Milcherzeuger. Kann ein Betrieb maximal 15.000 Euro in drei Jahren als Ausgleich für Rastschäden bekommen, so sind die Schäden zum Teil schon in einem Jahr so hoch.

Venema betonte: "Wir können dem Staat unser Eigentum nicht für lau überlassen". Aus Artenschutzgründen ist das Vergrämen von Gänsen verboten. "Wegen drei Brutpaaren anderer Wiesenvögel ist das Vergrämen von 1.000 Gänsen nicht erlaubt", beklagt der Landwirt die verlorengegangene Verhältnismäßigkeit.

Bei den Gänsen ist die Grenze erreicht: finanziell und emotional. Landwirte würden immer wieder vertröstet und mit Pilotprojekten abgespeist. Die Politik sei nicht in der Lage, schnell zu handeln, lauteten an diesem Abend die Vorwürfe.

Wölfe machen Weidehaltung kaputt

Dass die Verhältnismäßigkeit auch beim Wolf verloren zu gehen scheint, beunruhigt die Ostfriesen. "Wir müssten 20 km wolfssicheren Zaun ziehen, um unsere Tiere zu schützen", so Venema weiter. Im Herbst müsste dieser Zaun wieder abgebaut werden, um die Gänse nicht zu stören. Venema: "Wer zahlt und wer hilft bei diesem Wahnsinn?".

Und Hartwig Frühling vom Landwirtschaftlichen Hauptverein Ostfriesland fügt hinzu: "Die Wölfe machen unsere Weidehaltung kaputt". Für Schafe, die in Panik vor dem Wolf in den Vorfluter geraten und dort verenden, bekommen Landwirte keine Entschädigung, Personenschäden auf der Straße durch ausgebrochene Rinder darf man sich gar nicht erst ausmalen. "Wir haben heute 200 Wölfe und in fünf Jahren 1.000", gab ein Jäger zu bedenken.

Die Entnahme von Problemwölfen könne schon daran scheitern, dass man diese nicht so ohne weiteres wiederfinde. Läuft hier das nächste Problemtier aus dem Ruder?

Länderübersicht: Das kostet der Wolf

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