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Betriebsführung

Gas geben: Unternehmer von 0 auf 100

von , am
27.05.2014

Sie haben das gleiche Ziel, wollen Verantwortung übernehmen und suchen die Herausforderung. Häufig geht es um Wachstum mit und durch Energie. Dazu müssen Konzepte und Perspektiven entwickelt werden.

Besichtigt wurde dieses automatische Melkkarussell mit fünf Roboterarmen. © Ahlers

Jede Menge Anregungen für Nachwuchsunternehmer gab es auf der Jahrestagung der Jungen DLG vorige Woche in Jena. Vor allen Dingen der Vortrag von Jürgen Walter regte zur Diskussion an, denn er zeigte auf, wie ein komplettes Geschäftsmodell mit neun Feldern Platz findet auf nur einem Blatt Papier.

Da geht es zunächst um die Kunden: Für wen arbeiten wir? Welche Kunden (-segmente) bedienen wir? Und dann ist da der Kundennutzen: Welche Probleme unserer Kunden lösen wir? Der Weg führt über unterschiedliche Kanäle: Wie treten wir mit unseren Kunden in Kontakt? Über welche Wege kommt unsere Leistung zum Kunden? Ganz wichtig  die Kundenbeziehung: Wie gehen wir mit unseren Kunden um? Natürlich geht es auch um das liebe Geld: Welche Umsätze werden durch unsere Leistungen generiert und was kostet es, diese Leistungen zu erbringen? Stichwort Ressourcen: Was nutzen wir (Gegenstände, Wissen etc.), um unsere Leistung zu erbringen und über welches Tun werden unsere Ressourcen zu einer Leistung für den Kunden?

Walter: "Es ist weitaus einfacher, eine tolle Idee oder die genialen Eigenschaften eines Produktes zu beschreiben, als sich darüber klar zu sein, für wen man dies eigentlich tut und welchen Nutzen und Wert man dabei generiert". Dazu hat der Referent einen Rahmen geschaffen, um Geschäftsmodelle klar und übersichtlich zu beschreiben, das eigene Tun besser zu verstehen, neue Szenarien für die Zukunft zu entwickeln und (vor allen Dingen) mit anderen darüber zu diskutieren und ein gemeinsames Verständnis zu entwickeln.

Jürgen Walter: "In nur 20 Minuten haben Sie mit dem Model Ihren ersten Entwurf auf einen Blick. Ganz gleich, ob Sie Ihr derzeitiges Geschäftskonzept einmal durchleuchten oder eine neue Idee lancieren möchten: Es geht schnell, zeigt auf einen Blick, um was es geht und es wird kommunizierbar."

Dr. Jan Christoph Friedrichs beleuchtete die vielfältigen Facetten des Generationswechsels. Dabei sind in Niedersachsen durch die Höfeordnung die Rahmenbedingungen bereits vorgegeben. Abgeber und Übernehmer müssen beide ein gutes Gefühl haben und sollten sich ihren Rat aus betriebswirtschaftlicher, rechtlicher und steuerlicher Sicht holen.

Anne Carolin Knust zeigte auf, woher das Geld kommen kann, denn der Kapitalbedarf nimmt durch immer größere Wachstumsschritte ständig zu. In den Mittelpunkt ihrer Ausführungen stellte sie ein Investitionskonzept mit den alten Regeln: Liquidität geht vor Rentabilität und Gewinn geht vor Umsatz. Vor neuen Investitionen müsse an der Optimierung der bisherigen Betriebszweige gearbeitet werden.

Markus Appold hat einen Energiehof entwickelt und sieht sich als Partner für die regionale Entsorgung; er kann für jeden Stoffstrom eine Lösung anbieten. Bereits frühzeitig hat er sich um ein Sondergebiet für regenerative Energien und Rohstoffgewinnung bemüht. Selbstverständlich sind für ihn (und seine Geschäftspartner) BImSch-Genehmigungen, Gütezeichen und Umweltzertifikate. Sein Ziel ist es, Reste komplett aufzuarbeiten und damit die Wertschöpfungskette weiter zu schließen.

Jörg Kamprad berichtete über die wechselvolle Entwicklung seiner Agrargenossenschaft in den vergangenen Jahrzehnten und machte klar, dass manchmal auch weniger mehr sein kann.

Richtig Gas gegeben und den Weg von 0 auf 100 marschiert ist Timo Wessels, der 1997 von der Wesermarsch nach Brandenburg ging. Inzwischen hat er dort eine Firmengruppe mit 100 Mitarbeitern etabliert. Hauptbetriebszweig ist die Milchviehhaltung mit 550 Kühen, 10.500 kg Milch mit 3,84 % Fett und 3,36 % Eiweiß
Am Abschlusstag gab es mehrere Betriebsbesichtigungen. Dazu gehörte das erste automatische Melkkarussell der Welt. Es handelt sich dabei um ein 24er Karussell ausgelegt als Innenmelker mit fünf Roboterarmen: zwei bereiten das Euter vor, zwei übernehmen das Ansetzen. Nach der Abnahme sprüht ein weiterer Roboter die Zitzen mit einem Pflege- und Desinfektionsmittel ein.

Jeder Roboterarm hat 30 Sekunden Zeit, seine Arbeit zu verrichten. Dann dreht das Karussell weiter. Jede Kuh hat also nur 30 Sekunden Zeit, die Plattform zu betreten bzw. zu verlassen. Das Weiterdrehen benötigt weitere zehn Sekunden, unter dem Strich ergibt sich so ein Durchsatz von 85 bis 90 Kühen pro Stunde. Bei 18 Stunden täglicher Melkzeit wären 1.600 Melkungen möglich.
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