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Betriebsführung

Das Geld wird auf dem Acker verdient

von , am
06.08.2014

Landwirtschaft in Niedersachsen lebt von der Vielfalt. Wir waren im Kreis Northeim mit 850 Betrieben, davon 440 im Haupt- und 410 im Nebenerwerb.

Bei den Ackerfrüchten dominiert der Weizen mit einem Anteil von fast 50 %. © Ahlers

Die landwirtschaftlich genutzte Fläche liegt bei etwa 57.000 ha. Davon sind 47.500 ha Ackerland und 9.500 ha Grünland. Außerdem befinden sich im Landkreis 49.000 ha Wald. Hartmut Danne, Vorsitzender des Landvolk-Kreisverbandes Northeim-Osterode, und Dr. Karsten Möller, Bezirksstellenleiter der Landwirtschaftskammer, erläutern die Strukturen der Landwirtschaft in der Region.

Bei den Ackerfrüchten dominiert der Weizen mit einem Anteil von fast 50 %. Dann folgen Winterraps, Zuckerrüben und Gerste mit Anteilen zwischen 10 und 15 %, Silomais liegt bei etwa 8 %. Die Ackerbauern wachsen in der Regel über die Fläche, häufige auch in Form von Betriebsgemeinschaften und Kooperationen.

Ob Zuckerrüben ihre herausgehobene Stellung auch hinsichtlich der Deckungsbeiträge behalten, wenn am 1. Oktober 2017 wesentliche Elemente der EU-Zuckermarktregelung entfallen, bleibt abzuwarten. Es gibt einige Betriebe mit Sonderkulturen wie Erdbeeren und Speisekartoffeln. Die durchschnittliche Betriebsgröße beträgt 65 ha. Es gibt 354 Betriebe mit Rindviehhaltung (davon 127 mit Milchkühen) und 206 Betriebe mit Schweinehaltung. 25 Betriebe betreiben ökologischen Landbau, Tendenz stagnierend.

Einige Betriebe wirtschaften extensiv (vor allen Dingen auf Grünland) und halten z. B. Heckrinder in den Tälern vom Solling. Auf dem Restgrünland gibt es auch Pferdehaltung, häufig im Nebenerwerb oder als Hobby. Durch die gestiegene Grünlandprämie ist das Offenhalten von Flächen in der Landschaft wieder attraktiver geworden.

Die Schweine werden zahlenmäßig weniger, die wettbewerbsfähigen Betriebe würden gerne wachsen und ihre Bestände vergrößern. Die Auflagen für Neubauten werden nicht nur immer größer, sondern auch kostspieliger und vereinzelt gibt es Bürgerproteste gegen größere Stallbauvorhaben. Die Tierdichte im Gebiet der Bezirksstelle Northeim liegt bei 0,3 GV/ha, Potenzial wäre also noch gegeben.

Wachstum, in der Regel im überschaubaren Rahmen, kennzeichnet auch die Milchviehbetriebe mit wettbewerbsfähigen Einheiten. Der Landkreis Northeim hat eine Gesamtfläche von 1.266 Quadratkilometern. Das Kreisgebiet reicht von der Weser im Westen bis zu den Harzvorbergen im Osten. Die Landschaften sind sehr abwechslungsreich. Sie werden geprägt durch das Tal der Leine und den Solling sowie durch viele kleinere, bewaldete Höhenzüge. Im östlichen Kreisgebiet befinden sich Ausläufer des Harzes. Das Leinetal durchzieht das Kreisgebiet von Süden nach Norden. Die Leine entspringt im Eichsfeld und mündet in die Aller. Bei Einbeck liegt im Hochwasser-Rückhaltebecken Salzderhelden, der tiefste Punkt des Kreisgebietes. Der Solling ist Teil des Weserberglandes und wird im Westen vom Wesertal, im Norden vom Vogler und im Osten vom vielgestaltigen Leinegebiet eingerahmt. Im Süden liegt das Uslarer Becken.

Das Mittelgebirge ist eine mächtige Buntsandsteinkuppel. Einen Gipfel gibt es nicht. Die höchste Erhebung ist die Große Blöße mit 528 m über NN zwischen Silberborn und Dassel. Als Besonderheiten gelten die fast baumfreien Hochmoore auf dem Sollingplateau.

Danne und Möller sehen große Teile ihres Kreises als guten Ackerbaustandort. Sorgen bereitet ihnen der Flächenverbrauch, von dem häufig gerade die besten Böden betroffen sind. Als Beispiele nennen sie Straßenbau, Industrieflächen, Wohnbebauung, die geplante Höchstspannungsleitung und auch eine Salzpipeline ist in der Diskussion.

Der Berufsstand fordert hier "kluge Kompensationsmaßnahmen", denn man müsse schließlich nicht zwangsläufig besten Ackerboden als Ausgleichs- und Ersatzflächen für Streuobstwiesen hergeben. Möglich wäre es auch, versiegelte Flächen wieder zu entsiegeln und über das Leerstandskataster eine Verdichtung zu erreichen. Denkbar wäre auch ein Ausgleich durch Geld, was dann zweckgebunden verwendet werden müsse.

Hartmut Danne kennt durchweg positive Beispiele wie die Planung neuer Straßentrassen, wenn der Berufsstand die Möglichkeit hat, sich frühzeitig in die Planungsgremien einzubringen. Teilweise lassen sich dann sogar Unternehmensflurbereinigungen durchführen und der Landwirt "profitiert" vielleicht sogar von der neuen Trasse. 

Die Reportagen über beide Betriebe lesen Sie in der LAND & Forst Ausgabe 32/14.
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