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Betriebsführung

Gesucht und gefunden

von , am
05.11.2014

Das Portal der LWK Niedersachsen hat sich inzwischen gut etabliert. Wir berichten hier über drei erfolgreiche Beispiele aus Niedersachsen, wo sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer gesucht und gefunden haben.

Ein gutes Team im Stall: Arbeitgeber Martin Roberg (rechts) und sein Mitarbeiter Andreas Horn. © Ahlers

Familie Roberg bewirtschaftet in Essen, Kreis Cloppenburg, einen landwirtschaftlichen Betrieb mit Sauenhaltung, Schweinemast und Ackerbau. Im Zuge der Aufstockung der Sauenherde  suchte Martin Roberg eine landwirtschaftliche Fachkraft, gern Tierwirt. Und er hat über die Agrarjobbörse Andreas Horn, 32 Jahre jung und vor 15 Jahren aus Russland nach Deutschland gekommen, gefunden. Der Neue hat eine Ausbildung zum Tierwirt absolviert und war sieben Jahre in großen Sauenbeständen tätig. Seine Devise: "Wer sucht und willig ist, der findet auch etwas". Mit seiner Familie wohnt er seit März im 18 km entfernten Cloppenburg; nach und nach gewöhnen sie sich ein, es ist schon eine große Umstellung. Mit der Arbeit klappt es gut, Horn kennt sich aus mit Sauen und der Chef lässt ihm den nötigen Freiraum. Dazu gehört auch schon mal eine andere Sichtweise auf den Betriebszweig Sauenhaltung.  Das zeigte sich schon bei der einwöchigen Probearbeit: "Man muss fachlich und persönlich miteinander klarkommen", berichtet Martin Roberg von seinen Erfahrungen.
Nach seiner Einschätzung ist das Gewinnen eines guten Mitarbeiters nicht einfach und so kommen auch schon mal Fachfremde an einen verantwortungsvollen Stalljob. Und dann ist da noch die Bezahlung: Arbeitgeber Roberg muss mit dem relativ hohen Niveau in der Region mithalten.

Mit zwei Mitarbeitern und dem Auszubildenden kann jetzt die anfallende Arbeit besser organisiert werden, die Situation ist entspannter, vor allen Dingen in Arbeitsspitzen und im Urlaubs- und Krankheitsfall; schließlich muss eine Person bei Notfällen 24 Stunden erreichbar sein. Und der Chef kann sich mehr um das Management kümmern, um sein Ziel im Sauenstall, 32 Ferkel mit einem vertretbaren Aufwand aufzuziehen, zu erreichen.

Claas Fedler aus Drakenburg, Kreis Nienburg, hatte folgendes Profil in seinem Stellenangebot formuliert: Fachkraft mit besonderen Fähigkeiten in der Sauenhaltung gesucht, alternativ Tierwirt Schweinehaltung, Betreuung einer Herde mit 300 Sauen, Fünftagewoche, alle drei Wochen Wochenenddienst. Hinzu kamen soziale Anforderungen: Belastbarkeit und Leistungsbereitschaft. Der Landwirt beschäftigt schon seit zehn Jahren eine Fremdarbeitskraft, der sich dann beruflich veränderte.

Mehrere vom Arbeitsamt vermittelte Bewerber erwiesen sich als eher ungeeignet, aber über die Agrarjobbörse gab es Bewerbungen von vier qualifizierten Fachkräften. Gleich nach dem ersten Vorstellungsgespräch folgte die Einstellung von Hans-Georg Schmidt (58), gebürtig aus Brandenburg. Er hat sein ganzes Berufsleben in Sauenbetrieben gearbeitet, also eine jahrzehntelange Erfahrung und demzufolge diesbezüglich eine hohe Fachkompetenz, auch in Richtung selbstständiges Arbeiten.

Natürlich gab es anfangs auch unterschiedliche Meinungen, vor allen Dingen zu produktionstechnischen Fragen, beispielsweise zum Dreiwochenrhythmus oder zu 28 Tage Säugezeit. Aber Chef und Mitarbeiter verständigten sich schnell auf eine gemeinsame Linie, wo inzwischen beide von überzeugt sind.  

Schmidt hat seinen Lebensmittelpunkt nach wie vor in Sachsen vier Autostunden vom Arbeitsplatz entfernt, dreimal monatlich fährt er für ein verlängertes Wochenende Richtung Heimat, vor Ort hat er eine kleine Wohnung.
Neuer Mitarbeiter von Maik Wiedemann, Arbeitgeber in Vechelde-Bettmar, Kreis Peine, mit 140 ha Acker ist Jannik Ahrens (20)  aus Wendeburg. Die Vermittlung lief über die Agrarjobbörse und  Hartmut Lüdeke, Arbeitnehmerberater der LWK in Braunschweig; der kannte beide Beteiligten persönlich und brachte sie zusammen.

Wiedemann hatte eine große Auswahl: acht Bewerber, vier Vorstellungsgespräche, drei potenzielle Kandidaten. Ahrens kommt gerade von der Fachschule und hat zuvor eine landwirtschaftliche Ausbildung absolviert. Sein neuer Chef suchte einen gelernten Landwirt oder Landmaschinenmechaniker, teamfähig, flexibel, zuverlässig und für Neues zu begeistern, der junge Mann "liefert" nun seit dem 1. August.

Der Neue soll vor allen Dingen den Ackerbaubereich unterstützen, der gemeinsam mit einem Partner betrieben wird. So muss er sich also jetzt intensiv mit Bodenbearbeitung, Pflanzenschutz und auch der Beregnungsanlage beschäftigen. Und dann sind da noch Sonderkulturen wie Erdbeeren, Himbeeren und Brombeeren, Direktvermarktung und Legehennen. Auch dort soll Ahrens den Betriebsleiter unterstützen, ihm vor allen Dingen in Arbeitsspitzen den Rücken freihalten, das erfordert vollen Einsatz und einen Wohnort in der Nähe, um auch schon mal am Wochenende auf Abruf eine Stunde kommen zu können und beispielsweise den Regner umzustellen. Wiedemann: "Jeder muss bei uns alles machen können und dazu gehört auch schon mal einen Tag Hühnerstall waschen, da erwarten wir eine hohe Flexibilität". Jeden Morgen um 7.30 Uhr ist Einsatzbesprechung, gemeinsam wird der Tagesablauf festgelegt. Dann werden die Aufträge kontinuierlich abgearbeitet.  
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