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Getreidevermarktung

Getreidemarkt: Exportaussichten schwinden

© Mühlhausen/landpixel
von am
14.02.2018

Geringere Exportmöglichkeiten aufgrund starker Konkurrenz, Währungsschwankungen, hohe Lagerbestände und die Sorgen wegen der Afrikanischen Schweinepest: Die Stimmung am Getreidemarkt bleibt verhalten.

Ruhig ist die Stimmung an den norddeutschen Getreidemärkten: Die Exporte haben sich in den Wintermonaten bisher nicht wie erhofft belebt.

Russlands Exporte bestimmen den Markt

In Russland laufen die Weizenexporte dagegen auf Hochtouren und bestimmen den Markt. Da mit einem massiven Wintereinbruch in dortigen Regionen nicht mehr zu rechnen ist, dürften auch deren Lieferungen kaum zurückgehen. Die Exportprognosen für Russland sind von Marktanalysten für die Saison 2017/18 auf 35 bis 36,8 Mio. t eingeschätzt worden, deutlich über Vorjahresniveau.

EU bleibt Nettoexporteur

Getreide wird mit einem Hoflader gefahren
© krick/agrar-press

Die Getreideexporte der EU verfehlten mit bisher 18,1 Mio. t das Vorjahresergebnis (21,7 Mio. t) deutlich. Dennoch bleibt die EU Nettoexporteur von Getreide, verliert jedoch traditionelle Exportmärkte. Algerien beispielsweise wird zurzeit nicht von Frankreich, sondern Argentinien beliefert. Internationale Getreidetender werden neben Russland vor allem auch von der Ukraine oder Rumänien bedient.

Erschwerend kommt hinzu, dass der seit dem Jahresbeginn 2017 wiedererstarkte Euro den deutschen Weizen zusätzlich verteuert, der auf dem Weltmarkt in US-Dollar gehandelt wird. Bei einem Exportpreis von rund 195 USD je t und einem USD/Euro-Wechselkurs von rund 1,25 USD/Euro hat sich im Vergleich zum Vorjahr (1,07 USD/Euro) der deutsche Weizen auf dem Weltmarkt allein aufgrund des Wechselkurses auf Jahresfrist schon um 26 Euro pro Tonne verteuert.

 

Deutschland führt deutlich weniger Getreide aus

Für das laufende Wirtschaftsjahr geht die EU-Kommission dennoch von 35,8 Mio. t Getreideexporten (Vorjahr: 38,2 Mio. t) aus. Rückgänge werden vor allem in Deutschland mit Minus 50 Prozent, aber auch in Frankreich (minus 22 Prozent) erwartet, während Rumänien einen Zuwachs von 14 Prozent verbuchen dürfte. Verlässliche Abnehmer am hiesigen Markt sind vor allem die Brotmühlen und die Futtermittelindustrie, die stetig Getreide nachfragen. Mit Ausnahme der Binnenschifffahrt haben sich die Fracht­raum­eng­päs­se mit Beendigung der Zuckerrübenernte deutlich entspannt.

Braugerste: Mehr Anbaufläche lässt Preiserwartungen sinken

Mit der Aussicht auf eine deutlich höhere Braugerstenanbaufläche in Norddeutschland und Skandinavien sind die Notierungen der Ernte 2018 bereits kräftig zurückgegangen. Landwirte in Niedersachsen haben bereits große Mengen zu attraktiven Preisen vorverkauft.

Für die laufende Kampagne war die Abgabebereitschaft der Landwirtschaft bei den Geboten der vergangenen Wochen nach wie vor sehr gering. In der Hoffnung auf steigende Notierungen lagern die Landwirte zurzeit noch bedeutende Getreidemengen auf den Höfen. Der Handel geht jedoch davon aus, dass bei Anlieferungen aus der Erzeugerstufe in den nächsten Wochen ein zunehmender Angebotsdruck entstehen könnte.

Auswirkungen der Afrika­nischen Schweinepest auf den Getreidehandel

Einen noch ungewissen Ausgang (und unbestimmten wirtschaftlichen Einfluss) hat der derzeit auf politischer Ebene diskutierte „Entwurf der dritten Verordnung zur Änderung der Schweinepest-Verordnung“.

  • Anlass ist die vornehmlich in Polen und im Baltikum grassierende Afrikanische Schweinepest.
    In einem Passus heißt es sinngemäß: „Es ist verboten, Getreide, Gras, Heu und Stroh, welches im gefährdeten Gebiet gewonnen worden ist, an Schweine zu verfüttern. Dies gilt nicht für die genannten Futtermittel, soweit sie früher als sechs Monate vor der Festlegung des gefährdeten Gebietes gewonnen wurden.“
  • Grundsätzlich sind entsprechende Vorsorgemaßnahmen in gefährdeten Gebieten absolut notwendig und nachvollziehbar, soweit sie wissenschaftlich begründet sind.
    Im Falle von Getreide liegen jedoch keine gesicherten Erkenntnisse darüber vor, ob der Erreger überhaupt auf trockenem Getreide überdauern kann und ob somit über die Verfütterung eine Infektionsgefahr besteht.
  • Ein Inkrafttreten dieser Verordnung hätte über Jahre hinweg einen  nicht abschätzbaren wirtschaftlichen Schaden für den Handel, die Futtermittelindustrie und die Landwirtschaft.
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