Login
Betriebsführung

Gibt es auf Erden ein Maß?

von , am
14.01.2014

Natürliche Ressourcen wie Boden, Wasser und Luft sind das Naturkapital des Menschen und die Basis jeden Wirtschaftens. Wie effizient die Nutzung sein kann, diskutierten Teilnehmer des Soester Agrarforums.

Die Akteure des 25. Agrarforums in Soest (v.l.): Hathumar Rustige (Susatia-Vorsitzender), Eberhard Breuninger (Moderator), Prof. Dr. Friedrich Kerkhof (FH Südwestfalen, Soest), Dr. Eckhard Ruthemeyer (Soester Bürgermeister), Prof. Dr. Margit Wittmann, Dekan Prof. Dr. Jürgen Braun, Prof. Dr. Marc Boelhauve, Prof. Dr. Verena Korr, Prof. Dr. Thomas Weyer, Prof. Dr. Wolf Lorleberg (alle FH Südwestfalen, Soest) und Prälat Dr. Peter Klasvogt (Kommende Dortmund). © Leymann
Solche Fragen kamen zum diesjährigen Thema in Soest auf, das da war "Ressourceneffizienz in der Landwirtschaft als Schlüssel zur gesellschaftlichen Akzeptanz". Eingeladen hatte der Soester Fachbereich Agrar der FH Südwestfalen und der Ehemaligenverband Susatia.

Den Hauptvortrag hielt Prälat Dr. Peter Klasvogt, Direktor des Sozialinstituts Kommende Dortmund. Sein Thema lautete "Macht Euch die Erde untertan - aber beutet sie nicht aus! Über einen verantwortungsvollen Umgang mit endlichen Ressourcen". Da Klasvogt keine persönlichen Bindungen zur Landwirtschaft hat, blickte er grundsätzlich auf das Thema des Forums und regte dabei viele der rund 800 Gäste zum Nachdenken an.

In der Bibel stehe, so Dr. Klasvogt, im Buch Genesis (1, 28 u. 29) "Gott segnete sie und sprach zu Ihnen: Seid fruchtbar und vermehrt euch und bevölkert die Erde, unterwerft sie euch und herrscht über die Fische des Meeres, über die Vögel des Himmels und über die Tiere, die sich auf dem Land regen. Dann sprach Gott: Hiermit übergebe ich Euch alle Pflanzen auf der ganzen Erde, die Samen tragen, und alle Bäume mit samenhaltigen Früchten. Euch sollen sie zur Nahrung dienen."

Der Mensch als Krönung der Schöpfung habe von Gott zwar einen Herrschaftsauftrag bekommen, aber zu einem treuhänderischen Umgang mit der Schöpfung. "Dem Mensch als Gottes Ab- und Ebenbild wurde die Erde anvertraut. Es ist aber kein Freibrief, wir sind nur die Verwalter Gottes", sagte er. Es sei quasi eine Übertragung der Verantwortlichkeit, aber man dürfe sich nicht den Ast absägen, auf dem man sitze. Das sei kein Ermächtigungsgesetz oder Befehlswort, sondern ein Segenswort.

Es gehe darum, erklärte Dr. Klasvogt, Naturgewalten zu bändigen und produktiv die Natur zu nutzen und die Landschaft zu pflegen. "Wir müssen uns immer die Frage stellen: Wie weit dürfen/können wir gehen bzw. welche Folgen hat unser Handeln?", sagte er. Der Mensch müsse sich immer vor Augen halten, dass er als Gast auf der Erde eingesetzt sei, sein Tun soll unter Gottessegen stehen. Natürlich sei dieses zur heutigen Zeit schwer vorstellbar. Oder um es philosophisch mit Dichter Hölderlin zu sagen "Gibt es auf Erden ein Maß?".

Über die Geschichte der Agrikultur bis hin zur Welternährung spann Dr. Klasvogt seinen Bogen zur aktuellen Landwirtschaft, Welternährung, Ernährungssicherheit und zum Klima: "Die gegenwärtige globale Erwärmung ist anthropogen, das heißt sie das Ergebnis einer nicht nachhaltigen Produktions-, Konsum- und Lebensweise, insbesondere gewaltiger Treibhausgasemissionen." Die Landwirtschaft sei auf der einen Seite Teil des Problems. Sie müsse aber auch ganz klar Teil der Lösung sein.

Abschließend erklärte er unter dem Punkt "Schöpfungsauftrag" die Nachhaltigkeit als Leitprinzip für eine ressourcenschonende Landwirtschaft und fragte dabei:
Dürfen wir, was wir können? Hier plädierte er für eine Kultur der Besonnenheit, der Rücksicht und des Verzichts: "Wir müssen lernen Grenzen zu akzeptieren".
Können wir uns nehmen, was wir wollen? Es gelte eine Tugend des Maßhaltens und der Bescheidenheit walten zu lassen. Seine These: "Ist nicht Optimum besser als Maximum?"
Ich oder die anderen? Hier stehe für ihn ein konservatorisches Engagement, politische Einflussnahme und aktiver Umweltschutz im Vordergrund: "Wir sind verantwortlich für morgen und für den Menschen neben uns."

Kurzfristig genießen/profitieren oder langfristig planen? Für Dr. Klasvogt geht kein Weg an der Nachhaltigkeit vorbei: "Wir sollten keine Grenze überschreiten. Es ist eine Frage des Gewissen, wie weit ich gehe. Wir kommen aus dem Glauben. Haben wir ihn noch oder ist er uns schon verloren gegangen?".

Im Anschluss folgte eine Diskussionsrunde mit Professoren des Soester Fachbereiches. Nach jeweiligen kurzen Vorträgen zur Ressourceneffizienz in den Bereichen "Umgang/Haltung landwirtschaftlicher Nutztiere, Landnutzung/Ackerbau und Welthandel/Welternährung", gaben die Wissenschaftler aus ihrer fachlichen Sicht Antworten zum Thema.
Auch interessant