Login
Weidepflege

Der gleitende Übergang auf die Weide

Limousin, Rinderherde von Hinten auf der Weide, Frühjahr
Felicitas Kaemena (Feldversuchsstation für Grünlandwirtschaft und Rinderhaltung )
am
27.04.2018

Viele Weideflächen sind mit Narbenschäden aus dem Winter gekommen. Zügige Pflege und frühes Anweiden verbessern die Narbenqualität. Beim Weideaustrieb sollten bestimmte Grundsätze nicht vergessen werden.

  • Dieses Frühjahr brauchen die Grünland- bzw. Weideflächen besondere Pflege.
  • Ein früher Start in die Weidesasion bietet viele Vorteile.
  • Über drei bis vier Wochen langsam anweiden.
  • Für Strukturausgleich sorgen.
  • Den Tierbesatz der Weidefläche anpassen.
  • Ausreichend sauberes Tränkewasser ist Pflicht.

Fahrspuren und Trittschäden beheben

Der sehr nasse Herbst und Winter sind den Grasnarben nach wie vor anzusehen. Die Grünlandbestände brauchen deshalb Pflege, um trotz der schwierigen Bedingungen in diesem Jahr genügend Futter mit guter Qualität zu liefern. Die hohen Niederschläge in 2017 haben dazu geführt, dass auf vielen Flächen im Herbst kein Pflegeschnitt mehr möglich war oder sogar auf den letzten Schnitt verzichtet werden musste. Auch die erhoffte „Notlösung“, mit dem Pflegeschnitt auf den ersten Frost zu warten, war häufig erst sehr spät möglich.

Wenn Fahrspuren oder starke Trittschäden entstanden sind

  • müssen diese jetzt behoben und die Lücken durch Nachsaat geschlossen werden.
  • Sonst kommt es im Bestand zu einer Verschlechterung der Grasartenzusammensetzung durch unerwünschte Arten.
  • Neuansaaten sollten auf die Fälle beschränkt bleiben, bei denen entartete Grünlandnarben oder leistungsschwache Bestände nicht mehr durch Nachsaaten verbessert werden können oder Bodenunebenheiten eine Einebnung erforderlich machen.

Gleitende Futterumstellung

Frühes Beweiden zu Vegetationsbeginn ist für die Steuerung des Grünlandbestandes von entscheidender Bedeutung. Abgesehen von den Boden- und Witterungsverhältnissen sowie dem optimalen Nutzungszeitpunkt des Aufwuchses ist die Zuteilug der Weideflächen für eine erfolgreiche Weidesaison entscheidend. Ebenso wichtig ist die gleitende Futterumstellung der Weidetiere, die von einer konstanten Winterration ins Gras kommen.

Der Weideaustrieb und damit der Futterwechsel bedeuten aus ernährungsphysiologischer Sicht Stress für die Tiere.

  • Problematisch sind im Vergleich zur konstanten Winterration die sich ständig ändernde Nährstoffzusammensetzung des Grases und die nicht vorhersagbaren Verzehrsmengen.
  • Ein abrupter Futterwechsel hin zu ausschließlich jungem strukturarmem Weidegras führt, aufgrund der hohen Verdaulichkeit, der hohen Zucker- und Proteingehalte und des geringen Rohfasergehaltes im Gras nicht selten zu Verdauungs- und Stoffwechselstörungen.
  • Je nach Witterung und Pflanzenbestand verändern sich Verdaulichkeit, Energie-, Rohprotein- und Rohfasergehalt.
  • Da die Gehalte der Inhaltsstoffe im Weidegras neben Witterung und Bestandeszusammensetzung auch vom Standort und der Düngung abhängen, wird eine regelmäßige Analyse des Weideaufwuchses empfohlen, um darauf abgestimmt die Zufutterrationen anpassen zu können.
Pferde auf einer Weide

Die Darmflora der Pferde muss in den ersten vier Wochen sehr vorsichtig auf die Futterumstellung vorbereitet werden. Eine hohe Raufutteraufnahme ist bei Pferden in den ersten Wochen des Anweidens sehr wichtig für den erfolgreichen Start in die Weidesaison. Neben der hohen Raufutteraufnahme sollte die Kraftfutterzufuhr bei Weidegang reduziert werden. Der Futteraufwuchs typischer Rinderweiden mit hohen Energiegehalten ist für die meisten Pferde zu gehaltvoll.

Ähnlich empfindlich wie Pferde reagieren Rinder und Kühe auf einen zu schnellen Futterwechsel. Junges Weidegras führt nicht selten zu Fermentationsstörungen und zur Pansenübersäuerung. Daher ist auch hier unbedingt der Ausgleich mit gut strukturiertem Grundfutter, wie zum Beispiel Anwelksilage, Heu oder Futterstroh zu schaffen. Um Pansenfunktionsstörungen und Milchleistungsverluste zu vermeiden, sollten die Kühe zudem für eine Zeit von zwei bis drei Wochen nur stundenweise geweidet werden. In dieser Zeit müssen sich Pansenmilieu und vor allem die Pansenmikroben auf das Weidegras einstellen.

Mit zunehmendem Graswachstum könnte dann nach der Umstellungszeit die Stallration schrittweise reduziert werden. Für konstant hohe Milchleistungen füttert dennoch ein Großteil der Betriebe mit Weidehaltung während der Vegetationsperiode Silagen aus Gras und Mais sowie Kraftfutter im Stall zu.

Steuerung der Weideführung

Pferde weiden anders als Rinder durch einen deutlich tieferen und stark selektiven Verbiss. Die Anforderungen an Pferdeweiden unterscheiden sich durch die Art der Futteraufnahme ebenso wie durch die unterschiedlichen Ansprüche an die Inhaltsstoffe des Grünlandaufwuchses:

  • Pferdeweiden müssen qualitativ hochwertiges und
  • vor allem rohfaserreiches Futter liefern und
  • dem Bewegungsdrang der Pferde genügen.
  • Pferde legen bis zu 20 km pro Weidetag zurück.
  • Es gilt für Pferde- und Rinderweiden der Grundsatz: der Futteraufwuchs muss zum Tierbesatz passen.
  • Gerade auf Pferdebetrieben ist oft eine Überbelegung der Flächen zu beobachten, da Weidefläche knapp ist.

Überweidung mindert die Futterqualität

Im vorderen Bereich der Weide ist die Grasnarbe durch den häufigen Aufenthalt der Tiere fast kahl

Die Art des Weidesystems und die Intensität der Weidenutzung beeinflussen die Zusammensetzung des Pflanzenbestandes, das Ertragspotenzial, die Höhe der Weideverluste sowie die Futterqualität und -aufnahme. Dadurch wird auch die Leistung der Tiere unterschiedlich stark beeinflusst. Eine Überweidung wirkt sich folglich nachteilig auf die Narbenqualität, die Futteraufnahme und damit auf die Leistung der Tiere aus. Eine zu geringe Besatzdichte führt andererseits zu überständigen Weideresten und dem Verlust der Futterqualität, sie verschlechtert die Narbe durch Verunkrautung.

Futterflächenbedarf

Pferden sollte eine Fläche von etwa 0,25 ha je Pferd (bei Tagesweide) bis 0,5 ha je Pferd (bei Vollweide) zur Verfügung stehen. Als Faustzahl für die Flächenbemessung gilt:

  • mindestens 100 m pro Pferd und Weidetag
  • an Regentagen auch bis zu 150 m pro Tier und Tag (Trittschäden vermeiden)
  • Der tatsächliche Flächenbedarf unterliegt allerdings je nach Bestandeshöhe und Futterqualität, der Grasezeit sowie dem Futterbedarf (Gewicht der Tiere) starken Schwankungen.
  • Die Aufwuchshöhe bei Auftrieb sollte 10 bis 15 cm betragen.

Weidehygiene

Im Rahmen der Parasitenvorbeugung muss auf weidehygienische Aspekte viel Wert gelegt werden. Weideparasiten beeinträchtigen Gesundheit und Leistungsfähigkeit der Weidetiere und treten besonders in nassen Jahren auf. Feuchtbiotope, als beliebte Brutstätte für Weideparasiten, sind konsequent auszuzäunen. Dies gilt auch wegen der dort vermehrt auftretenden schädlichen Pflanzen. Eine regelmäßige Schnittnutzung mindert die Ansteckung mit parasitären Larven.

Der Wechsel von Weide- und Schnittnutzung ist vorteilhaft für

  • den Pflanzenbestand,
  • den Ertrag und die Qualität des Weidefutters
  • und sorgt für geringere Weideverluste

Sauberes Wasser muss frei zugänglich sein

Wasser ist das preiswerteste Futtermittel und muss auf jeder Weide für jedes Tier frei zugänglich sein. Es ist auf eine qualitativ und quantitativ ausreichende Wasserversorgung zu achten. Der Wasserbedarf kann pro Kuh je nach Temperatur und Milchleistung im Sommer bis zu 150 Liter und mehr betragen. Pferde trinken im Durchschnitt täglich, in Abhängigkeit von Lebendmasse, Klima, Leistung und physiologischen Zustand, zwischen 30 bis 60 Liter Wasser. Hygienisch einwandfreies Tränkewasser findet man kaum in Gewässern oder Gräben, sondern vielmehr im Brunnen- oder Leitungswasser. Die Aufnahme des Tränkewassers aus Gräben erhöht das Infektionsrisiko der Tiere mit Parasiten und Krankheitskeimen.

Hinweise zu Rehe bei Pferden und vorbeugende Maßnahmen unter: www.landundforst.de: Achtung Hufrehe - Sieben Vorsichtsmaßnahmen

Auch interessant