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Kommentar

Glyphosatzulassung: Bauchgefühl schaltet den Verstand aus

Werner-Raupert-Land-Forst
Der stellvertretende Chefredakteur der LAND & Forst Werner Raupert © Jan Philipp Eberstein
von , am
02.11.2017

Die Frage der erneuten Zulassung von Glyphosat spaltet die EU-Staaten. Es droht ein fauler Kompromiss, meint Werner Raupert von der LAND & Forst.

Am 9. November soll es in Brüssel endgültig um die Zukunft des umstrittenen Wirkstoffs Glyphosat gehen. Angepeilt war ursprünglich, die Glyphosatzulassung um 15 Jahre zu verlängern. Doch immer neue Studien, die Glyphosat eine krebserregende Wirkung unterstellen, haben bei den Politikern Wirkung gezeigt.

Selbst die von der EU-Kommission ins Spiel gebrachte Glyphosatzulassungsverlängerung um zehn Jahre oder die Option, das Mittel für wenigstens sieben Jahre zuzulassen, fanden keine qualifizierte Mehrheit unter den EU-Ländern.

Deutschland enthält sich wieder in dieser wichtigen Frage und verweigert Befürwortern wie Spanien, Polen, den Niederlanden oder Großbritannien die Unterstützung.

Wissenschaftler bescheinigen: Glyphosat nicht krebserregend

Wie konnte es soweit kommen? Renommierte Wissenschaftler am deutschen Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) oder die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) haben dem Wirkstoff Glyphosat bescheinigt, nicht krebserregend zu sein.

Konsequent wäre es jetzt, solche teuren Behörden aufzulösen. Ihr Urteil und ihr Rat sind bei der Entscheidungsfindung offenbar nicht mehr gefragt. Politiker scheinen zunehmend nach dem Bauchgefühl zu entscheiden. Um es klar zu sagen: Wäre der Wirkstoff tatsächlich krebsauslösend, gäbe es keine zwei Meinungen. Doch solche Nachweise fehlen.

Glyphosat nur der Anfang einer Kette weiterer Zulassungsverbote?

Heute scheint ein Verdacht auszureichen, um wissenschaftliche Expertise und ganze Systeme in Frage zu stellen. Für die Bauern hat das weitreichende Folgen: Wie sollen sie nach dem Jahr 2022 mit der Situation umgehen? Die chemische Industrie kann sicher nicht helfen. So schnell können keine Alternativen aus dem Hut gezaubert werden.

Viele Praktiker fürchten zudem, dass Glyphosat nur am Anfang der Kette von weiteren Zulassungsverboten steht. Frust kommt auch deshalb auf, weil solche strengen Regeln bei Importen ausgeblendet werden.

Konzepte für Tag X ohne Glyphosat zurechtlegen

Ein wenig Hoffnung besteht noch, dass der Wirkstoff nach den fünf Jahren noch eine weitere Zulassung erhält, wenn auch mit erheblichen Auflagen. Berater und Landwirte sollten sich aber Konzepte für den Tag X zurechtlegen, an dem Glyphosat nicht mehr eingesetzt werden darf.

Mit einer größeren Vielfalt in den Fruchtfolgen und dem Einbau von Sommerungen kann etwas Druck genommen werden. Auch der Pflug wird wieder eine zentrale Rolle spielen – mit all den bekannten Risiken wie stärkeren Erosionserscheinungen.

Als Fazit bleibt: Mit dem Zulassungsende von Glyphosat wird nur scheinbar ein Problem gelöst. Um die sich daraus ergebenden neuen Konflikte müssen sich aber wieder andere kümmern.

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